Ilkay Gündogan Der Sommer seines Lebens

Gündogan  (Foto)
Ilkay Gündogan spielte schon für die deutsche U20-Nationalmannschaft. Bild: dpa

Von Ulf Zimmermann
Gesetzt in Dortmunds Stammelf, kurz vor dem Debüt in der Nationalmannschaft: Ilkay Gündogan ist dieser Tage das begehrteste Talent im deutschen Fußball. Mit seinem ersten Einsatz im DFB-Dress könnte er die aufregendste Woche seiner Karriere krönen.

Namen haben ihre Bedeutung, Ilkay Gündogan weiß das. «Ilkay heißt so viel wie Erster Mond», erklärte der Neuzugang des Deutschen Meisters Borussia Dortmund im Trainingslager. «Aber, was dahinter steckt, kann ich nicht so genau sagen.» Womöglich begreift der gerade erst 20 Jahre alte Gündogan derzeit auch nicht so genau, was in diesem Sommer bislang mit ihm passiert ist.

Anfang Mai wurde sein Transfer vom 1. FC Nürnberg zum BVB für eine stolze Ablösesumme von 4,5 Millionen Euro unter Dach und Fach gebracht. Dann machte er, nach einer intensiven Doppelbelastung, an der Bertolt-Brecht-Schule in Nürnberg sein Abitur. Und nach einer harten Vorbereitung unter Jürgen Klopp steht der Deutsch-Türke, der am Freitag mit Dortmund gegen den Hamburger SV die Saison eröffnete, plötzlich im Aufgebot von Bundestrainer Joachim Löw für das Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Rekordweltmeister Brasilien in Stuttgart.

Fußball
Nationalspieler mit ausländischen Wurzeln

Joachim Löw gefällt die «Spielintelligenz»

«Für mich erfüllt sich mit dieser Berufung ein Traum», sagt Gündogan zu seiner Nominierung. Der Mittelfeldspieler ist beim Deutschen Fußball-Bund selbstverständlich kein Unbekannter. Er gehört zu der mittlerweile großen Gemeinde junger Spieler mit Migrationshintergrund im DFB-Nachwuchs. Von der U18 bis jetzt zur U21 hat Ilkay Gündogan alle Stufen genommen, bewusst und zielstrebig.

Und auch im BVB-System hat sich Gündogan innerhalb kürzester Zeit wie erhofft einen Platz in der Besetzung der Doppel-Sechs vor der Abwehr erobert. Dort hat auch Nuri Sahin gespielt, der zu Real Madrid gewechselt ist. Fragen nach Sahin und dessen Rolle begegnet Ilkay Gündogan skeptisch. «Man sollte nicht den Fehler machen, mich mit Nuri zu vergleichen», sagt er.

Großartige Übersicht, präzises Passspiel und tolle Schusstechnik

Gündogan will seinen eigenen Stil prägen. Im Auftaktspiel der neuen Saison deutete er an, warum sich neben Dortmund auch sein ehemaliger Nürnberger Coach Michael Oenning und dessen neuer Verein HSV um ihn bemüht haben. Gündogan fügte sich so unbeschwert in das Dortmunder Meisterensemble ein, als spiele er bereits seit Jahren mit Kevin Großkreutz, Shinji Kagawa & Co. zusammen. Die Umstellung von der offensiveren Position, die er noch in Nürnberg bekleidet hatte, auf die Sechs im Mittelfeld meisterte der gebürtige Gelsenkirchener mühelos.

Bundestrainer Löw begründete Gündogans Nominierung nun unter anderem mit dessen «Spielintelligenz». Er besticht durch seine Übersicht, er spielt einen präzisen und überraschenden Pass und hat eine sehr gute Schusstechnik. Dazu kommt ein Maß an Souveränität und Ruhe, das für einem so jungen Spieler selten ist.

Dieses Selbstbewusstsein schöpft Ilkay Gündogan nicht nur aus seinen zwei Jahren in Nürnberg (2009 bis 2011), wo er den Sprung in die Bundesliga schaffte, sondern auch aus dem Erwerb der Hochschulreife. «Je mehr sich das Ende meiner Schulzeit genähert hat, desto mehr wurde mir bewusst, dass das Abitur der Grundstein für ein erfolgreiches Leben sein kann. Ich glaube, dass es nicht so häufig vorkommt, dass man das Abitur macht und zugleich seinen Job als Profifußballer ausübt. Ich habe es geschafft, und darauf bin sehr stolz», sagte er.

Schalke mochte Gündogan nie

Joachim Löw registriert seinen bewussten Umgang mit dem Leben genauso wie Kollege Jürgen Klopp. Fußball ist wichtig, andere Dinge aber auch. Diese reife Einstellung macht im Sport möglicherweise auch den Unterschied zwischen gut und sehr gut aus. Für Ilkay Gündogan sind die Grundlagen für das Leben jedenfalls wichtig, etwas, worauf auch seine Eltern sehr viel Wert gelegt haben. «Einem Fußballer bleiben nach der Karriere nicht so viele Möglichkeiten, da war ich mir mit meinen Eltern einig», erklärt er.

Geboren und aufgewachsen ist Gündogan, der in sechs Sprachen gute bis fundierte Kenntnisse hat, in Gelsenkirchen. Er hat das Fußball-Spielen beim SV Gelsenkirchen-Heßler gelernt. Vor seinem Wechsel nach Nürnberg war er in der Jugend drei Jahre beim VfL Bochum. Eine Bindung zu Schalke 04 hatte er nie. «Meine Freunde sind immer zu den Heimspielen gegangen, aber ich hatte selten Lust», sagt er. Vielmehr interessierte sich die Familie, also Vater Erfan, Mutter Ayten und Bruder Ilker, für den türkischen Fußball. «Wir waren alle für Galatasaray, nur meine Mutter für Fenerbahce. Mutter hat uns immer aufgezogen, weil Fener in den vergangenen Jahren häufiger besser als Galatasaray war.»

Mittlerweile steht der deutsche Fußball für Ilkay Gündogan im Vordergrund. Auch in diesem Punkt weiß der Mittelfeldspieler genau, was er will: «Es stand für mich schon seit langem fest, dass ich für die deutsche Nationalmannschaft spielen möchte.» Das wird nun wohl so kommen. Am Mittwoch gegen Brasilien (20.30 Uhr/ZDF und im news.de-Liveticker) warten die Fußballnation gespannt auf das Debüt von Ilkay Gündogan im DFB-Dress. Ein weitere Meilenstein im Traumsommer des Shootingstars.

kru/hem/news.de/dapd

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Alexander Voronin
  • Kommentar 1
  • 09.08.2011 17:02

Nuri Sahin Dann gibt es da noch einen, der spielt für die Türkei aus folgendem logischen Grund: "Dein SPIEGEL: Wird dir Deutschland fehlen? Nuri Sahin: Ja, ich bekomme bestimmt Heimweh. Deutschland ist meine Heimat, hier kenne ich mich aus." Ja und deshalb spiele ich für die Türkei! (oder ist der Grund, daß er Angst davor hat, Weltmeister zu werden?) Prima, was Ilkay Gündogan macht! Wieso hat Nürnberg nur 4,2 Millionen gekriegt? Der ist doch jetzt schon über 20 Mio wert. Weiter so!

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