Der Morgen danach Huub, der Offensiv-Apostel

Huub Stevens (Foto)
Huub Stevens lacht sogar auf der Bank. Bild: dapd

Von news.de-Redakteur Michael Heinrich
Huub Stevens war bislang nicht als ein Mann bekannt, der Hurra-Fußball spielen lässt. Doch auf Schalke hat er keine andere Wahl. News.de verfolgt Stevens Wandlung vom Defensiv-Saulus zum Offensiv-Paulus.

Als die Schalker Fans 2004 ihre Jahrhundertelf kürten, benannten sie Huub Stevens zu deren Trainer. Jener Stevens, der jetzt auch wieder auf der Bank sitzt, wäre früher aufgestanden und hätte seine Schalker bei zu forschem Angriffsfußball mit lauten Worten zurück beordert. Allzu großer Offensivdrang war dem «Knurrer aus Kerkrade» suspekt, erhöhte sich dadurch doch die Gefahr von Gegentreffern. Huub Stevens' Motto «Die Null muss stehen» wurde bei seinem ersten Engagement in Gelsenkirchen (1996-2002) zum geflügelten Wort, wenn es um die Schalker Spielweise ging.

Schalke fuhr damit nicht schlecht, gewann unter Stevens 1997 den Uefa-Pokal durch ein 1:0 im Hinspiel in Gelsenkirchen und ein 4:1 im Elfmeterschießen in Mailand. Bis kurz vor Schluss hatte es da ebenfalls 1:0 gestanden, ehe Ivan Zamorano fünf Minuten vor Schluss Inter mit Weltstar Ronaldo in die Verlängerung schoss. Yves Eigenrauch, Mike Büskens, Marc Wilmots, Ingo Anderbrügge uder Thomas Linke hießen damals die Helden.

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Stevens war für sie genau der richtige Trainer, keiner der brillianten Offensivfußball forderte. Das spielerische Potenzial der damaligen Königsblauen war eher überschaubar. Stevens legte sein Augenmerk auf die anderen Qualitäten seiner Spieler: Disziplin, Kampf und Teamgeist. Er tat gut daran und es entsprach wohl auch dem Naturell des ehemaligen Innenverteidigers.

Deshalb konnte man skeptisch sein, als Stevens als Nachfolger von Ralf Rangnick im September 2011 zum zweiten Mal als Trainer nach Gelsenkirchen kam. Rangnick ist Verfechter eines klar offensiven, aktiven Spiels, die Mannschaft mit Raul, Jefferson Farfan, Jan-Klaas Huntelaar darauf ausgerichtet.

Diese Offensivgiganten in die Spielschablone von 1997 zu zwingen, ist so abwegig, dass Stevens es nicht einmal probierte. Stattdessen wandelte er sich: «Wir haben so viel Potenzial in der Offensive, diese Stärken müssen wir ausnutzen», betonte Stevens sofort. Das brachte nicht erst Verunsicherung ins Team: «Wir haben unsere offensive Spielweise unter Ralf Rangnick begonnen und werden sie unter Huub Stevens weiter verbessern», konnte sich Huntelaar (10 Tore) sicher sein.

Die defensivstarken Jermaine Jones und Peer Kluge haben unter Stevens nicht einmal einen Stammplatz. Auf der Sechserposition hat Lewis Holtby den Vortritt. Die Außenverteidiger Marco Höger und Christian Fuchs sind eher Dampfmacher an der Seitenlinie. Und Youngster Julian Draxler hat nach vorne ohnehin seine Freiheiten. Im heutigen Schalker Spiel ist mehr Risiko als noch 1997 und auch mehr Finesse.

Stevens scheint gelassener geworden zu sein. Der Niederländer bleibt jetzt ruhig auf seiner Trainerbank sitzen, wenn seine Jungs im Vorwärtsgang mal den Ball verlieren, statt sie zur Raison zu rufen. Stevens, und das ist seine eigentliche bisherige Leistung, hat sich für die Mannschaft geändert. Schalke fährt wieder gut mit ihm, ist seit dem 3:1 gegen Hoffenheim erster Bayern-Jäger. Vielleicht ist Stevens für Schalke tatsächlich ein Jahrhunderttrainer.

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