Premier League Fünf Gründe für den Blick auf die Insel

Der deutsche und der englische Fußball: eine Hass-Liebe. Dabei lohnt sich ein Blick in die Premier League. Dort gibt es noch polarisierende Spieler, Kampfgeist bis in die 100. Minute - und einen Verein ganz in den Händen der Fans. 

Wayne Rooney, Alex Ferguson (Foto)
 Haben Spaß am Spiel: Sir Alex Ferguson und Wayne Rooney.  Bild: dpa

Es ist nicht einfach, das Verhältnis zwischen den Deutschen und dem englischen Fußball. Als sich das Spiel bei uns noch nicht durchgesetzt hatte, hieß es nur verächtlich «die englische Krankheit». Und als in Deutschland endlich gespielt wurde, ging das erste Spiel gegen den Erzfeind England auch noch blamabel daneben. 2:13 verlor man gegen die Mannschaft von der Insel - glücklicherweise gilt dieses Spiel nicht als offizielles Spiel, weil der DFB noch nicht gegründet war. Das erste richtige Spiel gegen England verlor man dennoch - mit 1:5.

Mittlerweile hat sich das Verhältnis gedreht: Der Abschied aus dem Wembley-Stadion und das Rauskicken der Three Lions während der WM 2010 - Deutschland trumpft gegen England auf. Und der deutsche Fan frohlockt. Ein paar Mal müssen die Jungs um Jogi Löw allerdings noch gewinnen, um in der 103-Jahre Wertung seit dem ersten Spiel an den Engländern vorbeizuziehen.

Premier League: England kickt kurios

Doch bei aller Feindseligkeit: Es gibt fünf gute Gründe, ab und zu einen Blick in die Premier League zu werfen. 

Die Mannschaften: der Tradition verpflichtet

Auch wenn viele Mannschaften mittlerweile Besitzer haben und mehr Unternehmen sind, wird Tradition groß geschrieben. Wer sich als neuer Besitzer nicht integriert, kann schnell Probleme bekommen. Mike Ashley beispielsweise kaufte 2006 Newcastle United und wollte drei Jahre später am liebsten gar nichts mehr von dem Verein wissen. Die Erfolglosigkeit der Mannschaft wurde ihm angekreidet, neben einer Menge Geld verlor er auch sehr viel seiner Würde, als er - mitten im Stadion - von Fans ausgebuht und mit Gegenständen beworfen wurde. Einen Käufer für den Absteiger der Saison 2009/2010 fand er übrigens nicht. Noch heute gehören ihm die Magpies. Und noch immer muss er sich vielen Fragen von Fans über seine Pläne mit dem geliebten Verein stellen. Ein Journalist nannte Mike Ashleys Geschäft mit Newcastle vor kurzem erst «ein Nullgeschäft» ohne wirklichen Gewinner. 

Häufig gibt es von deutscher Seite den Vorwurf, in englischen Mannschaften würden kaum noch englische Spieler spielen. Ein Fehler. Wer nicht nur auf die Topmannschaften sieht, erkennt schnell, dass der Vorwurf nicht zu halten ist. Tottenham Hotspur ist ein bekanntes Beispiel für seine gute Jugendarbeit. Rund 150 Jugendliche zwischen acht und 16 Jahren lernen dort Fußballspielen und gehen zur Schule. Peter Crouch und Sol Campbell haben dort beispielsweise ihre Ausbildung erhalten oder auch der irische Nationalspieler Stephen Carr. Der Grund für die Jugendarbeit: Viele englische Vereine wollen nicht mehr die enormen Summen auf dem Transfermarkt ausgeben - und machen sich lieber ihre eigenen Topspieler. 

Die Spieler: für einen Skandal gut

Wem in der Bundesliga die Typen mit den Ecken und Kanten fehlen, der sollte dringend einen Blick in die Premier League werfen. Spieler wie Joey Barton, Craig Bellamy, Wayne Rooney oder Andy Carroll erfreuen regelmäßig die Medien mit Geschichten aus dem Training oder auch ihrem Privatleben.

Im Winter lachte ganz England über den Pechvogel Carroll. Der Stürmer von Newcastle United war beim Feiern mit Jagerbombs - einer Mischung aus Jägermeister und Red Bull - von seinem Barstuhl gefallen - während er sturzbetrunken am Boden lag, dokumentierten Freunde und Zeugen das Leiden lachend. An seiner Oberschenkelverletzung laborierte Carroll mehrere Wochen. In dieser Zeit wechselte er aber trotzdem für 40 Millionen zu Liverpool. 

Die Spiele: Kampfgeist ist gern gesehen

Eigentlich war das Spiel schon lange vorbei. Die 90. Minute war gelaufen, die mehr als 60.000 Fans im Emirates Stadium von Arsenal London warteten nur auf das Ende. In der 62. Minute hatte Jamie Carragher sich schwer verletzt, war vom Platz getragen worden. Aus diesem Grund ließ der Schiedsrichter einige Zeit nachspielen. In der 98. Minute - also der achten Minute der Nachspielzeit - schoss Robin van Persie das 1:0 für Arsenal, die Fans schrien: Solch ein spätes Siegtor! Doch man freute sich zu früh: In der 102. Minute verwandelte Dirk Kuyt einen Foulelfmeter für Liverpool - das Spiel ging 1:1 aus. Ein Spiel, wie es wohl jeder Fan gerne sieht. Kein 0:0, das über die Zeit gebracht wird, sondern Zweikämpfe bis in die nicht enden wollende Verlängerung. 

Spielern in der Premier League werden eine Menge Skandale verziehen, wenn sie auf dem Platz ihre Leistung bringen. Ein gutes Beispiel ist Duncan Ferguson, der erste Spieler, der wegen eines Fouls auf dem Platz ins Gefängnis musste. Ferguson (der die meiste Zeit beim FC Everton spielte und sich seine Rückennummer 9 sogar auf den Oberarm tätowierte) war rüpelhaft, aggressiv und immer für einen kleinen Skandal gut, den Beinamen «Duncan Disorderly» wurde er gar nicht mehr los. Doch er machte seine Tore, setzte sich für die Mannschaft und den Verein ein - die Fans liebten ihn. Und sie lieben ihn noch heute, obwohl er bereits 2006 seine aktive Karierre beendete und mittlerweile nur noch am Strand von Mallorca gegen einen Ball tritt. 

Die Berichterstattung: Immer her mit den Klischees

Britischer Journalismus polarisiert - und provoziert. Wer als Spieler einmal den Ruf hat, schwierig zu sein, der wird ihn auch nicht mehr so schnell los. Das mag einseitig klingen, ist aber eine nette Abwechslung in der Fußballberichterstattung. Da werden Vorurteile völlig schmerzfrei immer wieder neu aufbereitet (wie die deutsche Nationalmannschaft schon mehrfach erfahren musste) und in zeitungseigenen Blogs lange Diskussionen über Sinn und Zweck des ganzen Spiels ausgetragen. Während in Deutschland diese Diskussionen häufig eine philosophische oder psychologische Dimension erreichen, ein Für und Wider abgewogen wird, ist man in England pragmatischer. Politische Korrektheit? Nie gehört! 

Die Fans: You'll never walk alone

Legendär sind die englischen Fans. Nicht die, die ihre dicken Bäuche in zu enge und mit Bier besudelte Trikots stecken (eine Gattung, die es übrigens auch in Deutschland gibt), sondern die, die ohne Wenn und Aber ihren Verein unterstützen. In England ist es sehr viel angesehener, Fußballfan zu sein als in Deutschland. Während es für die Bundesliga-Vereine das übliche Fan-Paket (Trikot, Schal, Autowimpel) gibt, ist man in England kreativer. Polo-Shirts mit dezentem Druck erlauben auch ein Tragen bei der Arbeit, Neckholder-Tops mit Glitzerprint vom Vereinslogo macht das Fan-Outfit ausgehfähig. 

Hinzu kommen Geschichten wie des AFC Wimbledon. Der Londoner Traditionsverein wurde 2002 aufgekauft und in das rund 100 Kilometer entfernte Milton Keynes ausgelagert - und 2004 in Milton Keynes Dons umbenannt. Die Fans wollten das nicht hinnehmen und gründeten ihren Verein neu - seitdem gehört der Verein den Fans, von denen jeder bei Entscheidungen genau eine Stimme hat - Tradition eben. 

Ein paar unbekannte Fakten und Geschichten zur Premier League sehen Sie in unserer Bilderstrecke. 

wie/news.de

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