Freiburgs Hinkel «Warum sollte ich mich alt fühlen?»

SC Freiburg - Hamburger SV (Foto)
Freiburgs Neuzugang Andreas Hinkel (l.;im Zweikampf mit Hamburgs Ivo Ilicevic) ist noch immer ein knallharter Verteidiger. Bild: dapd

Von news.de-Redakteur Michael Heinrich
Andreas Hinkel gehörte in Stuttgart einst zu den jungen Wilden. Nun kehrte er mit 29 Jahren zurück in die Bundesliga zum SC Freiburg. Mit news.de spricht der Ex-Nationalspieler über seine Zeit in Spanien und das Wiedersehen mit Michael Ballack.

Herr Hinkel, auch von uns ein herzliches Willkommen in der alten Heimat. Was schätzen Sie nach Ihren Jahren als Weltenbummler an Deutschland und der Bundesliga besonders?

Andreas Hinkel: Was ich an der Bundesliga mag, ist das, was jedem ausländischen Spieler, der hierher wechselt, auch einfällt: Die schönen, sehr gut besuchten Stadien und der Konkurrenzkampf, bei dem die Schere zwischen großen und kleinen Klubs zwar groß ist, aber längst nicht so weit auseinander wie in mancher großen Liga im Ausland. Und natürlich, die ruhige, seriöse Art, wie in Freiburg gearbeitet wird.

Sie waren Nationalspieler, als Sie zum FC Sevilla gewechselt sind. Dann hat Sie das gleiche Schicksal wie David Odonkor und Timo Hildebrand in Spanien ereilt - Sie wurden nicht mehr berufen. Dabei haben Sie in Spanien vier Titel gewonnen. Macht Sie das im Nachhinein gesehen traurig, dass Sie Ihrer Nationalmannschaftskarriere kein weiteres Spiel hinzufügen konnten und so auch nie eine WM gespielt haben?

Hinkel: Im Nachhinein macht mich das nicht traurig, weil ich ein Mensch bin, der nach vorne blickt. Die Zeit mit der Nationalmannschaft war toll, aber ich beschäftige mich damit nicht mehr. Außerdem hatte ich eine tolle Zeit in Sevilla - persönlich und sportlich. Wir haben beispielsweise den Uefa-Cup, den Uefa-Supercup und den Pokal gewonnen. Das war fantastisch.

Bundesliga
So hat sich Ihr Klub verstärkt

Welche Tipps würden Sie jungen Nationalspielern geben, die vielleicht auch mit einem Wechsel ins Ausland liebäugeln?

Hinkel: Ich würde jedem den Tipp geben, dass er sich selbst überlegt, was er für sich als passend empfindet. Es ist weder meine Aufgabe, Spieler vor einem Wechsel zu warnen, noch, ihnen einen aufzuschwatzen. Für mich persönlich war es aber genau der richtige Schritt. Ich möchte diese
Erfahrungen nicht missen.

Welche Erfahrungen bringen Sie aus dem Ausland mit – persönlich wie als Fußballer?

Hinkel: Ich nehme diese Zeit als absolute Bereicherung mit. Es war toll, andere Länder und Spielstile kennenzulernen und in Städten wie Sevilla und Glasgow arbeiten zu
dürfen.

Und wie kann das dem SC Freiburg im Kampf um den Klassenverbleib helfen?

Hinkel: Ich versuche einfach, dem SC Freiburg mit der Erfahrung zu helfen, die ich im Ausland und auch beim VfB Stuttgart gesammelt habe.

Nach langer Pause feierten Sie ein erfolgreiches Comeback, brachten trotz zweier Niederlagen Ihres Klubs selbst eine ordentliche Leistung. War der Sprung ins kalte Wasser der Bundesliga schwierig für Sie?

Hinkel: Eigentlich nicht. Ich habe mich ja bei einem Bundesligisten in Stuttgart fit gehalten, lediglich die Wettkampfpraxis hat etwas gefehlt.

In Stuttgart gehörten Sie ab 2003 zu den jungen Wilden. Jetzt ist fast die gesamte Liga jung und wild - und Sie inzwischen 29. Fühlen Sie sich alt?

Hinkel: (lacht) Nein, warum sollte ich mich mit 29 Jahren alt fühlen? Mir kommt es auch nicht mehr so vor, als gäbe es eine Jung-gegen-Alt-Diskussion. Das Durchschnittsalter eines Teams sagt heute tatsächlich wenig über den Tabellenplatz aus.

Bei Ihrem heutigen Gegner Leverkusen (20.30 Uhr/Sky und im news.de-Liveticker) spielt Michael Ballack (35), ein Gegenentwurf zum Jugendstil der Liga. Was erwarten Sie von dem Wiedersehen?

Hinkel: Ich freue mich auf das Wiedersehen mit Michael. Beide Teams sind nicht allzu gut in die Saison gestartet, das wird keiner bestreiten. Für Leverkusen geht es am Freitagabend um viel und für uns auch. Das werden die Zuschauer der Partie garantiert spüren.

Andreas Hinkel (29) bestritt von 2003 bis 2009 insgesamt 21 Spiele für die deutsche Nationalmannschaft. In der Bundesliga absolvierte der Rechtsverteidiger aus dem schwäbischen Backnang 156 Partien für den VfB Stuttgart, ehe er 2006 nach Sevilla und zwei Jahre darauf zu Celtic Glasgow wechselte. Wegen eines Kreuzbandrisses fiel Hinkel für die gesamte vergangene Saison aus und fand nach seiner Rückkehr zunächst in Deutschland keinen neuen Verein. Anfang Oktober verpflichtete der SC Freiburg den zu diesem Zeitpunkt arbeitslosen Profi.

kru/news.de

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