Tour de France Der Ruf der Berge

Die Topfavoriten der Tour de France (Foto)
Contador (oben v.l.), Basso, van Den Broeck, Wiggins (unten v.l.), Evans,und Andy Schleck gehören zu den Favoriten. Bild: dpa

Von den news.de-Redakteuren Michael Heinrich und Andreas Schloder
Über 3400 Kilometer, sechs Bergetappen - unter anderem zweimal der berüchtigte Col du Galibier: Die 98. Auflage der Tour de France hat es in sich. News.de sagt, wer die Favoriten sind, auf welche Etappen es besonders ankommen wird und warum die Sprinter diesmal Pech haben.

Das Warten der Radsportfans hat ein Ende: Am heutigen Samstag startet endlich die Große Schleife von Frankreich. Doch die Tour muss wie in den Jahren zuvor gegen ihr dopingverseuchtes Image ankämpfen. Da ist es wenig förderlich, dass die Entscheidung, ob Tour-Champion Alberto Contador nach bestätigtem Doping-Fund der Titel aus dem Vorjahr aberkannt wird, erst auf August vertagt worden ist. Währenddessen setzen die Verantwortlichen um Tour-Chef Christian Prudhomme auf eine Rundfahrt voller Tradition und Nostalgie.

Generelle Qualität der Tour 2011

Im Vergleich zu diesem Jahr waren die Ausgaben der Vorjahre zahm. 2011 suchen die Tour-Organisatoren wieder das Spektakel und die Superlative: Am 21. Juli stellt die Tour de France einen neuen Rekord auf. Die Etappenankunft auf dem 2645 Meter hohen Galibier stellt die höchste in ihrer Geschichte dar. Damit ehrt die Tour einen Mythos. Vor genau 100 Jahren stand der Alpenriese zum ersten Mal auf dem Programm. Oft, wie beispielsweise 1998, als Jan Ullrich hier seinen legendären Hungerast hatte, entschied sich auf dem windigen Gipfel die gesamte Rundfahrt.

Tour de France
Contador, Schleck, Gesink
Contador (Foto) Zur Fotostrecke

Verlieren kann man die Tour aber auch schon eher. Die eher kurzen 3430 Kilometer haben es in sich. Insgesamt sechs Hochgebirgsetappen in Alpen und Pyrenäen sorgen dafür, dass der Sieger 2011 mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Lager der besten Bergfahrer kommt. Für die Sprinter hält diese Tour wenig Ruhm, dafür aber viele Leiden bereit.

Die vorentscheidenden Etappen 2011

Der Start über die schlickige Meeresfurt Passage du Gois verspricht ein Schauspiel zu werden. Zum Glück ist das Rennen zu diesem Zeitpunkt noch neutralisiert - anders als 1999, als es zahlreiche (Favoriten-)Stürze gab. Im Finale werden sich nicht nur die Sprinter drängeln, sondern auch die Favoriten, da durch die Zeitbonifikationen und im Hinblick auf das Mannschaftszeitfahren am Tag darauf dann das Gelbe Trikot für die erste Woche vergeben wird. Zu den Kandidaten, die eine starke Zeitfahrmannschaft hinter sich haben, gehört auch der Deutsche Tony Martin.

Die erste Woche gehört traditionell den Sprintern. Auf der achten und neunten Etappe am 9. und 10. Juli ist ihre Zeit erst einmal vorbei. Beim Auf und Ab im Zentralmassiv könnten vor allem Solisten das Klassement gehörig durcheinander bringen. Vor allem die Jäger des gepunkteten Trikots werden attackieren. Danach heißt es schon Einrollen auf die Pyrenäen. Drei schwere Hochgebirgsetappen folgen von Donnerstag bis Samstag, 14. bis 16. Juli. Jetzt müssen die Favoriten Farbe bekennen.

In der dritten Woche wird der Träger des Gelben Trikots noch heftige Angriffe in den Alpen abwehren müssen. Drei Etappen geben Gelegenheit dazu. Am Donnerstag, 21. Juli (18. Etappe), erreicht die Karawane das Dach der Tour auf dem Galibier. Allein an diesem Tag stehen drei Berge der höchsten Kategorie auf dem Programm. Tags darauf wartet auch noch Alpe d'Huez. Trotzdem müssen sich die Favoriten noch ein paar Körner für das Zeitfahren am Samstag, 23. Juli, aufheben, bevor es im Triumphzug nach Paris geht.

Die entscheidenden Etappen fürs Klassement: 3. Juli, Les Essarts (Mannschaftszeitfahren); 9. Juli, Aigurande - Super-Besse Sancy; 10. Juli, Issoire - Saint-Flour; 14. Juli, Cugnaux - Luz-Ardiden; 15. Juli, Pau - Lourdes; 16. Juli, Saint-Paul - Trois-Châteaux; 20. Juli, Gap - Pinerolo; 21. Juli, Pinerolo - Galibier Serre-Chevalier; 22. Juli, Modane - Valfréjus Alpe-d’Huez; 23. Juli, Grenoble (Einzelzeitfahren).

Die Favoriten

Alle jagen Tour-Verteidiger Alberto Contador. Doch nicht nur das Peloton: Die Dopingfahnder werden wie nie zuvor ihre vorwurfsvollen Blicke auf den Madrilenen werfen, nachdem im September bekannt wurde, dass Contador während der Tour positiv auf Clenbuterol getestet wurde. Dass er durch sie gestellt wird, ist wahrscheinlicher als durch seine Konkurrenten. Zu überlegen war sein diesjähriger Sieg beim Giro d'Italia. Die Bergziege aus Pinto dominierte da die Konkurrenz mit einer Qualität, die weitere Zweifel an seiner Sauberkeit aufkommen ließen. Am Material lag das sicher nicht.

Contadors Stärken: Nach der Ära Armstrong gibt es keinen zweiten Fahrer, der so explosiv und leichtfüßig auf die Berggipfel radelt. Sein Tritt gleicht einer Nähmaschine. Zudem ist er einer der wenigen Kletterkünstler, die den Kampf gegen die Uhr mit Auszeichnung bestehen. Genau das könnte am Ende der Tour den großen Unterschied zu Contadors Herausforderer Nummer eins, Andy Schleck, ausmachen.

Der Luxemburger ist zwar in den Bergen genauso stark wie der Spanier. Noch dazu kann er zusammen mit seinem Bruder Fränk mit ständigen Attacken Contador unter Druck setzen. Doch so gut die Gebrüder Schleck in der Steigung sind, so viel Boden verlieren sie beim Zeitfahren. Umso wichtiger wird es gleich beim Mannschaftszeitfahren am Sonntag, 3. Juli, sein, dass die Mannschaftskollegen Fabian Cancellara, Jakob Fuglsang und der Deutsche Linus Gerdemann die Pace vorgeben. Denn das Team Leopard-Trek hat die besseren Zeitfahrer.

Wer der lachende Dritte im Verfolgerfeld sein wird, erfahren Sie in unserem Favoriten-Check.

hem/sca/cvd/news.de

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