Radsport Die neue Supermacht

Trek (Foto)
Andy Schleck (r.) und Andreas Klöden verstehen sich augenscheinlich gut. Bild: imago

Von news.de-Redakteur Michael Heinrich
Wird der Spitzenradsport künftig zu einer Zweiklassengesellschaft? Bei der Fusion der starken Teams Leopard Trek und Radio-Shack zur neuen Supermacht RadioShack-Nissan-Trek bekommt sogar Alberto Contador Muffensausen. Rolf Aldag und andere wollen dem Sport den Rücken kehren.

Es ist nicht überliefert ob Rolf Aldag Fußballfan ist. Wenn, dann würde er vielleicht folgendes Bild gebrauchen: Man lasse Bayern München und Borussia Dortmund fusionieren, behalte nur die besten 20 der über 40 Spieler und dominiere fortan die Konkurrenz. Der Rest der Mannschaft sitzt auf der Straße – das gilt übrigens auch für Trainer und Betreuer.

Nein, Aldag gefällt es gar nicht, was längst beschlossene Sache ist. Der Fusion der ohnehin schon starken Radteams Leopard Trek (Schleck, Cancellara) und Radio Shack (Klöden, Horner, Brajkovic) zum neuen Superteam RadioShack-Nissan-Trek kann der ehemalige Profi und spätere Sportliche Leiter rein gar nichts Positives abgewinnen. Er kennt die unmittelbaren Konsequenzen aus eigener Erfahrung.

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Viele Deutsche sind von der Entlassungswelle betroffen

Gerade erst ist sein Team HTC Highroad abgewickelt worden, obwohl es gemessen an Siegen das erfolgreichste der letzten Jahre war. Die Bereitschaft von Sponsoren, ein Team zu finanzieren, ist noch immer begrenzt im von Dopingschlagzeilen bebeutelten Metier. Viele Fahrer standen auf der Straße, da es immer weniger erstklassige Arbeitgeber gibt. Jetzt steht die nächste Entlassungswelle an, von der auch viele Deutsche betroffen sind.

Fabian Wegmann ist darunter und auch Linus Gerdemann, der 2007 als einer der letzten Deutschen das Gelbe Trikot bei der Tour de France getragen hatte. Wahrscheinlich werden sie ihre Zukunft in Russland finden, beim Team Katjuscha, bei dem Landsmann Christian Henn als Sportlicher Leiter angeheuert hat und das in dieser Saison schon hinterher gefahren ist.

Etwas anderes steht auch 2012 angesichts der übermächtigen Konkurrenz des neuen Superteams nicht in Aussicht. Viele andere Rennställe werden ebenfalls zu den Verlierern gehören. Selbst Alberto Contador, dreimaliger Gewinner der Tour de France, schwant Böses: «Dieser Zusammenschluss ist nicht gut für mich. Das ist eine unglaubliche Einheit für die großen Rundfahrten», erklärte der Spanier.

Aldag: «Ich habe mit dem Radsport ein Problem»

Neben den Schleck-Brüdern und Fabian Cancellara gehören auch die Deutschen Andreas Klöden und Jens Voigt zum Superteam. Als Etat werden 20 Millionen Euro kolportiert. Zum Vergleich: Gerade haben die Sponsoren des Lotto-Ridley-Team, für das auch Sprinter André Greipel fährt, angekündigt, mehr Geld zu geben. Der Etat läge dann bei neun Millionen Euro - ein Klassenunterschied.

Nicht wenige fragen sich, warum der Weltradsportverband UCI und insbesondere Präsident Pat McQuaid dem Treiben tatenlos zuschaut. «Beim Weltverband wird sehr viel Politik gemacht, mit der ich nichts anfangen kann. Ich kann an einer solchen Konzentration nichts Gutes finden», schimpfte Aldag und denkt selbst an ein Ausscheiden: «Ich muss überlegen, ob ich noch dabei bleiben will oder nicht. Ich habe mit dem Radsport mittlerweile ein Problem.» Vielen Fahrern dürfte es ähnlich gehen.

kru/news.de

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