Olympia Südkoreas Sport profitiert von der Kraft der Konzerne

Olympische Winterspiele in einer südkoreanischen Kleinstadt? Hinter der erfolgreichen Bewerbung Pyeongchangs um das olympische Winterspektakel 2018 steckt vor allem die geballte Macht großer südkoreanischer Konzerne.

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Südkoreas Sport profitiert von der Kraft der Konzerne Bild: dpa

Seoul (dpa) - Olympische Winterspiele in einer südkoreanischen Kleinstadt? Hinter der erfolgreichen Bewerbung Pyeongchangs um das olympische Winterspektakel 2018 steckt vor allem die geballte Macht großer südkoreanischer Konzerne.

Allen voran schreitet die Samsung-Gruppe - Südkoreas größter Mischkonzern. Sogar in der Heimat wird Samsungs Einfluss oft mit Ausdruck «Republic of Samsung» umschrieben. Zusammen mit anderen Großunternehmen oder Chaebols hat Samsung längst sein Netz über den olympischen Sport gelegt.

Als TOP-Sponsor des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) unterstützt Samsung alle 205 Nationalen Olympischen Komitees und hat damit eine immense Wucht in der olympischen Welt. Zwar trat Samsung offiziell nicht als Sponsor der Bewerbung Pyeongchangs auf, aber der frühere Samsung-Chef und jetzige Vorsitzende des Konzernflaggschiffs und Elektronikherstellers Samsung Electronics, Lee Kun Hee, gilt als Strippenzieher und wichtiger Finanzierer. Das IOC-Mitglied hatte den Großauftrag, Pyeongchang nach zwei erfolglosen Anläufen zum Olympia-Gastgeber zu machen.

Anfang der 80er Jahre hatte das damalige Militärregime unter Präsident Chun Doo Hwan den Sport für seine Zwecke entdeckt. «Die Regierung begann damit, die Konzerne zu drängen, den Sport zu fördern», sagt Professor Chong Kim von der Abteilung für Sportindustrie und Management an der Hanyang-Industrie in Seoul. Als Ergebnis davon seien 1982 die nationale Baseball-Liga und 1983 die K-League im Fußball gegründet worden.

Insbesondere nach den Sommerspielen 1988 in Seoul hatten auch andere Unternehmen die Bedeutung des Sports erkannt und aus eigenem Antrieb mit der Unterstützung verschiedener Sportarten begonnen - und staatliche Förderprogramme ergänzt. Dabei habe vor allem das Sponsoring der einflussreichen Unternehmen in den USA als Vorbild gedient, sagt Kim. Mit positiven Folgen für den Sport, fügt er hinzu.

Für Samsung, den Autohersteller Hyundai Motor, die Hanjin-Gruppe und deren Tochter Korean Air sowie andere Konzerne ist der Sport ein wichtiges Marketinginstrument. Doch der Bekanntheitsgrad mancher koreanische Konzerne und deren Markennamen waren im Ausland bis vor wenigen Jahren noch vergleichsweise gering. Durch den Sport lässt sich der Markenwert deutlich steigern.

Während Hyundai Motor vor allem als Sponsor des Fußball-Weltverbandes FIFA und der WM hervortritt, steht Samsungs Name in enger Verbindung mit der olympischen Bewegung. Pyeongchangs Bewerbungschef Cho Yang Ho ist Vorsitzender von Korean Air, die Fluggesellschaft zugleich Partner der Kandidatur Pyeongchangs.

In den Richtlinien von 1996, die der heute 69-jährige Lee Kun Hee ausgab, hieß es: «Entwickle Strategien, die den Markenwert auf globale Ebene führen können.» Zwei Jahre später wurde Samsung während der Winterspiele in Nagano Vollsponsor der Olympischen Spiele. Als solcher zahlt Samsung heute alle vier Jahre 100 Millionen Dollar.

Die Rolle Lee Kun Hees hatte Südkoreas Präsident Lee Myung Bak genau beschreiben, als er den Industriellen im Dezember 2009 nach einer Verurteilung wegen Steuerhinterziehung begnadigt hatte: Lee habe eine entscheidende Bedeutung für die Bemühungen Pyeongchangs.

news.de/dpa

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