Europa League Hannovers kühler Schnäppchenjäger

Er ist neben Trainer Mirko Slomka der Erfolgsgarant bei Überraschungsteam Hannover 96: Manager Jörg Schmadtke hat ein Händchen für Neuzugänge. Heute Abend darf das Team beweisen, dass es auch für die internationale Fußballbühne taugt.

Jörg Schmadtke (Foto)
Quält sich ein müdes Lächeln ab: Jörg Schmadtke und der Europapokal. Bild: dpa

Jörg Schmadtke ist kein Mann für die großen Emotionen. Auch vor dem Play-off-Hinspiel der Europa League am Donnerstagabend gegen den FC Sevilla (20.30 Uhr/ZDF und im news.de-Liveticker) blieb der Sportdirektor von Hannover 96 äußerlich gelassen. Viel mehr als ein Kribbeln in der Magengegend war nicht drin. Für Euphorie sollen andere sorgen. «Man hat immer im Kopf, dass der Europapokal schon nach zwei Spielen wieder vorbei sein kann», sagt Schmadtke. Der gebürtige Düsseldorfer wirkt in seinem Handeln oft wie der Gegenentwurf zur rheinischen Frohnatur.

Schmadtke ist ein Analytiker, ein Planer, ein Macher. Das, was sie 160 Kilometer weiter nördlich beim Hamburger SV gerade mit der Axt versuchen, erledigte Schmadtke in Hannover mit dem Skalpell: den Umbruch im Kader. Trotz bescheidener finanzieller Mittel und gemeinsam mit Trainer Mirko Slomka formte der 47-Jährige aus einem Abstiegskandidaten einen Klub von europäischem Format. Seit seinem Amtsantritt im Juli 2009 reihte Schmadtke Transferschnäppchen an Transferschnäppchen.

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Klubboss Kind vertraut Schmadtke bedingungslos

«Wenn wir uns für einen Spieler interessieren, legen wir erst einmal sportliche Kriterien zugrunde, achten aber auch auf den Charakter. Das ist allerdings schwieriger. Manchmal kann man da auch daneben liegen», sagt der Manager. Häufig ist dies Schmadtke jedoch nicht passiert. Das derzeitige Innenverteidiger-Duo Karim Haggui und Emanuel Pogatetz holte er ebenso wie Stammtorhüter Ron-Robert Zieler ablösefrei. Die beiden Torjäger Didier Ya Konan und Mohammed Abdellaoue kosteten zusammen nur knapp 1,6 Millionen Euro.

Gemeinsam bringen es die fünf Stammspieler laut der Webseite transfermarkt.de inzwischen auf einen Marktwert von 26,5 Millionen Euro. Ablösefreie Wechsel sind nicht zu befürchten. Schmadtke stattete das Quintett mit langfristigen Verträgen aus. Das Magazin 11 Freunde belohnte derart kluges Handeln nach der vergangenen Spielzeit mit der Ehrung zum «Manager der Saison».

Viel über derartige Auszeichnungen reden mag Hannovers Sportdirektor nicht. Auf Fragen antwortet er ohnehin gern in knappen Sätzen. Einsilbig wirkt der Familienvater dabei jedoch nie. «Natürlich ist es schön, wenn man Lob erhält», sagt Schmadtke, um seine Aussage sofort zu relativieren: «Aber ich bin schon so lange im Geschäft. Da weiß man, dass das alles auch ganz schnell wieder vorbei sein kann.»

Sein Engagement in Hannover ist hingegen auf jeden Fall langfristig angelegt. Im vergangenen März wurde der bis 2012 datierte Vertrag in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis umgewandelt. Zudem rückte Schmadtke in die Geschäftsführung auf. Ein größeres Kompliment kann der mächtige 96-Klubchef Martin Kind einem seiner Angestellten kaum machen. Lange Zeit traf der Unternehmer wichtige Entscheidungen am liebsten selbst. Nun hat er Schmadtke an seiner Seite.

Hannover will sich im ersten Tabellendrittel etablieren

«Das Ganze ist schon darauf ausgelegt, dass man länger als ein paar Jahre hier ist», beschreibt der Manager das Arbeitsverhältnis: «In dem Verein schlummert ein großes Potenzial. Aber wir wollen nicht anfangen zu träumen. Es wäre schön, wenn wir uns in der oberen Tabellenhälfte etablieren könnten.» Genau diese Sachlichkeit verbindet Kind und Schmadtke.

Wenn sich der 67 Jahre alte Geschäftsführungsvorsitzende mittelfristig aus dem Verein zurückzieht, könnte der Einfluss des Managers sogar noch größer werden. Schmadtke würde sich wahrscheinlich nicht scheuen. Neue Herausforderungen geht er ruhig und gelassen an. Vielleicht mit einem Kribbeln in der Magengegend. Viel mehr ist nicht drin.

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kru/sca/news.de/dapd

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