Burnout Rangnick wirft bei Schalke hin

Ralf Rangnick tritt als Trainer von Schalke 04 zurück. Am Morgen verabschiedete sich der 53-Jährige bereits von seinem Team. Inzwischen verriet er den Grund für seinen Rückzug: Rangnick leidet an einem Erschöpfungssyndrom. News.de hat die Reaktionen auf den Rücktritt.

Ralf Rangnick (Foto)
Ralf Rangnick heuerte erst am 21. März dieses Jahres auf Schalke an - zum zweiten Mal. Bild: imago

Erst vor 17 Tagen hatte Hannovers Torhüter Markus Miller seine mentale Erkrankung bekannt gemacht und sich in stationäre Behandlung begeben. Nun ist Schalkes Trainer Ralf Rangnick aus ähnlichen Gründen zurückgetreten. Der 53-Jährige sei «aufgrund eines Erschöpfungssyndroms momentan nicht in der Lage, die Kraft und Energie aufzubringen», die Mannschaft weiter zu führen, teilte der Verein mit. Co-Trainer Seppo Eichkorn und Markus Gisdol übernahmen bereits das Schalker Training und werden am Samstag beim Heimspiel gegen den SC Freiburg auf der Bank sitzen.

Heldt: «Habe Hochachtung vor der Entscheidung»

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«Nach langer und reiflicher Überlegung bin ich zum Entschluss gekommen, dass ich eine Pause brauche. Die Entscheidung so zu treffen, ist mir unheimlich schwer gefallen. Doch mein derzeitiger Energielevel reicht nicht aus, um erfolgreich zu sein», ließ Rangnick in einer Pressemitteilung verlauten.

«Wir haben die Mannschaft am Morgen von der Trennung informiert. Ralf Rangnick hat sich bereits von ihr verabschiedet», sagte Manager Horst Heldt auf der Pressekonferenz am Mittag und zollte dem Fußballlehrer zudem Respekt für sein öffentliches Bekenntnis: «Ich habe Hochachtung vor dieser Entscheidung. Er hat mir gesagt, dass es ihm nicht gut geht.» Schalke-Boss Clemens Tönnies reagierte bestürzt. «Es ist tut mir total leid, aber wir müssen die Gesundheit von Ralf Rangnick über die Interessen des Klubs stellen», sagte Schalke-Boss Clemens Tönnies zuvor zu Sport1.de.

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«Er ist am körperlich am Ende»

Laut Schalke-Mannschaftsarzt Rarreck lautet die Diagnose bei Rangnick «vegetatives Erschöpfungssyndrom. Der Körper ist ausgelaugt, körperlich ist er am Ende. Er wird nach einer Pause zur alten Stärke zurückkommen», ergänzte der Mediziner. Rarreck verglich es mit einem Spieler, «der übertrainiert ist und seine Leistung nicht mehr bringen kann». Die Maßnahme sei präventiv, und es sei wichtig, «dass er die Speicher wieder auffüllt», meinte Rarreck.

Die Nachricht vom Rücktritt kam völlig überraschend. «Das zieht uns den Boden unter den Füßen weg, denn das war vorausschauend nicht erkennbar, und in der Kürze der Zeit kann auch nicht an Lösungen gedacht werden. Das war ein Schock, wir müssen das erst einmal sacken lassen.» Darum sei es laut Heldt nun «keine einfache Situation», die der Klub schnellstmöglichst abarbeiten müsse.

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Auch für S04-Urgestein Olaf Thon kam der Rücktritt aus heiterem Himmel. «Ich bin ja nach wie vor ziemlich nah am Verein dran, doch am Samstag beim Spiel gegen Bayern gab es überhaupt keine Anzeichen für Rangnicks Rücktritt. Ich bin mehr als überrascht und wäre noch überraschter, wenn etwas anderes als die angegebenen gesundheitlichen Gründe hinter dem Rücktritt stecken würden», sagte der 45-Jährige zu news.de.

War das Tischtuch zerschnitten?

Damit spielt Thon darauf an, dass das Tischtuch zwischen Rangnick und Teilen der Mannschaft zerschnitten gewesen sein könnte. Erst am Mittwoch hatte der Fußballlehrer via Bild zum großen Rundumschlag ausgeholt. Dabei hatte er unter anderem die teuren Stars Raúl, Jefferson Farfan und José Manuel Jurado verbal angegriffen.

Trotz dieser Querelen trifft der Rücktritt den Verein bis ins Mark und zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. «Ich hatte endlich mal das Gefühl, dass auf Schalke alle die nötige Demut hatten, Ralf Rangnick vertraut haben und den eingeschlagenen Neuanfang mitgetragen haben», sagte Thon zu news.de.

Erst vor einem halben Jahr und einem Tag hatte Rangnick seinen Dienst bei den «Königsblauen» begonnen und die Mannschaft im Mai ins Halbfinale der Champions League und zum DFB-Pokalsieg geführt. In dieser Saison lief es für die «Knappen» allerdings nicht nach Plan. Nach zwei Ligapleiten in Folge steht der Klub mit neun Punkten nach sechs Spielen aktuell in der Bundesliga nur auf Platz neun. In der Europa League gab es ein müdes 0:0 gegen Steaua Bukarest.

Thon traut Eichkorn mehr zu

Nun wird so schnell wie möglich nach einem Nachfolger gesucht. «Wir haben heute ohnehin unsere turnusmäßige Aufsichtsratssitzung, da wird die Trainerfrage natürlich Thema Nummer 1 sein. Wir müssen die beste Lösung finden und nicht die schnellste», sagte Tönnies.

Ob Seppo Eichkorn in den Überlegungen der Bosse eine Rolle spielt, ist eher unwahrscheinlich. Für Thon ist das durchaus denkbar: «Ich traue Seppo Eichkorn auch zu, das Traineramt länger zu übernehmen. Vielleicht führt ja für Ralf Rangnick auch ein Weg zurück, wenn es ihm gesundheitlich besser geht.»

phs/kru/hem/news.de/dpa

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Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 3
  • 23.09.2011 10:35

Obwohl ER mit den Schlaffies kein Bedauern hat, ist das System nicht akzeptabel.Da wird ein Söldnerhaufen lieblos zusammengestellt und Funktionären (Trainer, Sportdir. u.a.) die Verantwortung zugeschoben. Der Funktionär selbst hat keinerlei Identifikation mit dem Club oder der Stadt und würde das, was er hier macht, auch wo ganz anders machen, nämlich Spieler gegeneinander ausspielen. Maschinen sind das! R sagt, soll doch Real, Barca oder Bayern München alleine spielen, wenn sie meinen das geht. Generalstreik gegen das Söldnertum wäre das einzige Mittel den Zirkus zu einem Erlebnis zu machen.

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  • Klaus Stehmann
  • Kommentar 2
  • 22.09.2011 13:23

Wenn es nicht mehr geht, dann sollte man aufhören denn dann ist eine Heilung abzusehen. Für Herrn Rangnick tut es mir Leid.

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  • Willi Meermann
  • Kommentar 1
  • 22.09.2011 13:15

Leider ist das eine nicht schöne Nachricht. Aber wenn der Trainer von selbst aufhört, dann hat das seinen Grund und dieser ist ja bekannt. Es tut mir Leid für RR. Jetzt soll doch der Eichkorn die Manschaft übernehmen. Dann würde ich aber den Huub Stevens holen. Dieser Trainer kennt sich doch in Schalke aus und ist z.Z. zu haben.

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