Leichtathletik-WM Harting gelingt der goldene Wurf

Wieder riss er sich sein Trikot vom Leib und brüllte seine Freude in die Kameras: Diskus-Provokateur Robert Harting wiederholte seinen Triumph von Berlin und verteidigte seinen Weltmeistertitel. Und das, obwohl er verletzt in den Wettkampf ging.

Robert Harting (Foto)
Erstes Gold für Deutschland: Robert Harting zeigt seine breite Brust. Bild: dapd

Noch im Diskus-Ring sank der Goldjunge auf die Knie, nach einem Interview-Marathon humpelte der Held fröhlich zur Siegerehrung und ballte auf dem Podest die Faust. Hart, härter, Harting: Mit letzter Kraft und äußerstem Willen hat Diskus-Recke Robert Harting wieder einmal den goldenen Dreh gefunden und seinen WM-Titel eindrucksvoll verteidigt. Im vierten Versuch schleuderte der 26 Jahre alte Berliner die Zwei-Kilo-Scheibe 68,49 Meter weit und ließ der Konkurrenz im Finale der Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Daegu keine Chance. Rechtzeitig zum Saisonhöhepunkt wuchs der eigentlich am Knie verletzte 2,01-Meter-Mannüber sich hinaus und beendete auch seinen 16. Wettkampf in Serie siegreich.

Leichtathletik-WM: Fehlstarts, Tränen und Triumphe

«Ich bin selbst überrascht», sagte Harting nach seinem Triumph. «Es tat so weh heute, das hat mich tierisch genervt. Die Spritzen haben diesmal wohl nur zu 60 Prozent getroffen.» Trotz seiner Schmerzen drehte der Titelverteidiger im Daegu Stadium sofort eine Ehrenrunde und riss sich dabei wie bei seinem Erfolg vor zwei Jahren in seiner Heimatstadt Berlin das Trikot vom Leib. Seinen Sieg widmete er einem Freund, der im Mai in Afghanistan ums Leben gekommen war. 

«Wenn der erste Versuch gleich 68 einhalb weit ist, dann fallen die anderen schon etwas in Schockstarre. Die müssen dann Gas geben, aber ich habe dann auch gleich wieder Gas gegeben», sagte der Diskus-Recke aus der Lausitz, bevor er von einem nervösen Funktionär zur Siegerehrung «abgeführt» wurde.

Fast zeitgleich gratulierte ihm Berlins Oberbürgermeister Klaus Wowereit: «Glückwunsch zu einem großartigen Erfolg.» Auch Trainer Werner Goldmann war stolz und glücklich: «Das, was er geleistet hat, ist großartig. Da muss man den Hut ziehen.» Spät abends wird das Gold noch gefeiert, kündigte der alte und neue Weltmeister Harting an. 

Nach der DM begannen Hartings Probleme

Zweiter wurde Olympiasieger Gerd Kanter (Estland) mit 66,95 Metern. Der Iraner Ehsan Hadadi holte mit 66,08 Metern überraschend Bronze. Schon im ersten Versuch setzte der einzige Titelverteidiger im deutschen Team alles auf eine Karte - und die geschockte Konkurrenz noch mehr unter Druck. 68,49 Meter! Mit einem Urschrei machte sich Harting Luft: «Ja, Mann, jaaaaaaaaaa!»

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Keiner konnte dem alten und neuen Weltmeister danach das Wasser reichen. Der Weltjahresbeste Zoltan Kovago aus Ungarn war schon in der Qualifikation rausgeflogen, Altmeister Virgilijus Alekna (Litauen) wurde nur Sechster, Europameister Piotr Malachowski aus Polen sogar nur Neunter. Harting blieb trotz seiner Schmerzen locker und legte im dritten Durchgang noch einmal 68,10 Meter nach.

Der achte WM-Titel eines deutschen Diskuswerfers seit 1987 war für ihn alles andere als ein Selbstläufer. Der gebürtige Lausitzer hat ein hartes Jahr hinter sich. Zunächst lief es ganz ordentlich, bei den deutschen Meisterschaften in Kassel schnappte er sich am 24. Juli seinen fünften nationalen Titel hintereinander. Daegu kann kommen, dachten Harting und sein Trainer Werner Goldmann.

Hartings Motto: «Wer denkt, etwas zu sein, hört auf, etwas zu werden» 

Doch dann fingen die Probleme an: Eine entzündete Patellasehne im linken Knie setzte den Riesen zeitweise außer Gefecht, fast hätte er hingeschmissen. Zeitweise konnte er nicht trainieren. Seine Starts bei den Diamond-League-Meetings in Stockholm und London sagte er ab. «Das war genau der richtige Weg», erklärte er. Die Schmerzen hörten nicht auf, aber ein Harting gibt nicht auf. Im Trainingslager in Kienbaum und vor der WM auf der südkoreanischen Insel Jeju musste Goldmann harte Aufbauarbeit leisten - für Körper und Geist.

Auch ins Finale ging Harting längst nicht topfit. «An der Situation hat sich nicht viel verbessert. Aber ich denke, er ist einsatzfähig und gut drauf. Ich denke, er wird es können: das Knie vergessen», sagte der Trainer vor der wichtigsten Stunde des Duos im Jahr 2011. Und er sollte Recht behalten. Hartings Motto soll ihn nun auch für Olympia 2012 beflügeln: «Wer denkt, etwas zu sein, hört auf, etwas zu werden.» Übersetzt heißt das vielleicht: Ich will noch mehr!

kru/hem/news.de/dpa

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