Rallye Deutschland Deutschlands beste Beifahrerin

Die Frau auf dem Beifahrersitz sagt, wohin und vor allem wie Mann fahren muss? Für viele eine schreckliche Vorstellung. Jedoch nicht, wenn Kathi Wüstenhagen im Cockpit sitzt. Sie ist derzeit Deutschlands beste Rallye-Beifahrerin.

Wüstenhagen (Foto)
Kathi Wüstenhagen ist derzeit Deutschlands erfolgreichste Rallye-Beifahrerin. Bild: RB Hahn

Wie gut Kathi Wüstenhagen ihren Job macht, können die Rallye-Fans derzeit beim WM-Lauf rund um Trier beobachten. Das Red Bull-Skoda-Team im Fabia 2000 belegt im WM-Gesamtklassement den fünften Rang, obwohl die Crew später in die Saison gestartet ist. Bei der Asphaltrallye vor heimischen Publikum soll das Podium in der Klasse der Super 2000 angepeilt werden, nach der WRCWorly Rally Championship, die Königsklasse im Rallyesport. das zweithöchste Championat weltweit.

Eine Wahnsinnsleistung, denn eines ist sicher: Wer sich bei der schnellen ADAC Rallye Deutschland nicht auf die Ansagen seines Beifahrers verlassen kann, liegt schnell im Graben. «90 rechts, zwei, Vorsicht Mauer, nicht cuttendie Kurve schneiden » – so klingt es, wenn die gelernte Automobilkauffrau aus Zossen bei Berlin auf dem heißen Stuhl im Rallyeboliden ihren Piloten Hermann Gaßner junior bei bis zu Tempo 220 durch die Weinberge an der Mosel lotst. Seit vier Jahren sind sie ein Paar – nur auf der Rennstrecke, dafür aber sehr erfolgreich.

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Dank der genauen Ansagen von Kathi Wüstenhagen hat es Gaßner junior 2009 geschafft, sich mit 20 Jahren als jüngster Deutscher Rallyemeister in die Geschichtsbücher einzutragen. Er beerbte er damit seinen Vater Hermann, der sich den nationalen Titel bis dato vier Mal sichern konnte. Nach einem Jahr in der Weltmeisterschaft der Produktionswagen fährt der schnelle Bayer in dieser Saison in der SRWCWeltmeisterschaft der Fahrzeuge Super 2000. Sie sehen genauso aus wie die der WRC, doch sie verfügen über einen Saugmotor mit zwei Liter Hubraum - die der WRC haben einen Turbomotor mit 1,6 Litern Hubraum. .

Ansagen, ohne dabei auf die Straße zu schauen

Männer mögen es eigentlich nicht, wenn die Frau daneben während der Fahrt ständig hineinredet. Bei Gaßner und Wüstenhagen ist das etwas ganz anderes. Kurve für Kurve betet die 28-Jährige den Aufschrieb vor, den Blick konzentriert auf die Stichpunkte in ihrem Notizheft. «Ich kann nicht sehen, wohin wir fahren. Höchstens spüren. Hermann muss sich darauf verlassen können, dass meine Kommandos stimmen», sagt Wüstenhagen.

Doch wie funktioniert so ein Aufschrieb, und wie schaffen es die Teams, bei der Geschwindigkeit keinen Fehler zu machen? Um das «Gebetbuch» zu erstellen, haben die Teilnehmer von WM-Läufen zwei Tage Zeit. Für Wüstenhagen beginnt die Arbeit bereits im Hotelzimmer. «Ich muss schon vor der Erkundungsfahrt anhand des Road Books einen groben Trainingsplan erstellen. Darin befinden sich alle wichtigen Infos zu Länge, Richtung und Beschaffenheit der Strecke», erklärt die Co-Pilotin.

Dann legt das Team los und fährt die einzelnen Wertungsprüfungen ab. Dabei diktiert der Fahrer dem Co, wie er die Passage am liebsten und am schnellsten durchfahren will. Ob er beispielsweise die anstehende Kurve cutten (schneiden) kann und sowohl das Auto auch als das Team dabei heil bleibt. Der Co schreibt fleißig mit. Die Teams fahren die Strecke danach erneut ab und überprüfen die Ansagen, um sie vor der Rallye noch einmal korrigieren zu können.

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Das detaillierte Konzept ist dabei jedoch von Team zu Team verschieden. Jeder hat seine eigenen Vorlieben. Während der siebenmalige Weltmeister Sébastien Loeb zusammen mit Co Daniel Elena die Kurven mit Gradzahlen benennt, sind es bei Gaßner-Team Radien. Der Radius 1 bedeutet eine langsame Spitzkehre, bei Radius 5 hingegen kann der Pilot die Kurve mit Vollgas durchfahren.

Das mit den Kurven ist jedoch nur eine Baustelle für den Beifahrer. Zusätzlich muss er sich noch über Grip-Niveau und Besonderheiten der Strecke informieren - ob beispielsweise viel Laub auf der Straße liegt und diese dadurch glatt werden könnte. Am Ende können «Gebetsbände» mit bis zu 200 Seiten voller Pfeile, Warnungen und Zahlen entstehen, die Wüstenhagen im Hotelzimmer noch einmal fein säuberlich abschreibt.

Erste Rallye endete mit Überschlag

Ein Leben ohne den Rallye-Sport kann sich die Wahl-Bayerin nicht vorstellen. Sie kennt nichts anderes. Die ganze Familie ist verrückt nach Motorsport. Bestes Beispiel: Während die Mutter mit Wehen in der Klinik lag, fuhr der Vater gleichzeitig einen Rallyeslalom und stellte anschließend sein Auto stark beschädigt vor dem Krankenhaus ab.

Auch die erste gemeinsame Rallye mit Gaßner junior blieb für Wüstenhagen nicht ohne Folgen: Bei der Jänner-Rallye Anfang 2007 überschlug sich das Team. Gaßner war damals erst vor kurzem 18 geworden.

Vier Jahre später präsentiert sich das Skoda-Team als eines der harmonischsten in der Rallye-Szene. Selbst wenn doch einmal etwas schief läuft, weiß Wüstenhagen ihren Fahrer zu beruhigen. «Wir Beifahrer sind nicht nur Lotsen, sondern auch Ratgeber.» 

kru/news.de

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Andreas Oswald
  • Kommentar 1
  • 22.08.2011 09:00

In der Bilderserie habt Ihr mindestens eine sehr erfolgreiche DTM Pilotin vergessen. Ellen Lohr http://de.wikipedia.org/wiki/Ellen_Lohr hat als bisher einzige Frau auch ein Rennen in der DTM gewonnen. Zwar erwähnt ihr viele Fahrerinnen aus der DTM, aber eher jeweils die gut aussehenden aber dafür erfolglosen. Trotzdem nett zussamengetragen

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