Radsport Sportgerichtshof öffnet die Akte Ullrich

Jan Ullrich (Foto)
Hofft auf einen Schlussstrich und Resozialisierung: Ex-Radstar Jan Ullrich. Bild: dpa

Raus aus der Isolation: Jan Ullrich befindet sich mit einem neuen PR-Berater auf dem Weg zurück in die Gesellschaft. Doch zunächst muss sich der Toursieger von 1997 erneut mit Doping-Vorwürfen beschäftigen. Ein Geständnis steht noch aus.

Jan Ullrich ist in diesen Tagen wieder schwer im Einsatz. Der abgestürzte Tour-de-France-Sieger von 1997 sitzt wieder im Sattel, derzeit trainiert er in den Bergen. Alberto Contador und Co. müssen sich trotzdem keine Sorgen machen, ein Comeback des 37-Jährigen ist nicht geplant. Aber den am 28. August stattfindenden Ötztaler Radmarathon, ein anspruchsvolles Jedermann-Rennen über 238 Kilometer, schafft auch Jan Ullrich nicht ohne Vorbereitung. Den Spaß an seinem alten Metier hat der einstige Radstar jedenfalls wiedergefunden, doch am Montag wird Ullrich von der Vergangenheit eingeholt.

Fünf Jahre nach der Operacion Puerto beschäftigt sich erstmals der Internationale Sportgerichtshof Cas mit der Akte Ullrich. In Lausanne wird der Einspruch des Radsport-Weltverbandes UCI und Antidoping Schweiz gegen die Verfahrenseinstellung durch die Disziplinarkammer des Olympischen Komitees der Schweiz verhandelt. Swiss Olympic hatte das Dopingverfahren gegen den einzigen deutschen Toursieger im Februar 2010 zu den Akten gelegt. Der Verband begründete die Entscheidung damit, dass das Verfahren nach der Lizenzrückgabe Ullrichs nicht mehr in seinen Zuständigkeitsbereich falle.

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Ullrich wird Stellung zu seiner Vergangenheit beziehen

Ullrich hatte seine Schweizer Lizenz noch vor seinem Rücktritt 2007 zurückgegeben und bis heute keine klaren Worte gefunden zu seinen juristisch klar belegten Verbindungen zum vermeintlichen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes. Allerdings kündigte sein neuer PR-Manager Falk Nier in einem Hörfunk-Interview mit dem Bayerischen Rundfunk eine baldige Stellungnahme des ehemaligen Radprofis an. Ob es dabei zu einem verspäteten Doping-Geständnis kommen könnte, ist offen. «Jan wird in gegebener Zeit zu seiner Vergangenheit Stellung nehmen. Jetzt können wir das nicht tun, weil möglicherweise noch ein Verfahren auf ihn zukommt», teilte Nier mit.

«Im Optimalfall bestätigt der Cas am Montag die Entscheidung von Swiss Olympic und die Sache ist erledigt. Wenn die Schweizer doch tätig werden sollen, geht alles wieder von vorne los und ein Ende ist nicht abzusehen. Wenn es dann zu einem Urteil kommt, kann das von Freispruch bis lebenslange Sperre für Tätigkeiten im Berufsradsport reichen», erklärte Ullrichs neuer Sprecher von der PR-Agentur des ehemaligen Tennis-Daviscup-Spielers Charly Steeb. Der Anhörung vor dem Cas in Lausanne wird Ullrich nicht beiwohnen. Bisher hat er Doping stets bestritten.

Nach überstandenem Burn-Out-Syndrom ist der 37-Jährige gerade wieder auf dem Weg zurück aus der selbst gewählten Isolation. Eine für ihn günstige Cas-Entscheidung würde ihm den Weg erleichtern. «Raus aus dem Tunnel - das ist sicher gut für ihn», sagte sein früherer Teamkollege Rolf Aldag, der mit seiner eigenen Doping-Vergangenheit anders umging und öffentlich gestand. «Es ist doch schön, ohne Getuschel im Rücken wieder zum Bäcker gehen zu können», sagte der HTC-Teamchef am Rande der Hamburger Cyclassics, bei denen Ullrich im nächsten Jahr im Jedermann-Rennen starten will. Nier: «Wir haben schon Kontakt mit den Veranstaltern aufgenommen.»

Ullrich will nicht zurück in den Profiradsport

Beim Training für den Öztaler Radmarathon hatte Jan Ullrich zuletzt versucht, unter dem Decknamen «Max Kraft» in Italien beim Dolomiten-Giro unerkannt zu bleiben. Das Inkognito hielt jedoch nur fünf Minuten. Dann erkannten ihn die Fans und er war umringt von Fotografen - fast wie früher. «Das hat ihm Spaß gemacht. Der Radsport ist sein Leben und damit wird er immer in Verbindung stehen», sagte Nier.

Der Nachfolger des Autohändlers Wolfgang Strohband als Ullrichs Manager möchte seinem neuen Klienten wieder einen anerkannteren Platz in der Öffentlichkeit verschaffen. Über Charity-Veranstaltungen und Jugend-Förderung sollen interessierte Sponsoren aktiviert werden. «Aber er will nicht zurück in den Profiradsport», sagte Nier. Insofern würde Ullrich eine lebenslange Sperre nicht besonders wehtun - abgesehen von weiterem Imageschaden, der die gerade erst in die Wege geleitete Resozialisierung sicher nicht befördern würde.

kru/news.de/dpa/dapd

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