Olympiawahl Ende in Tränen

Witt (Foto)
Katarina Witt weint. Bild: dapd

Also doch Pyeongchang! Südkorea jubelt - Deutschland hat mit München 2018 eine weitere bittere Bewerbungspleite um Olympia kassiert. Das IOC entscheidet sich bereits im ersten Wahlgang für den finanzstarken Favoriten aus Asien und gegen ein bayerisches «Wintermärchen».

Für München endeten alle Hoffnungen in einer niederschmetternden Niederlage: Schon im ersten Wahlgang entschied sich die Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am Mittwoch in Durban für den neuen Wintersportmarkt auf dem bevölkerungsreichsten Kontinent Asien und belohnte das zehnjährige intensive und beharrliche Werben Südkoreas.

Die bayerische Niederlage hatte auch eine historische Komponente: 46 Jahre nach den Sommerspielen 1972 wollte die Landeshauptstadt als erste Stadt der Welt das «Olympia-Double» schaffen. Doch um 17.18 Uhr MESZ verkündete IOC-Präsident Jacques Rogge den Sieger: Pyeongchang. In der erleichterten südkoreanischen Delegation brandete Jubel auf - nicht nur Münchens Vorzeigefigur Katarina Witt verlor dagegen ihr Dauerlächeln im Moment der großen Enttäuschung. 44 Monate Kampf um ein «bayerisches Wintermärchen» blieben ohne Happy-End.

Olympia 2018
Münchens Weg zu Winterspielen
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Mitleidsfaktor zieht

IOC-Vize Thomas Bach war enttäuscht, zeigte sich aber gefasst. «Der Sport hat wieder gezeigt: Siege sind nicht alles. Aber Niederlagen sind auch nicht das Ende von allem. Wir müssen nun in Ruhe überlegen, ob es sinnvoll ist, sich noch einmal zu bewerben», meinte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Katarina Witt hatte Tränen in den Augen. «Es ist unheimlich schwer zu verstehen, wenn man wie wir heute so eine gute Präsentation abgeliefert hat», sagte die Kuratoriums-Vorsitzende und Doppel-Olympiasiegerin im Eiskunstlauf. Offenbar habe der «Mitleidsfaktor» für Pyeongchang nach zwei Niederlagen bei der Wahl eine Rolle gespielt.

Olympia 2018
Plädoyer für den Sport
Video: hem/news.de/Unitec

Pyeongchang bekam überraschend schon in der ersten Runde mit 63 Stimmen auf die absolute Mehrheit. Trotz einer überzeugenden Kampagne und eines kräftigen Endspurts in Durban mit Bundespräsident Christian Wulff und Fußball-«Kaiser» Franz Beckenbauer erhielt München nur 25 Stimmen. Damit reichte es im millionenschweren Dreikampf nur zur nutzlosen Silbermedaille vor dem französische Annecy (7 Stimmen).

Unheilvolle Ahnung

Mit hängenden Köpfen hatten die Protagonisten der Münchner Delegation bereits das Auditorium im Kongresscenter von Durban verlassen, als IOC-Chef Rogge nach dem ersten Wahlgang verkündete: «Liebe Kollegen, Sie haben den Gastgeber gewählt.» Den Namen nannte er da zwar noch nicht, aber alle ahnten das einzig mögliche Resultat.

Dabei hatte das Team um Vorkämpferin Katarina Witt und IOC-Vizepräsident Thomas Bach den Tag der Entscheidung in Topform eröffnet. Die 45-minütige Abschlusspräsentation bewertete Beckenbauer als «Tüpfelchen auf dem i». Bundespräsident Wulff lobte sogar: «Besser kann man Deutschland mit all seinen Möglichkeiten nicht darstellen.» Die Frage wird sein, ob München für die Spiele 2022 noch einmal ins Rennen geschickt wird.

Beharrlichkeit könnte sich auszahlen, wie das Beispiel von Pyeongchang zeigt. «Wir sind jetzt wirklich bereit», hatte Bewerbungschef Cho Yang Ho die 95 stimmberechtigten Mitglieder nach den Niederlagen für 2010 und 2014 beschworen. «Pyeongchang 2018 ist eine nationale Priorität der koreanischen Regierung - und das schon seit zehn Jahren», hatte Staatspräsident Lee Myung-Bak betont. Er verbürgte sich für die Erfüllung aller Versprechen.

Neue Märkte

Unter dem Motto «Neue Horizonte» sollen die Spiele in Fernost vom 9. bis 25. Februar 2018 ausgetragen werden. Hinter der Bewerbung stehen finanzstarke Konzerne und die Politik. In Südkorea war Olympia schon einmal zu Gast: bei den Sommerspielen 1988 in der Hauptstadt Seoul.

München hatte mit emotionalen Bildern und eindringlichen Worten bis zuletzt um das «Ja»-Wort gekämpft. Selbst das Sieger-Gen von Beckenbauer half auf den Tag genau elf Jahre nach dem Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland nicht.

Der Versuch, auf der Zielgeraden «den emotionalen Knopf zu drücken», wie Witt hoffte, zog bei den IOC-Mitgliedern nicht. Auch dem flammenden Plädoyer von Bach folgten sie nicht. «Heute geht es um die Fragen, die uns morgen betreffen. Heute geht um die Frage, ist heute die Zeit, neue Territorien zu erforschen oder unser Fundament zu stärken», so Bach. Der Aufbruch in neue Welten und Märkte hat sich nach den Wahlsiegen von Sotschi (2014/Winter) und Rio de Janeiro (2016/Sommer) erneut durchgesetzt.

hem/news.de/dpa

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