Jürgen Klinsmann Debüt mit Gefühl

Adrenalinjunkie Jürgen Klinsmann tobt sich wieder an der Seitenlinie aus: Bei seinem Einstand motivierte der Weltmeister die USA zu einem Remis gegen Mexiko. Die Frage bleibt, ob Klinsmann seit dem Scheitern bei Bayern München etwas dazugelernt hat.

Jürgen Klinsmann (Foto)
Das Adrenalin fließt wieder: Motivator Jürgen Klinsmann ist zurück. Bild: dpa

Jürgen Klinsmann hüpfte wie ein Flummi und ruderte ein wenig ungelenk mit den Fäusten in der Luft. Anschließend fiel der 47-Jährige seinem Co-Trainer in die Arme. Der heißt zwar nicht mehr Joachim Löw, sondern Martin Vasquez - ansonsten war bei Klinsmanns Debüt auf der Trainerbank der US-amerikanischen Nationalmannschaft aber vieles wie beim deutschen Sommermärchen 2006. Sein Jubel nach dem Treffer zum 1:1-Endstand gegen Mexiko beinhaltete all das, was gerade die Amerikaner so lieben: Leidenschaft, Feuer, Energie. Nun ist er einer von ihnen.

«Es war ein sehr emotionaler Start für mich. Ich lebe seit 13 Jahren in den USA. Schon als ich die Hymne vor dem Spiel gehört habe, war es ein ganz besonderer Moment», schwärmte Klinsmann nach der Partie in der schwülen Hitze Philadelphias: «Wenn man zu alt ist, um selbst aufzulaufen, ist es die zweitbeste Lösung, als Trainer zu arbeiten.» Ob er in dieser Rolle mehr als Motivator und Einpeitscher sein kann, muss der Schwabe in den kommenden Wochen aber erst beweisen.

Youngster Shea: «Klinsmann gibt uns positive Energie»

Beim DFB-Team hatte er für taktische Fragen Löw an seiner Seite, bei Bayern München danach keinen Erfolg. 835 Tage nach seiner Entlassung beim deutschen Rekordmeister ließ Klinsmanns Einstand bei den US-Boys keine Aufschlüsse darüber zu, ob er sich als Trainer weiterentwickelt hat. Ganze drei Tage verbrachte der Coach mit seiner neuen Gefolgschaft vor dem Spiel gegen Mexiko. Aber in den USA verfügt Klinsmann über alles, was ihm am Ende seiner Amtszeit bei den Bayern fehlte: uneingeschränktes Vertrauen in seine Methoden und Fähigkeiten, viele Freiheiten, große Anerkennung.

«Trainer Klinsmann gibt uns positive Energie. Wenn wir einen Fehler machen, ist es kein großes Problem. Er will einfach, dass wir weiter Gas geben», sagte Youngster Brek Shea, der das 1:1 von Robbie Rogers (74.) glänzend vorbereitete. Nachdem die Amerikaner in der ersten Halbzeit keinen Torschuss zustande gebracht hatten und durch Mexikoas Oribe Peralta in Rückstand gerieten (17.), war das Unentschieden aufgrund der Leistungssteigerung nach der Pause verdient.

Klinsmann macht den Unterschied

«Es war ein fantastischer Lernprozess, den die Mannschaft in den 90 Minuten durchgemacht hat», lobte Klinsmann: «Die Jungs sollten befreit aufspielen und Spaß haben.» Bei ihm selbst schien das Adrenalin auch nach dem Schlusspfiff durch den Körper zu pumpen. Als ihn der TV-Sender ESPN noch auf dem Spielfeld befragte, ragten Klinsmanns Halsadern hervor. Er spuckte seine Worte mehr aus, als dass er sie formte. Die Augen blitzten.

«Wir haben den Mexikanern wirklich Probleme bereitet und können mit der Leistung zufrieden sein», sagte. Schon wieder etwas entspannter fügte er hinzu: «Ich hatte sehr viel Spaß. Es war ein tolles Gefühl, Trainer dieser Mannschaft zu sein.» Sechs Wochen zuvor hatte dieses Team im Finale das Gold Cups noch mit 2:4 gegen Mexiko verloren - trotz einer 2:0-Führung zur Pause. Klinsmanns Vorgänger Bob Bradley wurde die Niederlage zum Verhängnis.

Unter dem deutschen Hoffnungsträger soll sich so etwas nicht mehr wiederholen. «Was war der Unterschied zum Gold Cup?», fragte die Los Angeles Times nach dem Unentschieden gegen Mexiko in ihrer Donnerstagausgabe und gab die Antwort gleich selbst: «Jürgen Klinsmann.» Die USA hoffen auf ihre eigene Märchenstunde: Bei der WM 2014 in Brasilien.

kru/news.de/dapd

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig