Trainer in Europa Feuerstühle in Deutschland und Italien

Van Gaal Benitez (Foto)
Ein großer Name schützt nicht vor einer Entlassung: Louis van Gaal (links) und Rafael Benitez. Bild: news.de/imago(montage)

Von news.de-Redakteur Philip Seiler
In der vergangenen Bundesligasaison wurden so viele Trainer wie nie zuvor entlassen. Ein Blick in Europas Topligen zeigt: Auch in Italien ging es drunter und drüber. News.de kennt die kuriosesten Rausschmisse und weiß, wo man am sichersten im Sattel sitzt.

Ein sicherer Arbeitsplatz sieht anders aus. Insgesamt 14 Trainer waren es, die in der Bundesliga-Saison 2010/11 vorzeitig ihren Hut nehmen mussten. Stuttgart, Wolfsburg und Köln wechselten gleich zweimal den Chefcoach. Die Entlassungen von Louis van Gaal beim FC Bayern, Armin Veh beim Hamburger SV und Felix Magath auf Schalke waren theaterreif.

Es folgten Wolfsburgs sensationeller 48-Stunden-Coup mit Ex-Coach Magath und Frankfurts überraschende Verpflichtung von Christoph Daum. Die Bundesliga brach damit nicht nur den Rekord für die meisten Trainerentlassungen in einer Spielzeit, sondern ist damit auch im Vergleich der Topligen Europas Spitzenreiter.

Bundesliga
Welcher Trainer geht wohin?

Italien: Erste Entlassung vor erstem Spieltag

Ähnlich turbulent ging es nur in der italienischen Serie A zu. Dort mussten in der vergangenen Saison 13 Fußballlehrer ihren Posten räumen. Besonders pikant: Bereits vor dem ersten Spieltag begann das große Stühlerücken. Ende August 2010 entließ der FC Bologna Franco Colomba, weil dieser an der Mannschaft gezweifelt habe, und präsentierte Alberto Malesani als Nachfolger. Das gleiche Schicksal ereilte in der Bundesliga einst Jörn Andersen. Der Norweger wurde in der Saison 2009/10 beim FSV Mainz 05 vor Saisonbeginn wegen interner Differenzen von seinen Aufgaben entbunden.

Noch spektakulärer war der Trainerwechsel bei Inter Mailand im Dezember vergangenen Jahres. Kurz vor Weihnachten wurde der glücklose Rafael Benitez beim Champions-League-Sieger von 2010 beurlaubt und ausgerechnet durch den Brasilianer Leonardo, zuvor Cheftrainer des verfeindeten Stadtrivalen AC Mailand, ersetzt.

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Diese Trainer mussten gehen

Die Klubs US Palermo und Brescia Calcio sorgten anderweitig für Aufsehen. Und zwar mit zwei äußerst ungewöhnlichen Rückholaktionen. Beide Vereine schmissen ihren Chefcoach in der Rückrunde raus und bemerkten nach kurzer Zeit, dass dieser wohl doch nicht so schlechte Arbeit geleistet hatte. Palermo stellte Delio Rossi kurzerhand nach fünf Wochen wieder ein und schasste den neuen Mann Serse Cosmi. Mario Beretta war bei Brescia immerhin acht Wochen im Amt, bevor die Klubführung das Vertrauen lieber wieder seinem Vorgänger Giuseppe Lachini schenkte.

Erfolgscoach Estevan nach fünf Spielen weg

Im Vergleich zu Deutschland und Italien ist Frankreich für Übungsleiter ein wahres Paradies. In der vergangenen Saison wurden nur vier - und damit die wenigsten - Trainer der europäischen Topligen entlassen. Aber auch im Land des Weltmeisters 1998 verlief dies nicht ganz ohne Possen und Kuriositäten.

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So hat sich Ihr Klub verstärkt

So endete das erste Engagement von Michel Estevan in der Ligue 1 nach nur fünf Spieltagen im September 2010. Und das nachdem der 49-jährige Franzose den AC Arles-Avignon innerhalb von fünf Jahren sensationell von der fünften in die erste Liga geführt hatte. Bereits nach dem Aufstieg ins Oberhaus war die Trennung verkündet worden - wegen unterschiedlicher Gehaltsvorstellungen. Vor Saisonbeginn hatten sich die Parteien doch noch geeinigt, aber nach fünf Niederlagen in Folge zog der Verein laut Medienberichten anschließend die Reißleine. Geholfen hat es nichts. Arles-Avignon stieg mit nur 20 Punkten und einem Torverhältnis von 21:70 sang- und klanglos wieder ab.

Tochter beleidigt - Trainer geht

Ähnlich bizarr war die Trennung zwischen Girondins Bordeaux und Jean Tigana. Im Mai 2011 trat der Coach nach einer 0:4-Niederlage gegen den FC Sochaux zurück, weil seine 16-jährige Tochter zum wiederholten Male von den eigenen Fans im Stadion beleidigt wurde. «Meine Tochter hat schon Probleme in der Schule. Wenn die Leute denken, dass ich das Problem bin, dann gehe ich», begründete der 56-Jährige seinen Rücktritt.

In Spanien und England ging es dagegen gesitteter und weniger skandalträchtig zu. Acht Trainer wurden in der Primera Division entlassen, sechs waren es in der Premier League. Besonders tragisch verlief die Saison für Roy Hodgson. Der 63-Jährige, der in der Spielzeit 2009/2010 mit dem FC Fulham noch ins Europa-League-Finale gestürmt war, scheiterte beim FC Liverpool gnadenlos. Im Januar warf ihn der Verein, der zu diesem Zeitpunkt nur auf Platz zwölf stand, hochkantig raus. Seit Februar backt Hodgson nun wieder kleine Brötchen - bei West Bromwich Albion. Immerhin gab es für ihn noch ein Happy End. Er führte den Aufsteiger zum Klassenerhalt.

 

Trainerwechsel 2010/11 in Europas Topligen
Platz
Land
Trainerwechsel
1.
Deutschland 14
2. Italien 13
3. Spanien 8
4. England 6
5. Frankreich 4

 

hem/news.de

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