Sieg gegen Brasilien Fußballfest mit Sahnehäubchen Götze

DFB-Elf vs. Brasilien
Neuer, Götze & Co. in der Einzelkritik
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Von news.de-Redakteur Philip Seiler, Stuttgart
Fast 18 Jahre musste Fußball-Deutschland auf einen Sieg gegen die Zauberer aus Brasilien warten. Gezaubert hat diesmal nur einer: Mario Götze. Sein Auftritt war die Krönung eines rundum gelungenen und historischen Abends in Stuttgart.

Strahlend blauer Himmel, Laola-Welle und ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer. Würdiger hätte der Rahmen für diesen Klassiker und eine offizielle Stadioneröffnung nicht sein können. Zur zweiten Feuertaufe der modernisierten Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena trafen die deutsche und die brasilianische Nationalmannschaft aufeinander. Dank eines überragenden Mario Götze und einer starken zweiten Halbzeit gewann das DFB-Team verdient mit 3:2 (0:0) und holte damit nach fast 18 Jahren den ersten Sieg gegen die Seleção. Bastian Schweinsteiger (61.), Götze (67.) und André Schürrle (80.) erzielten die Tore für Deutschland, auf brasilianischer Seite trafen Robinho (71.) und Neymar in der Nachspielzeit. Die 54.767 Zuschauer im ausverkauften Oval erlebten ein Fußballfest mit deutscher Fußballkunst.

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«Wenn man sieht, mit welcher Freude und welcher Lust gerade die Jungen gespielt haben, dann zeigt das, dass solche Spiele die Mannschaft weiterbringen. Ich bin froh, dass ich im Moment so viele Möglichkeiten habe», sagte Bundestrainer Jogi Löw und meinte damit ganz speziell den fulminanten Auftritt Götzes: «Er findet immer eine Lösung. Es sind vor allem die einfachen Dinge, die er genial macht.» Der Dortmunder selbst blieb trotz seiner starken Leistung bescheiden. «Wir haben alle gut gespielt. Die anderen haben mir sehr geholfen. Da war es einfach für mich», sagte er.

Nur Götze brilliert zu Beginn

Bereits vor dem Spiel erinnerte die Stimmung in dem für 60 Millionen Euro zur reinen Fußballarena umgebauten Stadion an das Sommermärchen 2006. Die Mercedes-Benz-Arena, in der männliche Fußballfans das Spielgeschehen sogar beim Toilettengang durch einen Fensterschlitz verfolgen können, war bis auf den letzten Platz gefüllt. In der 25. Minute ging erstmals die Laola-Welle durchs weite Oval - und dauerte satte fünf Minuten an.

Dabei ließ die Partie zu diesem Zeitpunkt noch zu wünschen übrig. Die DFB-Elf dominierte zwar von Beginn an das Geschehen, das erwartete große Spiel war es zunächst nicht. Einzig Mario Götze, gegen Brasilien erstmals in der Startelf, sorgte für Aufsehen. Schon in der sechsten Minute hatte er das 1:0 auf dem Fuß. Der 19-Jährige ließ die gestandene brasilianische Abwehr um Lucio und Thiago Silva alt aussehen, scheiterte aber mit seinem Schussversuch am starken Julio César. Kurze Zeit später wurde es wieder durch das BVB-Talent gefährlich. Götze legte den Ball auf Toni Kroos zurück. Doch der 21-Jährige, einer von sieben Bayern in der Anfangself, zielte knapp am Tor vorbei (21.).

Wo ist Supertalent Neymar?

Nach einer halben Stunde wurden die Brasilianer stärker, allerdings ohne zu glänzen. Erst brachte Neuling Ralf von Corinthians Sao Paolo DFB-Keeper Manuel Neuer bei einem Freistoß aus 30 Metern ins Schwitzen (33.), dann scheiterte das brasilianische Supertalent Neymar nach einem gefährlichen Konter der Seleção. Sein Flachschuss streifte am DFB-Gehäuse vorbei (45.) - genauso wie der abgefälschte Schussversuch von Träsch eine Minute zuvor auf der Gegenseite. Von Neymar war bis dahin nicht viel zu sehen. Der 19-jährige Stürmer mit dem Irokesenschnitt, um den in den vergangenen Tagen und Wochen ein regelrechter Hype ausgebrochen war, mühte sich zwar auf dem linken Flügel, war aber im Vergleich zu Götze weitgehend unauffällig. Das sollte auch so bleiben.

Nach der Pause wurde die Partie endlich offener und offensiver geführt. Erst scheiterte Ralf mit einem Heber (46.), dann parierte César einen 25-Meter-Hammer von Philipp Lahm glänzend (53.). Die zur Halbzeit eingewechselten Miroslav Klose und André Schürrle brachten frischen Wind in die Offensive. Eine Vorlage des Neu-Leverkuseners konnte Götze erneut nicht verwerten, doch nach einer Stunde wurde die DFB-Elf für ihr Engagement belohnt. Nach einem Foul von Lucio an Kroos im Strafraum zeigte Schiedsrichter Viktor Kassai aus Ungarn auf den Punkt. Bastian Schweinsteiger ließ sich die Chance nicht entgehen und verwandelte gewohnt sicher ins linke Eck (61.).

DFB-Team plötzlich nicht zu bremsen

Die deutsche Mannschaft war nun nicht mehr zu bremsen - genauso wie die Zuschauer, die erneut zur Laola-Welle ansetzten. Lange hatten sie nicht die Gelegenheit dazu. Denn das Team von Jogi Löw legte nur sechs Minuten später nach und erhöhte auf 2:0. Diesmal durfte der auftrumpfende Götze selbst jubeln. Nach einem Traumpass von Kroos umkurvte er den brasilianischen Keeper auf brasilianische Art und schloss eiskalt ab (67.).

«Oh, wie ist das schön! So was hat man lange ...», hallte es jetzt durch das Stadion. Selten war ein Fangesang angesichts des 18 Jahre zurückliegenden Sieges so treffend. Aber auch diesmal wurde der Jubel der Fans schnell wieder unterbrochen. In der 71. Minute hieß es plötzlich Elfmeter auf der anderen Seite. Vorausgegangen war ein umstrittenes Foul von Lahm an Dani Alves. Robinho machte es wie «Schweini» und wählte die linke Ecke zum Anschlusstreffer.

Die Löw-Truppe ließ sich aber nicht verunsichern und bestimmte weiter Tempo und Gegner. In der 80. Minute machte Schürrle dann den Sack mit dem 3:1 zu. Der Großteil des Tores gehörte allerdings Schweinsteiger, der André Santos im Strafraum den Ball abluchste und zum späteren Torschützen durchsteckte. Die Fans waren nun endgültig aus dem Häuschen, auch wenn Neymar in der Nachspielzeit doch noch sein Können zeigte und per Flachschuss das 2:3 erzielte. Den ersten Sieg seit fast 18 Jahren ließen sich die DFB-Elf und die Fans aber nicht mehr nehmen und feierten danach einen perfekten und historischen Abend.

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kru/news.de

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