Fernsehrechte Gericht kippt Exklusiv-Vermarktung

Eine Pub-Besitzerin stellt die Fußballwelt auf den Kopf. Sie darf die englische Liga in England live schauen - bei einem griechischen Anbieter. Das entschied der Europäische Gerichtshof. Jetzt könnte auch Bundesliga-Live-TV billiger werden.

Exklusiv-Vermarktung (Foto)
TV-Bilder könnten bald schon aus Griechenland kommen. Bild: dpa

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschied in Luxemburg, dass ausländische Decoderkarten zum Empfang von Übertragungen im Bezahlfernsehen nicht verboten werden dürfen. (Rechtssachen C-403/08 und C-429/08) Das Urteil wird zu einer Änderung der Vermarktung von Sportrechten führen und hat auch Auswirkungen auf den Verkauf der TV-Rechte der deutschen Bundesliga. Eine Berufung gegen das Urteil ist nicht möglich (Lesen Sie zum Thema auch den news.de-Kommentar)

Sexy im TV: Die schönsten Sportmoderatorinnen
zurück Weiter Seit Juli 2013 arbeitet sie bei Sport1 als Moderatorin, Field Reporterin und Beitragsmacherin.[2] (Foto) Zur Fotostrecke Foto: Twitter.com/LauraWontorra

Die Richter kamen zu dem Schluss, dass «nationale Rechtsvorschriften, die die Einfuhr, den Verkauf und die Verwendung ausländischer Decoderkarten untersagen, gegen den freien Dienstleistungsverkehr verstoßen». Ein System von exklusiven Lizenzen verstößt auch gegen das Wettbewerbsrecht der Union, so der Spruch.

Mit seiner Entscheidung gab der EuGH der Pub-Besitzerin Karen Murphy aus dem englischen Portsmouth recht. Murphy hatte in ihrer Kneipe Spiele der englischen Premier League gezeigt, dafür aber keine Decoderkarte des britischen Bezahlsenders BSkyB verwendet, sondern eine günstigere aus Griechenland.

Die Klage der englischen Liga brachte den Stein ins Rollen

Daraufhin wurde die Kneipen-Chefin von der «Football Association Premier League» (FAPL) verklagt, welche die Rechte zur Ausstrahlung der Premier League vermarktet. In den Exklusiv-Verträgen mit der FAPL müssen sich nationale Sendeanstalten verpflichten, die Spiele der Premier League verschlüsselt auszustrahlen und das Signal nur Bürgern in ihren Ländern zugänglich zu machen.

Die Entscheidung des höchsten EU-Gerichts kam nicht aus heiterem Himmel. Bereits vor der Urteilsverkündung war eine hohe Gerichts-Gutachterin zu der Ansicht gekommen, dass durch die Verwendung ausländischer Decoderkarten die kommerzielle Verwertung der Rechte nicht unterlaufen werde. Schließlich würden die entsprechenden Gebühren für diese Karten entrichtet.

DFL prüft das Urteil

In dem Grundsatzurteil geht es auch um Fragen des Urheberrechts. Das höchste EU-Gericht entschied, das einzelne Teile einer Übertragung wie beispielsweise die Hymne der Premier League geschützte Werke seien, Fußballspiele selbst hingegen nicht.

Der TV-Sender Sky erklärte auf dapd-Anfrage, man wolle am Dienstag keine Stellungnahme zu der Entscheidung abgeben und verwies auf die Zuständigkeit der Deutschen Fußball Liga (DFL). Bei der DFL hieß es, man prüfe derzeit das Urteil. Hannover-96-Präsident Martin Kind verwies im Gespräch mit news.de ebenso auf eine genaue Prüfung des Urteils. Für die TV-Rechte erhält die DFL derzeit insgesamt 412 Millionen Euro pro Saison.

Hannovres Manager Jörg Schmadtke sagte: «Natürlich kann dieses Urteil Auswirkungen auf die Bundesliga haben. Man sollte sich mit dem Urteil jetzt zunächst einmal ganz in Ruhe auseinandersetzen.» Und: «Zunächst wird sich die DFL damit befassen. Auf Hannover 96 hat das zunächst keinen Einfluss. Wir wirtschaften ja ohnehin eher konservativ», sagte der Sportdirektor des Fußball-Bundesligisten Hannover 96 weiter.

kru/news.de/dpa/dapd

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig