Sportpolitik Eingriffe in Intimsphäre: 150 Sportler-Beschwerden

Schon mehr als 150 deutsche Leistungssportler haben sich bisher bei Datenschutz-Beauftragten des Bundes und der Länder wegen Verstößen gegen das Datenschutzgesetz bei Dopingkontrollen beschwert.

Eingriffe in Intimsphäre: 150 Sportler-Beschwerden (Foto)
Eingriffe in Intimsphäre: 150 Sportler-Beschwerden Bild: dpa

Berlin (dpa) - Schon mehr als 150 deutsche Leistungssportler haben sich bisher bei Datenschutz-Beauftragten des Bundes und der Länder wegen Verstößen gegen das Datenschutzgesetz bei Dopingkontrollen beschwert.

Darüber informierte Stefan Brink, der Datenschutz-Beauftragte von Rheinland-Pfalz, im Sportausschuss des Deutschen Bundestages in Berlin. Sportler hätten dabei massive Verstöße gegen die Persönlichkeitsrechte bezüglich der Weitergabe von Krankheitsdaten und Aufenthaltsorten («Whereabouts») beklagt. Zudem seien bei Dopingtests gravierende Eingriffe in die Intimsphäre insbesondere bei Minderjährigen reklamiert worden.

«Man zieht die Hose runter und das Leibchen hoch. Und so steht man vor dem Kontrolleur», sagte der Berliner Basketball-Nationalspieler Heiko Schaffartzik und sorgte für Schmunzeln und auch nachdenkliche Gesichter bei den Sportpolitikern.

Das von Athleten als «elektronische Fußfessel» kritisierte Meldesystem Adams und der «Code der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA und der Nationalen Doping-Agentur NADA verstoßen in wesentlichen Punkten gegen europäisches Datenschutzrecht», schlussfolgerte Datenschutz-Experte Brink und forderte die Sportpolitiker zur Schaffung gesetzlicher Grundlagen für die Dopingkontrollen auf. «Wir Athleten hoffen, dass ein Kontrollsystem geschaffen wird, das die Privat- und die Intimsphäre der Athleten besser respektieren würde», meinte Schaffartzik.

Bei den Sportpolitikern trafen diese Forderungen auf unterschiedliche Reaktionen. «Ich gebe zu, als Athlet würde mich eine solche Fußfessel auch stören», meinte Turn-Ex-Weltmeister Eberhard Gienger. «Aber wir haben noch keine probaten Vorschläge gehört, welche Alternativen es denn gibt.» Das derzeit bestehende Anti-Doping-System dürfe nicht zerschlagen werden, sagte der Sportpolitiker der CDU/CSU-Fraktion.

Auch der DOSB-Aktivenbeirat hatte vor der Anhörung des Sportausschusses davor gewarnt, das Kontrollsystem durch überzogene Datenschutzanforderungen zu beschädigen. Wer versuche, die nationalen Datenschutzregelungen auf den Sport zu übertragen und das Rad des Anti-Doping-Kampfes wieder zurückzudrehen, «fällt den sauberen Sportlern in den Rücken und begünstigt die Betrüger», erklärte Christian Breuer, der Vorsitzende der Athletenkommission.

NADA-Vorstandsmitglied Lars Mortsiefer räumte ein, dass die Möglichkeit, auf Sichtkontrollen bei Sportlern unter 16 Jahren zu verzichten, im nationalen Bereich eingeräumt wurde. Jedoch genieße die NADA international einen hohen Stellenwert. Daher dürfe bei Achtung aller Datenschutz-Forderungen das Niveau der Kontrollen in Deutschland nicht aufs Spiel gesetzt werden.

news.de/dpa

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