Fußball Aus Spaß an der Freude - Freiwillige bei der WM

Aus Spaß an der Freude - Freiwillige bei der WM (Foto)
Aus Spaß an der Freude - Freiwillige bei der WM Bild: dpa

Statt die Frauen-WM gemütlich von der Couch aus zu verfolgen, machen sie sich an Ort und Stelle die Hände schmutzig: Ohne die mehr als 3000 Freiwilligen, sogenannte Volunteers, wäre die Fußball-Weltmeisterschaft wohl nicht möglich.

Mönchengladbach (dpa) - Statt die Frauen-WM gemütlich von der Couch aus zu verfolgen, machen sie sich an Ort und Stelle die Hände schmutzig: Ohne die mehr als 3000 Freiwilligen, sogenannte Volunteers, wäre die Fußball-Weltmeisterschaft wohl nicht möglich.

Drei Wochen lang helfen sie bei Auf- und Abbauten, betreuen die Fans, kontrollieren Eintrittskarten und Akkreditierungen. Manch einer opfert sogar den Urlaub. Der Lohn: Spaß an der Freude. Eine Bezahlung gibt es nicht.

Die 18-jährige Christina hat ihrem Klassenlehrer für die WM eine Sondergenehmigung abgerungen. An den Spieltagen darf sie dem Unterricht fernbleiben und die Logen-Besucher im Mönchengladbacher Borussia-Park bewirten. Als Belohnung kann sie sich - wie alle Freiwilligen - über eine schicke rot-weiße Uniform samt Turnschuhen freuen. Auch ihre Freundin Beate hat sich eigens für die unentgeltliche Maloche freigenommen. «Man trifft so viele Leute aus aller Welt», sagt die 23-Jährige begeistert. Da könne man auch mal auf ein paar Urlaubstage verzichten.

Dabei stand lange Zeit nicht fest, ob die beiden überhaupt mithelfen dürfen. Über 14 000 Bewerbungen gingen beim Organisationskomitee (OK) ein. 3000 Volunteers bekamen schließlich eine Zusage - darunter auch Christina und Beate. «Allein in Mönchengladbach hatten wir mehr als 1000 Bewerber», erklärt Imke Deipenbrock, die dort als «Volunteer-Managerin» das Freiwilligenprogramm koordiniert. «In einem knappen halben Jahr mussten wir mehr als 500 Einzelgespräche führen.»

Obwohl der Weltfußballverband FIFA äußerst finanzkräftig ist, hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi nichts gegen das Gratis-Engagement der Freiwilligen einzuwenden. Da es sich um einen begrenzten Zeitraum handele, sei es nicht verwerflich, auf kostenlose Arbeitskräfte zurückzugreifen, meint Verdi-Sprecher Christoph Schmitz. «Das ist inzwischen ein übliches Verfahren bei Großveranstaltungen.»

Im Internet tummeln sich etliche Vermittler von Freiwilligendiensten. Bereits bei der Männer-WM im Jahr 2006 waren mehr als 15 000 Volunteers aktiv. Auch das Kulturhauptstadtprojekt Ruhr.2010 kam nicht ohne solche Helfer aus. Ebenso der Eurovision Song Contest vor knapp zwei Monaten in Düsseldorf, bei dem mehrere hundert Freiwillige im Einsatz waren. Steffi Jones, OK-Chefin bei der Frauen-WM, meint entsprechend: «Sie sind unbezahlt, aber unbezahlbar.»

Die Sozialpsychologin Monika Stützle-Hebel aus Freising bei München sieht die Ursache des großen Andrangs auf Volunteer-Stellen im «Sommermärchen» von 2006 begründet. «Da war viel Euphorie, viel Lust», sagt die Trainerin für Gruppendynamik. «Man hat sich einfach so mit anderen Menschen verbrüdert.» Dieses Gefühl komme in der individualisierter werdenden Gesellschaft zu kurz. Daher, so die Überzeugung der Psychologin, melden sich immer mehr Menschen zur Mitarbeit bei gesellschaftlichen Großereignissen - auch ohne Bezahlung.

Jürgen Meis ist selbst Volunteer in Mönchengladbach und war mitverantwortlich für die Personalauswahl. Die Motivation sei entscheidend gewesen, erklärt der 53-Jährige. Einige Bewerber hätten in den Vorstellungsgesprächen gesagt, sie wollten unbedingt alle Spiele sehen, erinnert sich Meis. «Das war ein direktes Ausschlusskriterium.» Denn viele Jobs seien noch nicht einmal in Stadionnähe.

news.de/dpa

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