Radsport Energie aus Thüringen

Ob Zeitfahrweltmeister Tony Martin, Sprinthoffnung Marcel Kittel oder John Degenkolb - der neue deutsche Radsport trägt den Stempel «Made in Thüringen». Längst ist der in Erfurt ansässige Rennstall Thüringer Energie Team zur besten Talentschmiede Deutschlands geworden.

Thüringer Kittel  (Foto)
Marcel Kittel jubelt über seinen Sieg bei der 7. Etappe der Spanien-Rundfahrt. Bild: dpa

Die Reise nach Kopenhagen war eine der schönsten, die Jörg Werner zuletzt unternommen hat. Nicht nur, weil die dänische Hauptstadt besonders reizvoll ist, sondern weil der Manager seinen ehemaligen Schützlingen bei der Weltmeisterschaft zujubeln konnte. Der neue Zeitfahrweltmeister Tony Martin fuhr drei Jahre lang für das Thüringer Team. Und auch der Bronzemedaillengewinner im Straßenrennen, André Greipel, verbrachte in Thüringen die ersten Profijahre.

Die vielen Schulterklopfer, die der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) nach der besten WM seiner Geschichte kassierte, galten auch Werner und den zweiten sportlichen Leiter im Team, den ehemaligen Telekom-Profi Stephan Schreck. Für sie war es die Bestätigung einer seit Jahren hervorragenden Arbeit. Mittlerweile gehen Talente gezielt nach Erfurt, um von dort den Sprung in die Elite-Rennställe zu schaffen.

Radsport: Gute Gründe, die Tour zu schauen

John Degenkolb und Marcel Kittel gelang dies zuletzt. Degenkolb bekam 2011 einen Vertrag beim erfolgreichsten Team der Welt, HTC Highroad; Kittel wurde von Skil-Shimano verpflichtet. Der 23-Jährige sorgte sofort für Aufsehen. Mit seinem Etappensieg bei der Spanien Rundfahrt und einem Sprintsieg gegen André Greipel fuhr er sich ins Rampenlicht. Beide fuhren bei der WM, verrichteten wertvolle Helferdienste. Für Olympia 2012 sitzen beide Greipel schon im Nacken.

Wieder Zeit für ein deutsches Profi-Team

«Dass Kittel und Degenkolb so einschlagen, macht schon Freude», sagt Schreck und ist sich sicher, dass in Zukunft noch viel mehr von dem Duo zu erwarten sein wird. In Erfurt haben die Talente ein Team, in dem sie sich in Ruhe entwickeln können. «Für die jungen Renner ist es wichtig zu wissen, dass sie die Zeit haben», erklärt Schreck. Die Konzentrationsprozesse im Radsport sind für ihn deshalb ein zweischneidiges Schwert.

Die Formierung des neuen Superteam RadioShack-Nissan-Trek aus den zwei erfolgreichen Rennställen Leopard Trek und Radio Shack setzt eine Menge renommierte Profis auf die Straße. Neue Fahrer müssen sich bei der Vertragssuche erst einmal gegen die behaupten, die sich schon einen Namen gemacht haben. «Andererseits braucht auch dieses Team Indianer, nur Häuptlinge wird nicht funktionieren», sagt Schreck.

Ein ebenso großes Hinderniss beim Sprung in den Profibereich für die Talente, die es in Deutschland durchaus gibt, ist die Absenz eines deutschen Toprennstalls. Als das Team Milram 2010 seine Pforten schloss, fielen auch wichtige Kontakte in den Topbereich weg. Schon die Auflösung des Teams T-Mobile war ein Rückschlag für das Thüringer Energie Team. Die Talentschmiede unterhielt nämlich eine enge Kooperation mit den Bonnern.

«Die Jungs stehen für einen neuen deutschen Radsport», sagt Schreck und meint, die Zeit wäre reif für ein neues deutsches Team. Pläne dafür gibt es. Unter anderem denkt Sprinter Danilo Hondo in diese Richtung, auch die gefallene Radsportikone Jan Ullrich hat nach seinem Burnout wieder Lust auf Radsport. Was sich auch immer im deutschen Spitzenradsport ändert, eins bleibt sicher bestehen: Talente kommen aus Thüringen.

kru/news.de

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Snoopy
  • Kommentar 1
  • 29.09.2011 09:08

dass diese Sportler, von denen Sie oben reden über einen kontinuierlichen Leistungsaufbau über die Heimatvereine und über die Leistungssportstrukturen der Radsportverbände erst einmal zum dem Leistungssportler reifen und sich im Juniorenalter für eine leistungssportliche Laufbahn noch in diesem Unterbau entscheiden, vergessen Sie beflissentlich. Diese Teams, von dene Sie reden, holen sich die schon fast fertigen Sportler aus den Deutschen Verbänden sowie aus dem Ausland. Es reicht dazu genug Geld, ein intaktes Management und Ihre Presse, fertigt ist die "Talentschmiede"!

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig