Handball Martin Heuberger, der leise Anführer

Ab Donnerstag gilt es: Martin Heuberger gibt beim Super-Cup seinen Einstand als neuer Handball-Bundestrainer. Dem Nachfolger von Heiner Brand ist es dabei ganz recht, dass der Gummersbacher auch weiterhin medial im Mittelpunkt steht.

Martin Heuberger (Foto)
Ich bin der Neue: Martin Heubergers Feuertaufe steigt beim Super-Cup. Bild: dpa

Mit kalten Schwitzehändchen und einem unruhigen Grummeln in der Magengegend wird Beate Heuberger am Donnerstag ihren Platz einnehmen. Neben ihr die Söhne Tim und Felix. Die Heubergers sind eine handballverrückte Familie. Auf der Tribüne der Berliner Max-Schmeling-Halle werden sie ganz besonders die Daumen drücken. Zum Auftakt des Handball-Supercups (18.40 Uhr/Sport 1) trifft die deutsche Nationalmannschaft auf Dänemark. Und unten am Spielfeldrand steht Martin Heuberger. Ehemann, Vater und gegen den Vizeweltmeister erstmals Bundestrainer.

«Ich kann eine gewisse Grundnervosität nicht leugnen», gesteht der 47-Jährige am Tag vor seinem Debüt auf der deutschen Bank. Er ist der Nachfolger von Heiner Brand, der Hoffnungsträger des Deutschen Handballbundes (DHB) und seit seinem Amtsantritt am 1. Juli ein Mann mit noch weniger Zeit für die Familie. 40.000 Kilometer war er in den vergangenen Monaten mit seinem Dienstwagen unterwegs. Hinzu kommen unzählige Stunden in der Bahn oder im Flugzeug. Heuberger lebt Handball mit jeder Faser seines Körpers. Er geht in seiner neuen Aufgabe auf.

Heiner Brand: Die Erfolge des Riesenschnauzers

Heuberger: «Ich bin eher ein leiser Anführer»

Seine Familie weiß das. So gab es daheim auch keine Diskussionen, als ihm im vergangenen Sommer das Amt des Bundestrainers angeboten wurde. «Ich war immer viel unterwegs. Meine Frau ist da relativ schmerzfrei», sagt Heuberger. Der Karriereschritt zum obersten Handballlehrer des Landes kam für ihn unerwartet: «Vor einem Jahr hätte ich mir das alles noch nicht vorstellen können. Heiner Brand als absolute Handball-Ikone hatte ja noch einen Vertrag bis 2013.» Doch Brand trat im Sommer zurück. Der enttäuschende elfte Platz bei der WM im Januar in Schweden und die ständigen Scharmützel mit den Bundesliga-Vereinen hatten ihn zermürbt.

Bei der Suche nach einem Nachfolger führte kein Weg an Heuberger und dessen glänzenden Referenzen vorbei. Im Juniorenbereich hatte er dem DHB als Coach je zwei WM- und EM-Titel beschert, Brand zudem als Co-Trainer über Jahre erfolgreich zugearbeitet. Also rückte der akribische Fachmann an die vorderste Front. Das Rampenlicht sucht er aber nicht. «Ich bin eher ein leiser Anführer. Ich brauche die ganze Öffentlichkeit mit den Kameras nicht», sagt Heuberger. «Mir ist es ganz recht, dass der Fokus immer noch auf Heiner Brand liegt.» Sein Vorgänger ist dem DHB als Manager erhalten geblieben und kümmert sich vornehmlich um die Nachwuchsförderung.

Heuberger will auf Brands «Erfahrungsschatz» zurückgreifen

Aus der Arbeit mit dem Nationalteam will sich Brand aber heraushalten. Sollte Heuberger seinen Rat benötigen, steht die Tür des Weltmeister-Trainers von 2007 jedoch immer offen. Es soll einen unregelmäßigen aber intensiven Austausch geben. «Ich wäre schlecht beraten, wenn ich nicht auf einen solchen Erfahrungsschatz zurückgreifen würde», sagt Heuberger. Hilfebedürftig wirkt der neue Bundestrainer dabei nicht. Er formuliert seine Ziele klar, scheint den Erwartungshaltungen gewachsen. «Ich bin sehr erfolgsorientiert. Da macht man sich den größten Druck selbst. Gerade wenn mir manchmal bewusst wird: Jetzt stehe ich vorne und trage die Verantwortung», sagt Heuberger.

An Ergebnissen will er sich zumindest beim Supercup nicht messen lassen. Es geht ihm gegen Dänemark, am Samstag gegen Schweden und am Sonntag gegen Spanien um die Entwicklung der Mannschaft. Im Januar soll dann ein gutes Ergebnis bei der Europameisterschaft in Serbien folgen. Nur so kann vielleicht noch das Ticket für die Olympischen Spiele 2012 in London gelöst werden. «Die Konkurrenz ist sehr stark. Aber ich sehe reelle Chancen», sagt Heuberger. Auch die Familie würde sich über den Trip nach Großbritannien sicher freuen. Es würden Daumen gedrückt und Tore bejubelt werden. Alles wäre vertraut und doch irgendwie anders.

kru/phs/news.de/dapd

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig