Sportrekorde Dagegen ist Usain Bolt eine lahme Ente

Dagegen ist Usain Bolt eine lahme Ente (Foto)
Usain Bolt ist nur der Anfang, wozu der Mensch im Sprint möglich ist. Bild: dapd

Andreas SchloderVon news.de-Redakteur
Jamaikas Sprint-Star Usain Bolt ist der schnellste Mann der Welt. Doch bald könnte er eine lahme Ente sein. Autor John Brenkus ist sich sicher, dass Zeiten von unter neun Sekunden auf 100 Metern möglich sind. Wo liegt die Grenze sportlicher Leistungsfähigkeit?

Wenn Usain «Lightning» Bolt durch eine Tempo-30-Zone läuft, wird er definitiv geblitzt. Die Sprintkanone schafft derzeit bis zu 43 Stundenkilometer. Er erreicht Tempo 40 in weniger als vier Sekunden. Das Resultat: der Weltrekord von 2009 bei der Leichtathletik-WM in Berlin mit einer Zeit von 9,58 Sekunden. Bolt unterbot damit seine eigene Bestmarke von Peking um elf Hundertstel.

Bolt ist ein Ausnahmetalent - und macht jede Statistik kaputt. «Den meisten Prognosen zufolge hätten wir die 9,69 Sekunden, die Bolt bei den Olympischen Spielen in Peking lief, erst 2030 erleben dürfen», schreibt der amerikanische Sportwissenschaftler John Brenkus in seinem Buch 100 Meter in acht Sekunden?. Der Produzent, der mit einem Emmy ausgezeichneten Show Sport Science im US-Fernsehen, beschäftigt sich mit der spannenden Frage, wozu der Mensch noch fähig ist.

Supersportler
Höher, weiter, schneller
Usain Bolt  (Foto) Zur Fotostrecke

Seit Jahren spekulieren Wissenschaftler, Trainer und Fans über sportliche Höchstleistungen. Mit Bolt kommt im wahrsten Sinne des Wortes Fahrt in die Thematik. Seine Fabelzeit von Peking diente Brenkus als Grundlage, um die ultimative Bestzeit vorherzusagen. Sein Ergebnis: Es wird einen Sprinter geben, der die 100-Meter in exakt 8,99 Sekunden laufen wird.

Rein rechnerisch allerdings, denn der nicht zu toppende Weltrekord entstand mit Hilfe von Statistiken, Physik und Physiologie auf dem Reißbrett. Und ist nur möglich, wenn alle entscheidenden Faktoren stimmen: Gene, Ernährung, Training, mentale Stärke, Erfahrung, Konkurrenz und der Luftdruck.

Start nicht verschlafen

Ausgangspunkt ist Bolts Olympiarekord, den er in vier Phasen einteilt und damit deutlich macht, dass selbst diese Zeit weit unter den Möglichkeiten des Blitzes aus Jamaika liegt. Phase eins ist, so schnell wie möglich aus dem Startblock zu kommen - ohne dabei disqualifiziert zu werden. «Bei internationalen Wettkämpfen wird von einer Zehntelsekunde oder 100 Millisekunden Reaktionszeit ausgegangen.

Wer schneller reagiert, hat einen Fehlstart hingelegt», so Brenkus. Da war dem Sportwissenschaftler zufolge Bolts Start weit davon entfernt. Mit 117 Millisekunden Verzögerung legte der Jamaikaner den zweitschlechtesten Start im Feld hin. Hätte er die Karenzzeit hingelegt, wäre er schon allein damit um sieben Tausendstel schneller.

Das größere Problem ist aber, die eigene Spitzengeschwindigkeit zu erreichen - und vor allem bis ins Ziel zu halten. Bolt erreichte wie die meisten Sprinter sein Limit von 43 Stundenkilometer kurz nach der 50-Meter-Linie. Sein Vorteil gegenüber der Konkurrenz: seine Beinlänge. «Weltklassesprinter brauchen für die 100 Meter meist 44 oder 45 Schritte, Bolt brauchte in Peking nur 41», beschreibt Brenkus dessen Vorteil. Zur Streckenhälfte überwand er mit jedem Schritt rund zweieinhalb Meter.

Bolts Körperbau ist ein Phänomen und treibt Wissenschaftler und Mathematiker selbst zu Höchstleistungen an. Dr. Bassil Aish, ehemaliger Mannschaftsarzt an der Universität von Los Angeles, hat für Brenkus die ideale Muskelmasse und -zusammensetzung für Sprinter analysiert. Fazit: «Bolt ist nah dran, aber es gibt noch jede Menge Optimierungsspielraum.» Heißt, wer die richtige Kombination aus kurzen Muskelfasern für den Start und langen Muskelfasern für die langen Schritte verfügt, kann im Vergleich zu Bolt 3,7 Prozent schneller laufen.

Wer holt den Weltrekord? Natürlich ein Jamaikaner

An diesem Punkt im Buch angelangt, gibt es kein Zurück mehr. Und der Laie staunt nur noch, wie der schnellste Weltrekord aller Zeiten zustande kommen wird. Wer gewinnt? Natürlich ein Jamaikaner. Er ist 1,88 Meter groß, wiegt 87 Kilogramm mit einem Fettanteil von vier Prozent. Seine Beinlänge beträgt 102 Zentimeter. Es herrschen mit sieben Stundenkilometer Rückenwind gerade noch zulässige Bedingungen. Der Luftdruck ist unter 1000 Hektopaskal, dort ist der Luftwiderstand am geringsten.

Doch wann können wir den Weltrekord im Fernsehen verfolgen? Wir nicht mehr, denn er wird für das Jahr 2909 vorausgesagt. Doch Sprinter wie Usain Bolt haben schon einmal die Statistik über den Haufen gerannt. 

 

Lesetipp: 100 Meter in 8 Sekunden? - Wie Wissenschaftler die Grenzen sportlicher Leistung vorhersagen, John Brenkus, riva Verlag, 256 Seiten, 16,99 Euro. 

ham/rzf/news.de

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