Hannovers Torwart Markus Miller macht Burnout publik

Markus Miller (Foto)
Markus Miller wechselte im Sommer 2010 vom KSC zu Hannover 96, machte aber kein einziges Bundesligaspiel. Bild: dapd

Vor 22 Monaten nahm sich Robert Enke wegen Depressionen das Leben. Nun leidet mit Markus Miller erneut ein Torhüter von Hannover 96 unter mentaler Belastung. Der Ersatzkeeper machte seine Krankheit publik und will sich in stationäre Behandlung begeben.

Im Gegensatz zu Robert Enke wandte sich Markus Miller an den Verein. «Natürlich sind wir alle erst einmal betroffen, doch ich glaube, dass die Mannschaft ihm jede Unterstützung geben wird», sagte 96-Trainer Mirko Slomka nach dem Training am Montag. «Wir konzentrieren uns auf den Sport, das hat er mir auf den Weg gegeben.»96-Clubchef Martin Kind lobte, dass Miller mit seiner Krankheit an die Öffentlichkeit gegangen ist: «Dieser Schritt ist ein großes Zeichen von Mut. Er hat in einem Club, der ein furchtbares Erlebnis mit einem persönlichen Schicksal durchgemacht hat, bewusst den Gang an die Öffentlichkeit gewählt und klare Fakten geschaffen.» Auch Bundestrainer Joachim Löw meinte: «Ich glaube, dass es eine gute Entscheidung war von Miller, dass er den Schritt gegangen ist.»

DFB-Länderspiel
Deutschland spielt für Enke

Der 29 Jahre alte Torwart sagte in einer Mitteilung des Vereins: «Ich habe mich dazu entschlossen, meinen Klub, unsere Fans und die Medien über meine Erkrankung zu informieren.» Weiter erklärte Miller: «Seit einiger Zeit habe ich immer seltener das Gefühl, dass ich der Mannschaft wirklich helfe oder etwas Wesentliches bewirke. Dabei erlebte ich zunehmenden, großen inneren Druck und Anspannungen, die mich begannen zu blockieren.»

Der Familienvater, der im Sommer 2010 aus Karlsruhe kam, ist bisher die Nummer zwei hinter Ron-Robert Zieler. Er hat für Hannover 96 noch kein Punktspiel absolviert, für den KSC stand er 61 Mal im Bundesliga-Tor. Bei Miller wurde nach Angaben des Clubs neben der mentalen Erschöpfung ein beginnendes Burnout-Syndrom diagnostiziert.

Der Profi hatte zunächst mit der sportlichen Leitung des Vereins über seine Probleme gesprochen. «Markus hat mich frühzeitig ins Vertrauen gezogen und umfassend informiert», sagte Slomka: «Wie er seine Situation angenommen hat, sich aktiv um Hilfe bemüht hat und für sich selbst die Entscheidung getroffen hat, die Öffentlichkeit in Kenntnis zu setzen, ist imponierend.» Der Coach informierte vor dem Training am Montag Millers Mitspieler.

Stammtorwart Zieler, mit der Nationalmannschaft derzeit in Polen, wurde per Telefon unterrichtet. Bundestrainer Löw wollte vor dem Länderspiel in Danzig mit dem 22-Jährigen über die Situation sprechen. Zieler steht erstmals im Aufgebot der Nationalmannschaft und wird am Dienstag als Ersatzmann für Tim Wiese auf der Bank sitzen.

Impressionen
Im Gedenken an Robert Enke

«Oberste Priorität hat für uns alle, dass Markus Miller von seinen Ärzten erfolgreich behandelt werden kann», sagte 96-Manager Jörg Schmadtke. «Wir stärken und schützen ihn, weil er sich mit aller Offenheit seinen psychischen Schwierigkeiten stellt, die unverändert in unserer Gesellschaft als Tabu-Thema behandelt werden.»

Schmadtke war bereits im November 2009 Hannovers Manager, als der Suizid von Enke die Sportwelt geschockt hatte. Der damalige Nationalkeeper litt jahrelang unter Depressionen, ohne dass ein Vereinsverantwortlicher dies bemerkte. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung nahm der Club von Enke Abschied, fast 40 000 Menschen kamen zur Trauerfeier ins Stadion.

Die nach Enkes Tod gegründete Robert-Enke-Stiftung zollte dem Schritt von Miller, die Krankheit publik zu machen, am Montag «höchste Anerkennung». Obwohl der Keeper auf unbestimmte Zeit ausfällt, will der Club keinen weiteren Torwart verpflichten. Neben Zieler steht der Österreicher Samuel Radlinger bei 96 unter Vertrag, er spielte bisher in der 2. Mannschaft. «Ich habe ihn informiert, das er nun die Nummer zwei ist», sagte Trainer Slomka.

Robert Enke
Karriere zwischen Extremen

«Bei Markus Miller ist von einer deutlich positiven Behandlungsprognose auszugehen», sagte Martin Braun, der Therapeut des Fußballprofis. Der Psychologe, Arzt und Psychotherapeut aus Gelsenkirchen betreut Miller bereits längere Zeit. 

phs/beu/news.de/dpa

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