Schiedsrichter-Fehler Die Liga wütet gegen Regeln und Referees

Wenn sie nicht auffallen, haben sie ihren Job gut gemacht, heißt es. In der Fußball-Bundesliga ist gerade das Gegenteil der Fall. Die Schiedsrichter stehen bei vielen Partien im Mittelpunkt. Schuld sind überholte Regeln und hanebüchene Fehler.

Schiedsrichter (Foto)
Der auch nach Spielende von seiner überzeugte Schiedsrichter Peter Sippel zeigt Lauterns Rodnei (rechts) die Rote Karte. Bild: dpa

Markus Merk hat Champions-League-Finals und Europameisterschaftsendspiele gepfiffen, doch so heftig und unmittelbar attackiert wie am Samstagabend auf Schalke wurde der Ex-Referee wohl noch nie. Als Experte für den TV-Sender Sky wurde Merk von den Schalker Hardcorefans auf das Übelste beschimpft, ausgepfiffen, mit Bierbechern und sogar einer schweren Billardkugel beworfen.

Seit Merk in den letzten Sekunden der Saison 2000/01 für den FC Bayern einen indirekten Freistoß pfiff und dadurch den Schalkern aus Sicht der «Königsblauen» die Meisterschaft vermasselte, ist der Zahnarzt aus der Pfalz in Gelsenkirchen der meistgehasste Referee. Bei Bundesligaspielen wurde er seit 2001 nicht mehr angesetzt, als TV-Experte musste er sich nun dem geballten Fanunmut stellen. Befeuert wurde die gesamte Szenerie noch, weil Schiedsrichter Peter Sippel aus München einen rabenschwarzen Tag erwischte. Stellvertretend für den Mann auf dem Spielfeld musste Kommentator Merk als Hassobjekt herhalten.

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Sippel hatte das Spiel, Endstand 2:1 für die Gäste aus der Pfalz, durch zwei Elfmeterentscheidungen - von denen eine umstritten und eine gänzlich falsch war - und jeweils zwei darauffolgende Rote Karten maßgeblich beeinflusst. Eine Doppelbestrafung, die zu recht die Wut von Spielern, Trainern und Fans schürt.

Referee Sippel: «Ich hätte gerne Gelb gezeigt»

Kurios: Nach der Partie bekannte Sippel, dass er selbst gern nur Gelbe gezeigt hätte. Doch die Regel schreibt vor, in solchen Fällen zwingend Rot zu zücken. «Das Verhindern einer eindeutigen Torchance des gegnerischen Teams wird mit einem Feldverweis bestraft. Dabei ist unerheblich, ob das Vergehen im Strafraum erfolgte oder nicht», heißt es in Punkt 12 des Regelwerks.

Seit 2004 bemüht sich der Deutsche Fußballbund (DFB), die umstrittene Regel zu reformieren. Zuständig dafür ist das International Football Association Board (IFAB), das mit je einem Vertreter der «Ur-Fußballverbände» aus England, Schottland, Wales und Irland sowie vier Vertretern des Weltfußballverbandes Fifa über alle Regeländerung herrscht. Vorerst wurde die Eingabe des DFB an die Fifa Task Force 2014 verwiesen. Frühestens zur Saison 2013/14 also könnte das Regelwerk reformiert werden.

Ärger um passives Abseits

Doch nicht nur die umstrittene Regelung der Doppelbestrafung sorgte am Wochenende für Unmut. Auch der Passus zum passiven Abseits stand gleich auf drei Plätzen im Fokus. In der Partie zwischen Bremen und Dortmund am Freitag wurde der Treffer von Patrick Owomoyela trotz passiver Abseitsstellung von Robert Lewandowski anerkannt. Im Spiel zwischen Mainz und Augsburg verweigerte der Schiedsrichter einen Treffer von Nicolai Müller, weil Eric-Maxim Choupo-Moting die Sicht des Torhüters behindert haben soll.

Und Hannover 96 wurde am Sonntagabend des Ausgleichstreffers durch Sergio Pinto beraubt, weil der Schiedsrichterassistent Didier Ya Konan im passiven Abseits sah. «Der Schiedsrichter hat auf passives Abseits entschieden, weil der Spieler (Ya Konan, Anm. d. Red.) mich behindert haben soll. Das war nicht der Fall», sagte Kölns fairer Keeper Michael Rensing. «Da haben wir einfach Glück gehabt.» Der um den Treffer gebrachte Pinto sagt aufgebracht: «Ich verstehe das nicht. Tut mir leid, für diese Entscheidung gibt es kein Verständnis.»

Im Gegensatz zur Doppelbestrafung beim Elfmeterpfiff lässt das Regelbuch dem Schiedsrichter in diesem Fall viele Freiheiten. Dort heißt es nämlich: «Ein Spieler wird nur dann für seine Abseitsstellung bestraft, wenn er nach Ansicht des Schiedsrichters zum Zeitpunkt, zu dem der Ball von einem Mitspieler berührt oder gespielt wird, aktiv am Spiel teilnimmt, indem er (..) einen Gegner beeinflusst (..). ‹Einen Gegner beeinflussen› heißt, dass der Spieler einen Gegenspieler daran hindert, den Ball zu spielen oder spielen zu können, indem er eindeutig die Sicht des Gegners versperrt oder Bewegungen oder Gesten macht, die den Gegner nach Ansicht des Schiedsrichters behindern, täuschen oder ablenken.» Das bei dieser schwammig formulierten Regel keine Einheitlichkeit gewahrt werden kann, ist logisch.

Ex-Fifa-Schiedsrichter Bernd Heynemann hatte zuletzt über die Flut an Roten Karten in der Bundesliga zu news.de gesagt: «Spieler wollen keine Bevorzugung. Sie wollen nur Gleichbehandlung. Und da passt das Maß in vielen Fällen nicht.»

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beu/news.de

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Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Lotterie
  • Kommentar 3
  • 18.10.2011 07:15

In Zukunft werde ich meine Geld für Bundesligaspiele lieber an Einrichtungen spenden die es nötiger haben, dort ist es besser aufgehoben. Ich sehe nicht ein warum ich "verschobene" spiele finanzieren soll?

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  • Sternensammler
  • Kommentar 2
  • 17.10.2011 22:17

Das der Torwart von Köln, Herr Rensing, zugab das es ein Tor gewesen wäre, und die Kölner deswegen Glück hatten,ist doch nur daraus entstanden weil Köln sowieso gewonnen hat. Hätte Hannover gewonnen oder sie nur Unentwchieden gespielt, hätte es natürlich geheißen das er behindert worden sei.

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  • jotis
  • Kommentar 1
  • 17.10.2011 15:01

Quark, von wegen Fairness des Herrn Rensing. Die Stellungnahme ist unangemessen, weil er nun mal die Situation nicht zu beurteilen hat. Er kann seine Meinung dazu sagen, die heißen kann, ich habe mich nicht behindert gefühlt. Dann ist aber auch das Ende der Fahnenstange erreicht. Wann ein Torwart im 5-m-Raum behindert wird, ist eine arg diffizile Angelegenheit und wird derzeit arg ruppig gehandhabt, das sollte eigentlich anders sein. Vielleicht war es das diesmal ja.

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