Radsport Winokurow: «Schwarzes Schaf» vor Tour-Adieu

Das personifizierte schlechte Tour-Gewissen gibt seine Abschiedsvorstellung. Der Kasache Alexander Winokurow will bei der am Samstag beginnenden Frankreich-Rundfahrt mit nicht weniger als «ein paar Tagen in Gelb und einem Etappensieg» Adieu sagen.

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Winokurow: «Schwarzes Schaf» vor Tour-Adieu Bild: dpa

Villeneuve (dpa) - Das personifizierte schlechte Tour-Gewissen gibt seine Abschiedsvorstellung. Der Kasache Alexander Winokurow will bei der am Samstag beginnenden Frankreich-Rundfahrt mit nicht weniger als «ein paar Tagen in Gelb und einem Etappensieg» Adieu sagen.

Drei Jahre nach seiner Verbannung wegen einer unappetitlichen Blutdopingaffäre hatte er 2010 in Revel sein Tour-Comeback als strahlender Tagessieger geben dürfen. Jetzt dreht der 37 Jahre alte Astana-Kapitän, der die Rolle des Bösewichts weitergereicht hat an den aktuell dopingbelasteten Alberto Contador, seine letzte Runde in Frankreich.

«Im nächsten Jahr ist Schluss mit dem aktiven Radsport. Es ist ein guter Zeitpunkt. Natürlich könnte ich mir dann eine Funktion in meinem Team vorstellen», sagte Winokurow der Nachrichtenagentur dpa.

Zur Abschiedsfeier in der kasachischen Hauptstadt Astana, die er selbst als «Wino-Party» ankündigt, will er im November die Weggefährten von einst - etwa Erik Zabel und Jan Ullrich - einladen. Zuvor hat der Routinier, der mit seinem Team vor dem Tour-Start in einer alten idyllischen Abtei abstieg, besonders die erste Tour-Woche für sein finales Feuerwerk auf der Ehrenrunde auserkoren.

Bis heute empfindet Winokurow den Dopingnachweis, nach dem er und sein Team mit Schimpf und Schande die Tour verlassen mussten, fast als Anmaßung und ignoriert ihn.

In seiner Heimat ist er ein bedeutender Mann, der von Plakatwänden in der Hauptstadt Astana lächelt und ein Vertrauter des Staatspräsidenten ist. Nach seinem Olympia-Silber 2000 hinter dem Telekom-Teamkollegen Ullrich und vor Andreas Klöden war er ehrenhalber in den Rang eines Polizeioberst erhoben worden.

Die guten Verbindungen halfen Winokurow auch in seiner schwersten Stunde. Zwei Tage nach seinem Tour-Etappensieg im Zeitfahren 2007 war er des Fremdblutdopings überführt worden. Sein Landesverband sperrte ihn nur für ein Jahr, der Weltverband UCI intervenierte - und der Ex-Telekomstar, der das Astana-Team 2006 mit Hilfe potenter Geldgeber aus dem Boden gestampft hatte, trat beleidigt zurück. Er hielt es aber nicht lange aus, kehrte zurück, weil er dachte, sein Weg ins alte Metier sei wieder frei.

Aber Weltantidopingagentur WADA und UCI pochten auf die Einhaltung der Antidopingregeln. Also: Im August 2009 durfte Winokurow dann wieder mitstrampeln. Zwei Jahre später steht bei der Tour nun ein anderer im Doping-Fokus. Zur Affäre Contador hält sich Winokurow aber bedeckt.

news.de/dpa

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