Robert Harting Durch Provokation zu Gold

Leichtathletik Weltmeisterschaft (Foto)
Robert Harting macht sich warm. Bild: dapd

Er hat mehr Selbstbewusstsein als viele andere Sportler: Robert Harting will bei der Leichtathletik-WM in Daegu seinen Weltmeistertitel verteidigen und sieht sich trotz Verletzung als Favorit. Dabei wünscht er sich kaum etwas mehr als einen ebenbürtigen Gegner.

Weil das linke Knie immer wieder schmerzt, müssen Diskus-Riese Robert Harting eben 90 Prozent Training für WM-Gold reichen. «Der Kopf ist gut in Form, und wenn der Kopf in Form ist, dann geht er über diese Punkte hinweg», erzählt der Berliner, der in Daegu seinen vor zwei Jahren in Berlin gewonnenen WM-Titel erfolgreich verteidigen will.

«Ich trainiere 90 Prozent von dem, was ich könnte, aber diese 90 Prozent trainiere ich hundertprozentig», sagt Harting, der sich zuletzt im Trainingscamp Kienbaum gegen die großflächige Entzündung der Patellasehne mit Cortison behandeln ließ. Klar sei er von den Schmerzen genervt, räumt der 2,01-Meter-Recke ein. «Du stehst früh auf und humpelst, kannst keinen normalen Schritt laufen, ohne dass dir etwas weh tut.»

Leichtathletik-WM
Fehlstarts, Tränen und Triumphe

Schmerzendes Knie als Gegner

Aber gerade solche kritischen Situationen versucht der Kämpfer Harting positiv zu nutzen, um sich mental nach vorne zu bringen. So erklärt er das schmerzende Knie zu seinem Gegner, den es zu besiegen gilt. «Ich merke gerade, wie ich es Stück für Stück in den Griff bekomme. Daran ziehe ich mich hoch.»

Gerade dann, wenn er mit dem Rücken zur Wand stehe, findet es Robert Harting spannend. Wenn er wie im aktuellen WM-Jahr seit der im Mai in Halle mit 68,99 Metern geworfenen Bestweite alle Wettkämpfe gewinnt, ist das eher langweilig. «Technisch war die Saison bisher nicht gut. Ich habe immer einen oder zwei Versuche hinbekommen, aber die waren nicht rund oder gut», nörgelt der Weltmeister. «Da werfe ich nicht gut und gewinne das Ding trotzdem. So funktioniere ich nicht. Ich funktioniere durch Provokationen, durch Herausforderung.»

Goldwurf von Berlin dient zum Aufheitern

Gerade weil er weiß, dass er angesichts der nicht übermächtigen Konkurrenz die große Chance zur Titelverteidigung hat, ist Harting bemüht, die innere Spannung hoch zu halten und beschimpft sich selbst. «Meine Langeweile und meine Bequemlichkeit sind nicht bestraft worden. Ich hätte mir gewünscht, jemand hätte mir mal richtig einen verpasst bei einem Wettkampf. Damit ich mal wach werde», sagt der 26-Jährige und will natürlich in Südkorea möglichst keine verpasst bekommen. Nicht von Olympiasieger Virgilijus Alekna (Litauen/bisher 67,90 Meter in diesem Jahr), nicht von Gerd Kanter (Estland/67,49) und auch nicht vom Weltjahresbesten Zoltan Kövago (Ungarn/69,50). «Wenn der einen Versuch trifft, haut er richtig einen raus, aber die Wahrscheinlichkeit ist eher gering.»

Für den Traum vom WM-Gold verzichtete er auf lockende Geldprämien in der Diamond League, ließ die Meetings in Stockholm und der Olympiastadt London aus. Der Goldwurf von Berlin 2009 taugt als Motivation dagegen nicht. Den würde er sich schon manchmal anschauen, um sich aufzuheitern, aber «man strebt immer nach Neuem. Der Sieg in Berlin war der geilste Abend meines Lebens, aber jetzt könnte schon mal was Neues kommen.»

hem/beu/news.de/dapd

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