Sebastian Vettel Der Anti-Star

Sebastian Vettel (Foto)
Ein Typ von nebenan: Sebastian Vettel ging im Puma Store in Shanghai shoppen. Bild: imago

Von news.de-Redakteur Philip Seiler
Am Nürburgring wird ihm die Menge zujubeln. Sebastian Vettel wird nett zurück winken und in die Kameras lächeln. Doch privat ist der Weltmeister das Gegenteil von einem Star. Luxus und Glamour bedeuten ihm wenig. Statt einer Yacht kauft er lieber Filme und Schallplatten.

Die Rennstrecken der Formel1

Er ist der jüngste Formel-1-Weltmeister aller Zeiten und rast bereits unaufhaltsam seinem zweiten WM-Titel entgegen. Vor dem zehnten Saisonrennen am Nürburgring am Sonntag (14 Uhr live auf RTL und Sky) liegt Sebastian Vettel bereits 80 Punkte vor seinem Red-Bull-Kollegen Mark Webber. Die Augen werden beim Großen Preis von Deutschland natürlich wieder auf Vettel gerichtet sein. Er soll für den ersten deutschen Heimsieg seit Michael Schumachers Triumph 2006 sorgen.

Was macht Vettel so cool und sympathisch?

«Für viele ist es manchmal ein gewisser Druck oder eine Erwartungshaltung - das spüre ich eigentlich nicht», sagte der Red-Bull-Pilot, ehe er am Mittwoch ganz entspannt Golfstar Martin Kaymer über die Nordschleife chauffierte. Was macht diesen Burschen aus Heppenheim nur so cool und gleichzeitig so erfolgreich und sympathisch?

Formel 1
Vettel als Schaffriseur

Sein Talent und sein Siegerlächeln alleine sind es nicht. Den Erfolg hat sich Vettel hart erkämpft. Denn der 24-Jährige ist vor allem ein akribischer Arbeiter und unheimlich ehrgeizig. Nach seinem WM-Sieg 2010 ruhte er sich nicht auf seinen Lorbeeren aus, er wollte sich ständig weiter verbessern. So arbeitete Vettel an seinen Schwachstellen, machte in diesem Jahr weniger Fehler und noch einen Sprung nach vorne. Noch immer besichtigt er den Kurs vor jedem Rennen zu Fuß und analysiert jede Kurve genau.

Talent als Parodist

Seine Beliebtheit ist zu einem Großteil mit seiner Bodenständigkeit und seinem Humor zu erklären. Für sein Alter wirkt Vettel unglaublich geerdet und erwachsen. Es scheint so, als könne ihn nichts, aber auch gar nichts aus der Ruhe bringen.

In Interviews ist er immer für einen lockeren Spruch gut. Anfang Juli lieferte er einen legendären Auftritt in der britischen TV-Kultsendung Top Gear ab, in der er alle gefühlte zehn Sekunden für einen Lacher sorgte und Ex-Formel-1-Weltmeister Nigel Mansell glänzend imitierte. Auch Franz Beckenbauer, Boris Becker und Otto soll er im Übrigen drauf haben.

Vater Norbert lebte Bescheidenheit vor

Die größte Rolle bei Vettels Entwicklung und der Bildung seines Charakters spielte sein Vater Norbert. Der selbständige Zimmerer-Meister hat seinen Sohnemann auf dem Weg nach oben - vom Kartsport über die Formel BMW ADAC bis zur Formel 1- stets begleitet und gemanagt. Er war es, der ihm Bescheidenheit und Akribie vorlebte.

Formel 1
Vettels Fahrt zum Titel

«Sebastian ist auf dem Teppich geblieben und das macht ihn auch für die Leute interessant. Selbst in Melbourne hat er die Fans sofort für sich gewonnen, obwohl er den Australiern wegen der Rivalität mit Mark Webber eigentlich ein Dorn im Auge ist», sagte Rallye-Legende Walter Röhrl nach seiner Begegnung mit Vettel kürzlich im news.de-Interview.

Ein Typ von nebenan

«Ich bin ein ganz normaler Typ, der im Moment nichts lieber macht, als mit einem Formel-1-Auto Rennen zu fahren», sagte Vettel zu Spox.com. Und den Fans auf der Tribüne und vor dem Fernseher vermittelt er eben das Gefühl, er wäre einer von ihnen, eben ein Typ von nebenan - ohne Starallüren.

Während andere Formel-1-Stars wie Jenson Button und Lewis Hamilton das Leben in Saus und Braus genießen und sich schicke Yachten kaufen, kann Vettel mit Luxus trotz eines geschätzten Jahreseinkommens von 15 Millionen Euro wenig anfangen.

«Ich gebe kein Geld für Unfug aus»

«Ich gebe kein Geld für Unfug aus. Ich brauche keine Yacht, nur weil ich jetzt Formel-1-Weltmeister bin», sagt Vettel. Er mag es stattdessen gemütlich auf seinem 2010 bezogenen Bauernhof «Neumüli» im Kanton Thurgau (Schweiz). Im Gegensatz zu Button und Hamilton ist er nicht mit einem Glamourgirl oder einem Unterwäschemodel liiert, sondern seit sechs Jahren mit seiner Jugendfreundin Hanna Sprater zusammen. Warum sie nicht den Rennen ihres Freundes beiwohnt, begründete Vettel einmal mit den Worten: «Andere nehmen ihre Frauen doch auch nicht mit ins Büro.»

Ansonsten spielt Vettel leidenschaftlich Tennis und Squash, wandert, klettert und surft. Er sammelt Baseball-Caps, Schallplatten und Filme. Seine Lieblingsbands sind die Beatles, seine Lieblingsstreifen Klassiker wie Forrest Gump oder Das Leben des Brian. Er bewundert Rallye-Legende Walter Röhrl und den verünglückten Formel-1-Rennfahrer Jochen Rindt. Auch diese Nostalgie hebt Vettel von seinen Kollegen und einem durchschnittlichen 24-Jährigen ab.

Das Schönste sei es für ihn, zu Hause zu sein, im eigenen Bett zu schlafen und vorher auf dem Sofa eine DVD zu gucken. Das Leben eines Superstars und Multimillionärs sieht anders aus.

Vergleich mit Federer

Das ist aber auch schon alles, was Vettel an privaten Details preisgibt. «Es gibt zwei Seiten: Die Auftritte in der Öffentlichkeit, die zu meinem Job gehören und die ich gerne mache und akzeptiere. Auf der anderen Seite gibt es mein Privatleben, das ich lieber mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen will», sagt der Weltmeister.

Als eines seiner sportlichen Vorbilder hat Vettel in einem Welt-Interview einmal Tennisspieler Roger Federer genannt. Auch der Schweizer schottete sich seit jeher von der Öffentlichkeit ab und wurde mit dieser Strategie zum erfolgreichsten Vertreter seiner Sportart. Offenbar hat sich der Heppenheimer also nicht nur an Federers sportlichem Ehrgeiz ein Beispiel genommen.

hem/news.de/dpa

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Hans Christian Berchtold
  • Kommentar 1
  • 23.07.2011 18:43

Es gibt sie noch! Menschen, die trotz der vielen Millionen normal bleiben. Er hätte allen Grund die Fassung zu verlieren: jung reich, erfolgreich. Nein - er bleibt charakterstark und bürgerlich. Das macht ihm bislang keiner nach. Das macht ihm so sympatisch!!!

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