Neid-Debatte Neid entzweit Familie Prinz

Silvia Neid macht sich selbst keine Vorwürfe, die öffentliche Kritik an der Bundestrainerin jedoch nimmt zu. Besonders heftig reagierte Birgit Prinz' Vater Stefan, der Neid aufforderte zurückzutreten. Die DFB-Spielführerin hält hingegen zu ihrer Trainerin.

Neid & Prinz (Foto)
Tiefer Graben: Bundestrainerin Silvia Neid und Birgit Prinz. Bild: dpa
Fifa Frauen-WM 2011

Die Kritik an Silvia Neid nimmt zu, kommt erstmals auch aus den Reihen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und führt sogar zum Zwist in der Familie von Birgit Prinz. Die Ursachenforschung für das ernüchternde Viertelfinal-Aus der deutschen Fußballerinnen bei der Heim-WM gewinnt an Fahrt und rückt die Bundestrainerin in den Fokus. «Letztlich muss sich auch Silvia Neid bestimmte Fragen gefallen lassen», sagte Rolf Hocke, Vizepräsident des DFB.

Vom Verband sei durch die terminliche Verschiebung der Bundesliga «alles nur Mögliche für ein erfolgreiches Abschneiden getan» worden. «Dass da am Ende nichts Zählbares rausgekommen ist, ist eine Enttäuschung - das ist sogar beängstigend», betonte der Leiter des Frankfurter WM-Büros in der Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen.

Fifa Frauen-WM 2011: Trostkuscheln mit Theo

Nachdem ihr Vater Stefan den Rücktritt von Neid gefordert hatte, sah sich Prinz zu einer öffentlichen Erklärung genötigt. «Es ist nicht richtig, jetzt einer Person die Schuld zu geben», sagte die Rekordnationalspielerin in einer über den DFB verbreiteten Mitteilung. «Es wäre nicht mein Stil, mich öffentlich so zu äußern und ich finde es inhaltlich auch falsch, die Dinge so undifferenziert darzustellen.» Neid habe «von Anfang an versucht, junge und ältere Spielerinnen gegeneinander auszuspielen und hat dadurch die Spielerinnen sehr verunsichert», sagte der Vater dem Hörfunksender «hr1» und forderte sie zum Rücktritt auf. Daraufhin betonte seine Tochter, dass sei «seine ganz persönliche Meinung».

Zwanziger: «Wenn sie will, bleibt Neid bis 2020»

Sorgen um ihre eigene Zukunft muss sich Neid, die WM erst «in ein, zwei Wochen Revue passieren lassen» allerdings trotz erstmals verpasster Olympiaqualifikation wohl kaum machen. Unterstützung erhält sie von höchster Stelle. «Wenn sie will, kann sie noch bis 2020 bleiben», sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger und versuchte damit, eine mögliche Trainerinnen-Debatte im Keim zu ersticken. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel stärkte der Bundestrainerin nach dem WM-Aus mit einem Telefonat den Rücken.

Dass Zwanziger vor der WM stolz den neuen Kontrakt mit der 47-Jährigen bis 2016 verkündet hatte, wird in der Szene allerdings mit Argwohn betrachtet. «Es wäre zu einfach, Neid die ganze Schuld am Scheitern zu geben, sagte Potsdams Trainer Bernd Schröder. «Doch es war vom DFB auch nicht nötig, ihren Vertrag vor der WM ohne Not zu verlängern.»

Fifa Frauen-WM 2011: Einzelkritik

Neid selbst betonte in der Stunde der Niederlage, dass sie sich «eigentlich gar keinen Vorwurf» mache und verwies stattdessen auf die anstehende Analyse. Dass die DFB-Elf zu fast keiner Zeit im Turnier an frühere spielerische Eleganz anknüpfen konnte, erklärte die Bundestrainerin unter anderem mit dem Erwartungsdruck: «Ich denke, dass die Mannschaft diesen schon gespürt hat und von daher nicht so leichtfüßig agiert hat, wie wir das gewohnt sind.»

Dem DFB-Team fehlte eine Führungsspielerin

Diese Lockerheit war Prinz so weit abhanden gekommen, dass sich die Rekordnationalspielerin vor dem finalen Gruppenspiel gegen Frankreich selbst aus der Mannschaft genommen hatte. Die Bundestrainerin sei in der persönlichen Krise von Prinz nicht auf seine Tochter zugekommen, schilderte Vater Stefan Prinz aus der Innensicht, diese habe selbst das Gespräch suchen müssen.

Mit Prinz' Nominierung für die ungeliebte Sturmspitze beim WM-Start hatte Neid zumindest zur Schwächung der Kapitänin beigetragen. So fehlte dem deutschen Team eine echte Führungsspielerin, die gerade den jungen Kräften emotionalen Halt auf dem Feld geben konnte.

Ob die eher ruhige Kerstin Garefrekes als mögliche Prinz- Nachfolgerin diese Rolle übernehmen kann, ist offen. Zudem muss Neid für die Zukunft, die mit der EM-Qualifikation im September gegen die Schweiz beginnt, die eklatanten Schwächen im Spielaufbau beheben. Durch den großen Abstand zum weit aufgerückten defensiven Mittelfeld agierten die technisch limitierten Innenverteidigerinnen zu häufig mit unpräzisen Bällen, um gepflegte Kurzpasskombinationen einzuleiten.

kru/news.de/dpa

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