Olympia 2018 Weiter, größer, teurer

München ist gescheitert. Das IOC kehrt nicht zurück zu seinen Wurzeln, sondern bricht zu neuen Horizonten auf. Die Olympische Bewegung will wachsen um jeden Preis, vor allem aber um ihrer selbst willen – denn für Athleten, Zuschauer und die Umwelt wäre München die bessere Wahl gewesen.

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news.de-Redakteur Michael Heinrich Bild: news.de

Münchens Präsentation war wunderbar, doch sie konnte die 95 IOC-Mitglieder nicht mehr umstimmen. Die Entscheidung für einen der drei Kandidaten hatte jeder dieser Damen und Herren höchstwahrscheinlich schon im Kopf als sie oder er ins südafrikanische Durban flogen. Insofern war die ganztägige IOC-Sitzung eine quälende Show. Man hätte ebenso gut alles in fünf Minuten über die Bühne bringen können.

Nach welchen Kriterien die IOC-Mitglieder letztlich entschieden, wird ihr Geheimnis bleiben. Wollten sie die Ausdauer Pyeongchangs, das sich zum dritten Mal beworben hatte, belohnen? Hatten einige – wie die Süddeutsche Zeitung behauptet – ihr Ehrenwort Monate zuvor gegeben? Überzeugte das kompakte Konzept so sehr? Was sprach denn für Pyeongchang?

Die Wahl stellt eine Grundsatzentscheidung für neue Märkte und Gigantomanie getreu dem hauseigenen Motto «höher, schneller, stärker»Citius, altius, fortius - das olympische Motto. dar. Die Olympische Bewegung fühlt sich offenbar so stark, dass sie ihre Wurzeln vernachlässigt und keine Verschnaufpause braucht in ihrem Wachstum. 2014 Sotschi, Russland; 2016 Rio de Janeiro, 2018 nun Pyeongchang, Südkorea – die klassischen olympischen Nationen sind das nicht, allesamt aber wirtschaftlich aufstrebende Länder.

So müssen sich Athleten und Zuschauer wieder einmal beugen vor der Gier der Olympier. Das von München beschworene Ideal Lillehammer, die einzigen Winterspiele mit authentischer Atmosphäre, hat ausgedient. Es ist schlichtweg zu klein. Athleten und Zuschauer bekommen 2018 Retortenspiele wie schon in Turin kredenzt. Der Großteil der Sportstätten wird aus dem Boden gestampft werden. Geld steht Pyeongchang genug zur Verfügung. Davon war das IOC letzlich überzeugt.

cvd/news.de

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