Absurde Riten So schüchtern Sportler ihre Gegner ein

Neuseeland tanzt den Haka, Boris Becker verteilte Kusshände und Sumo-Ringer beeindrucken durch Joghurtwerbung: Im Sport geht es nicht immer darum, den Gegner im Wettkampf zu besiegen - sondern ihn schon vorher zu entmutigen. News.de stellt kuriose Tricks vor.

The All Blacks (Foto)
Zunge raus und böse gucken: Der maorische Haka soll den Gegner einschüchtern. Bild: dpa

Stellen Sie sich vor: Bastian Schweinsteiger und Mesut Özil stecken beim kommenden Länderspiel die Zunge raus, schlagen mit der Faust auf ihre Brust, schreien und tanzen. Eine merkwürdige Vorstellung, fürwahr. Beim Fußball kann der Zuschauer schon froh sein, wenn die Spieler die Nationalhymne mitsingen, in anderen Sportarten wird der Gegner durch Schreie und drohende Gebärden schon im Vorfeld eingeschüchtert. Nichts für schwache Nerven. News.de stellt die kuriosen Tricks der Sportler vor.

Rugby

Heute beginnt in Neuseeland die Rugby-Weltmeisterschaft. Bis zum 23. Oktober treten dort die besten Teams der Welt an - Deutschland ist nicht dabei. Rugby, der Sport, der als Hooligan-Sport für Gentlemen bezeichnet wird, ist nicht nur während des Spiels schnell und enorm sehenswert. Das Team aus Neuseeland, die All Blacks, tanzen vor jedem Spiel auf dem Platz den Haka, einen traditionellen Kampfestanz der Maori.

Es gibt zwei Arten des Haka. Der Ka Mate wurde bis 2005 gesungen und dann für besondere Anlässe von dem Kapa o Pango abgelöst. Letzterer hat einen Text, der sich nur mit der Rugby-Mannschaft befasst, der Ka Mate hingegen ist ein Lied, das für alle Kämpfe gilt.

Die Neuseeländer sind nicht die einzigen, die vor Rugby-Spielen tanzen. Auch die Mannschaft aus Tonga tanzt - und zwar den Sipi Tau, der dem Haka nicht unähnlich ist. Die Wirkung des Tanzes ist jedoch zweifelhaft: Neuseeland ist statistisch zwar die beste Rugby-Mannschaft der Welt, für Tonga trifft dies aber nicht zu.

Bajiquan 

Auch in der chinesischen Kampfkunst Bajiquan - übersetzt die «Faust der acht Extreme» - wird der Gegner eingeschüchtert. Dafür gibt es keinen Tanz, sondern einfach ein lautes Fußaufstapfen. Wer laut auftritt, macht dem Gegner Angst. Wer keine Kraft hat und nur ein laues Stampfen zustanden bringt, sorgt beim Gegner vor allem für ein lautes Lachen.

Boxen

Der eigentliche Boxkampf dauert gar nicht lange. Doch das Vorgeplänkel nimmt Tage in Anspruch! Da wird gewogen, die Gegner stieren sich wie zwei Kater vor dem finalen Kampf in die Augen - wer zuerst blinzelt, ist ein Schwächling. «Ich besuche Dich am Sonntag im Krankenhaus», sagte David Haye vor dem Kampf im Juli zu Wladimir Klitschko. Auch ein Einschüchterungsversuch. Allerdings ein schlechter - Haye verlor den Kampf nach Punkten.

Eishockey

Kein Tanz vor dem Spiel, aber das personifizierte Grauen während des Spiels: Beim Eishockey sorgen die Enforcer für Angst und Schrecken beim Gegner. Wenn sie auf Kufen angerast kommen, weiß der Gegner: Nun wird es blutig. Enforcer wie der ehemalige Topspieler Wayne Gretzky, die nicht nur Angst verströmen, sondern auch Punkte machen, sind bei den Fans besonders beliebt. Wer einfach nur für den Moment der Prügelei aufs Feld geschickt wird, nennt sich Goon. Der Trainer setzt ihn ein, wenn ein Gegenspieler durch Bodychecks eingeschüchtert werden soll. Bei ihnen kommt es nicht auf spielerische Finesse an, sondern nur auf Kraft.

In letzter Zeit sind die Enforcer und Goons allerdings stark in die Kritik geraten, nachdem in der nordamerikanischen Eishockey-Liga NHL mehrere Spieler an Depressionen erkrankten, sich selbst töteten oder an einem Mix aus Schmerzmitteln und Alkohol starben.

Muay Thai

Der Wai Kru, eine Art ritueller Tanz in der thailändischen Sportart Muay Thai, bedeutet übersetzt: Die Angst aus dem Herzen vertreiben. Er soll auf den Kampf vorbereiten und dem Gegner zeigen, was ihn gleich erwartet. Zur Choreographie gehört eine kleine Kostprobe des Kampfstils und eine Huldigung des eigenen Meisters. Wenn beide getanzt haben und keine Angst mehr im Herzen verspüren, geht es los.

Sumo

Eigentlich sind Sumo-Ringer schon beeindruckend genug. Sie sind groß, breit und ihr Gesichtsausdruck ist grimmig. Der Gegner wird allerdings nicht durch den Körper eingeschüchtert, sondern durch den Gürtel, den Mawashi. Der zeremonielle Gürtel ist üppig bestickt, besteht aus kostbarem Stoff und hat ein furchterregendes Logo - bei einigen Kämpfern ist das aber mittlerweile durch Werbung ersetzt worden. So trägt der bulgarische Sumo Kotoōshū Katsunori, eigentlich Kalojan Stefanow Machljanow, eine Joghurt-Marke auf seinem Mawashi.

Tennis

Eigentlich gibt es im Tennis rituell nichts, um den Gegner einzuschüchtern. Kein In-die-Augen-Gucken, kein Aufstampfen mit dem Fuß, kein Tanz. Deshalb zeigte Boris Becker sich durchaus erfindungsreich, als er 1995 bei den US-Open gegen Andre Agassi antreten musste. Um seinen amerikanischen Gegner so richtig aus der Fassung zu bringen, warf er der damaligen Ehefrau von Agassi, Brooke Shields, in aller Öffentlichkeit eine Kusshand zu. Der zeigte sich daraufhin gedemütigt, und schrieb Jahre später in seiner Biographie, er hasse Boris Becker dafür. Gebracht hat das dem deutschen Rekordsportler übrigens nichts. Andre Agassi gewann die US-Open.

iwi/news.de

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Michael Gardeleben
  • Kommentar 2
  • 10.09.2011 07:02

was ist an einem handkuss oder tanz unfair???????????????

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  • WV
  • Kommentar 1
  • 09.09.2011 18:49

Die ganzen Drohgebärden vor den Spielen oder Wettkämpfen gehören in jeder Sportart verboten. Beim Wettkampf muß die Fairniss vorrang haben. Fair sein ist oberstes Gebot und wer sich nicht daran hält muß vom Wettbewerb ausgescholssen werden.

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