Sami Allagui «Mainz muss sich alles neu erarbeiten»

Sami Allagui (Foto)
Will Mainz 05 wachrütteln: Sami Allagui. Bild: dpa

Ullrich KroemerVon news.de-Redakteur
Vor genau einem Jahr war der FSV Mainz 05 Tabellenführer und das Überraschungsteam der Bundesliga. Aktuell dümpelt das Team von Trainer Thomas Tuchel im Tabellenkeller. Stürmer Sami Allagui begibt sich bei news.de auf Ursachensuche.

Sami, wann haben Sie zuletzt Ihr legendäres Hackentor gegen Bayern München aus der vergangenen Spielzeit angeschaut?

Sami Allagui: Ich habe es ehrlich gesagt lange nicht mehr gesehen.

Hilft es Ihnen, in der aktuell angespannten Situation bei Mainz 05, sich auf die traumhafte vergangene Saison zu besinnen, oder stört das nur?

Allagui: Wir haben jetzt eine ganz andere Situation als im vergangenen Jahr. Aber klar hilft es, sich besondere Momente noch einmal anzusehen. Ich denke nicht, dass es schaden würde. Eigentlich ein ganz guter Tipp.

Verglichen mit dem Vorjahr ist die Situation in Mainz aktuell trist. Ihr Mitspieler Bo Svensson hat kürzlich gesagt, dass Mainz 05 derzeit ein unterdurchschnittliches Bundesliga-Team ist.

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Allagui: Wir haben keine unterdurchschnittliche Mannschaft, wir haben lediglich unser Potential bislang nicht so abgerufen, wie wir es eigentlich können - so meinte Bo das. Unsere Laufstärke, unsere Präsenz auf dem Platz und der Wille, immer an seine Grenzen zu gehen, das sind Stärken, die uns ausmachen, und die müssen wir noch besser auf dem Platz umsetzen.

Ganz objektiv betrachtet, ist nach den Abgängen von Lewis Holtby und André Schürrle zu wenig Qualität in der Mannschaft?

Allagui: Es ist eine andere Mannschaft, als im vergangenen Jahr, aber keine schlechtere. Klar kann man keinen André Schürrle ersetzen, der eine Topsaison hingelegt hat. Wir sind in dieser Saison in der Breite besser aufgestellt und haben auch individuelle Stärke dazu gewonnen.

Müssen Sie sich jetzt damit abfinden, dass Sie in dieser Saison um den Klassenverbleib kämpfen müssen?

Allagui: Abfinden ist das falsche Wort, für Mainz 05 ging und geht es immer um den Klassenerhalt. Das war auch in der vergangenen Saison so. 2010/11 hatten wir nach sieben Spieltagen 21 Punkte und standen an der Tabellenspitze, dieses Jahr sind wir leider schlechter in die Saison gestartet. Deshalb gilt es umso mehr, sich auf das Primärziel Klassenerhalt zu konzentrieren. Wenn der geschafft ist, dann sehen wir weiter.

Jetzt haben Sie nur acht Zähler.

Allagui: Wir müssen jetzt endlich auch wieder siegen. Das wissen wir und da muss jeder auch ein Stück Verantwortung übernehmen. Wir müssen uns Selbstvertrauen und alles erst wieder neu erarbeiten, das wir wieder mal ein Spiel gewinnen.

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Ist es Ihnen nach der vergangenen Saison schwer gefallen, den Schalter umzulegen?

Allagui: Nee, es ist für Mainz einfach nicht normal, das wir uns jedes Jahr für den Europapokal qualifizieren. Wir haben in der vergangenen Saison die Schwäche vieler etablierter Klubs wie Werder Bremen ausgenutzt. Da geben wir uns keinen Träumereien hin.

Die Last in der Offensive liegt jetzt auf Ihnen. Spüren Sie die gesteigerte Erwartungshaltung, weil Sie mehr im Mittelpunkt stehen?

Allagui: Wir sind elf Spieler auf dem Platz und da hat jeder eine gewisse Bringschuld. Wir müssen als Mannschaft besser funktionieren, mehr an uns glauben und wieder marschieren, wie wir das im letzten Jahr gemacht haben. Da haben wir die Spiele durch Leidenschaft und Spielwitz gewonnen. Wir haben frech aufgespielt, das hat uns ausgezeichnet. Aber von der vergangenen Saison können wir uns nicht mehr kaufen.

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Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer persönlichen Leistung in der aktuellen Saison?

Allagui: Ich hätte gern mehr Punkte auf dem Konto. Ich bin fit und hoffe, dass wir das so schnell wie möglich nachholen.

Ihnen fehlt noch der Rhythmus, auch durch kleine Verletzungen oder den Krankenhausaufenthalt, als Sie auf dem Rückweg von der tunesischen Nationalmannschaft im Flieger dehydriert sind.

Allagui: Ich habe auf dem zehnstündigen Flug zu wenig gegessen und getrunken, vorher bei 45 Grad gespielt und das hat der Körper nicht mitgemacht. Da muss ich besser aufpassen, aber mir ging es schnell wieder gut.

Mit Ihnen, Karim Haggui oder Ammar Jemal gibt es inzwischen mehrere leistungsstarke tunesische Nationalspieler in der Bundesliga.

Allagui: Wir haben super Spieler in der Nationalmannschaft. Unser Kapitän Karim Haggui ist auch zweiter Kapitän in Hannover, hat dort einen Stammplatz. Ammar Jemal, im Nationalteam mein Zimmernachbar, hat ein starkes Debüt für den 1. FC Köln gegeben. Ich bin stolz darauf und hoffe, dass noch mehr Spieler aus Tunesien in die Bundesliga kommen. Wir haben gute Kicker in unserem Land.

Sami Khedira ist genau wie Sie tunesischer Abstammung. Haben Sie zu ihm Kontakt?

Allagui: Wir haben ein paar mal gegeneinander gespielt, aber wir haben persönlich keinen engen Kontakt zueinander.

Bereuen Sie manchmal, sich nicht wie Khedira für die deutsche Mannschaft entschieden zu haben?

Allagui: Nee, ich stehe zu der Entscheidung. Das ist für mich eine Herzensangelegenheit.

Zurück nach Mainz: Hat sich das Verhältnis der Mannschaft zu Thomas Tuchel verändert? Wie geht er mit der Situation um?

Allagui: Sie wissen doch, wenn wir nicht gewinnen ist immer der Trainer schuld. Aber er ist es nicht, der die Schuld trägt, sondern wir Spieler, die auf dem Feld stehen. Er bereitet uns genau wie im letzten Jahr auf die Spiele vor. Wir müssen das nur besser umsetzen.

Sie sind in Mainz einer der beliebtesten Spieler. Sind Sie als Düsseldorfer beim Karnevalsverein Mainz gefragt, um wieder gute Stimmung in die Kabine zu bringen?

Allagui: Auch wenn es nicht so läuft, haben wir einen guten Zusammenhalt in der Mannschaft. Auch in der Kabine, da verkriecht sich keiner. Wir hatten einfach bislang auch viel Pech. Im Spiel gegen Kaiserslautern weiß ich bis heute nicht, wie die Lauterer drei Tore gegen uns schießen konnten. Gegen Dortmund rollt in letzter Minute so ein Kullerball ins Tor und jetzt in Nürnberg haben wir erst das Spiel gedreht, die Chancenüberzahl gehabt und dann kurz vor Schluss einen blöden Konter gefangen. Das Glück ist scheinbar nicht auf unserer Seite, aber wir werden alles versuchen, das zu ändern. Mit guter Leistung hat man eben die beste Chance auf Punkte.

Der tunesich-stämmige Sami Allagui (25) wurde in Düsseldorf geboren. Nach seiner Ausbildung bei Fortuna Düsseldorf und Alemannia Aachen begann er seine Profikarriere bei RSC Anderlecht. Nach Stationen im belgischen Roeselare, bei Carl-Zeiss Jena und der SpVgg Greutrher Fürth wechselte der Offensivallrounder 2010 zum FSV Mainz 05 in die 1. Liga. In seiner Debütsaison erzielte Allagui zehn Treffer, dazu gab er fünf Torvorlagen. In der aktuellen Spielzeit schoss der tunesische Nationalspieler zwei Tore.

hem/news.de

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