Radsport Mann für alle Fälle: Schänzer warnt Doper

Mann für alle Fälle: Schänzer warnt Doper (Foto)
Mann für alle Fälle: Schänzer warnt Doper Bild: dpa

Doping-Jäger Wilhelm Schänzer ist auch in diesem Jahr bei der Tour de France wieder der Mann für alle Fälle.

Redon (dpa) - Doping-Jäger Wilhelm Schänzer ist auch in diesem Jahr bei der Tour de France wieder der Mann für alle Fälle.

«Möglicherweise sind Spezialanalysen geplant - mehr kann ich dazu nicht sagen», erklärte der Leiter des Anti-Doping-Labors in Köln, das im Vorjahr den Clenbuterol-Befund im Fall Alberto Contador lieferte. Die Minimalmengen des hauptsächlich in der Trainingsphase zu Dopingzwecken eingesetzten Kälbermastmittels konnten nur in Köln nachgewiesen werden.

Zur Causa um den dreifachen Champion, dem eine nachträgliche Sperre droht, wollte sich Schänzer in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa am Montag nicht äußern, weil er in dem schwebenden Verfahren «involviert» sei. «Die Situation ist unbefriedigend», räumte er aber ein.

Schänzer ist einer der am meisten gefürchteten Doping-Analytiker weltweit und hat für potenzielle Betrüger sogleich eine Warnung parat: «Sportler sollten sich nicht zu sicher sein - wir entdecken auch vermeintlich nicht dopingrelevante Mittel.» Aktuell sei eine neue Anabolika-Alternative auf dem illegalen Markt, erklärte der Kölner Professor. Dank Langzeitlagerung - etwa durch Einfrieren von Proben - könnten Doper auch im Nachhinein noch entlarvt werden.

In Sicherheit wähnten sich vor drei Jahren bei der Tour auch die Etappensieger Stefan Schumacher (Nürtingen), Riccardo Ricco (Italien) und «Bergkönig» Bernhard Kohl (Österreich), ehe sie des Dopings mit CERA überführt worden waren. Sie tappten in die Falle, alle drei wurden verurteilt und gesperrt.

Der prominenteste Fall, den das Kölner Labor 2010 lostrat, beschäftigt auch die aktuelle Frankreich-Rundfahrt. Titelverteidiger Contador muss sich nur wenige Tage nach der letzten Etappe vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS verantworten. Nach Anhörung aller Parteien vom 1. bis 3. August fällen die Richter das Urteil, ob Contador wissentlich gedopt, oder nur versehentlich verseuchtes Fleisch gegessen hat. Die Urteilsfindung könne einen Monat dauern, erklärte der Gerichtshof.

Laut Schänzer muss bei einem positiven Clenbuterol-Befund in Rechnung gestellt werden, ob der Sportler Fleisch in China oder Mexiko zu sich genommen hat , wo das Mittel in der Mast angewendet werde. Im Fall des freigesprochenen Tischtennis-Nationalspielers Dimitrij Ovtcharov, der in China Fleisch gegessen hatte, wurde das als Entlastung gewertet. Contador hatte sein angeblich kontaminiertes Steak während der Tour 2010 in Spanien kaufen lassen und am Ruhetag im südfranzösischen Pau zu sich genommen.

Sein Interesse an der Tour de France sei gesunken, «da geht es mir so wie vielen Zuschauern», sagte Schänzer. Trotzdem schaue er einige Etappen im Fernsehen. In Deutschland werde das Doping-Problem im Radsport als besonders heftig erlebt, weil es die Zusammenhänge «mit der Sportmedizin in Freiburg und dem Telekom-Team» gegeben hätte, findet der Wissenschaftler. In anderen Ländern würden eher Sportarten wie Leichtathletik oder Kraftsport als besonders belastet gelten.

Schänzer hat aber einen leichten Wandel zu mehr Ehrlichkeit im Sport festgestellt. «Die Kontrollen im Vorfeld von Wettkämpfen sind etwas intelligenter und intensiver geworden». Das diene zusammen mit den rückwirkend möglichen Analysen als Abschreckung.

news.de/dpa

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