Fußball Ein guter Typ: Torhüterin Angerer vor Jubiläum

Unumstritten, unerschrocken, unangepasst - die deutsche Torhüterin Nadine Angerer ist in jeder Hinsicht ein außergewöhnlicher Typ. Dass sie im zweiten WM-Gruppenspiel gegen Nigeria zum 100. Mal das DFB-Trikot trägt, ist für sie nicht einmal etwas so Besonderes.

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Ein guter Typ: Torhüterin Angerer vor Jubiläum Bild: dpa

Frankfurt/Main (dpa) - Unumstritten, unerschrocken, unangepasst - die deutsche Torhüterin Nadine Angerer ist in jeder Hinsicht ein außergewöhnlicher Typ. Dass sie im zweiten WM-Gruppenspiel gegen Nigeria zum 100. Mal das DFB-Trikot trägt, ist für sie nicht einmal etwas so Besonderes.

«Ich habe es genau berechnet. Perfekter wäre es natürlich beim Eröffnungsspiel gewesen», sagte Angerer voller Ironie. Doch die Vorfreude auf die Partie war echt: «Jetzt ist das Hundertste hier in Frankfurt. Insofern freue ich mich.»

Mit brauner Schieber-Mütze zum hellblauen Trainingsanzug präsentierte sich die Keeperin einen Tag nach dem Umzug von Berlin nach Frankfurt gewohnt lässig, schlagfertig und gut gelaunt. Doch mit Zahlenspielen kann sie nicht viel anfangen. Noch vor einigen Tagen war ihr nicht einmal klar, dass ihre Jubiläumspartie ansteht. «Das wusste ich gar nicht, schön. Aber das hat keine größere Bedeutung.»

Dabei kann Angerer durchaus stolz sein, in den erlauchten «Club der Hunderter» einzutreten, der von Rekordnationalspielerin Birgit Prinz (213 Länderspiele) angeführt wird. Die zweimalige Weltmeisterin ist die 16. DFB-Akteurin, die die Marke von 100 Einsätzen erreicht.

Am 27. August 1996 beim 3:0 gegen die Niederlande in Lichtenvoorde feierte Angerer ihr Länderspiel-Debüt, 98 weitere Partien folgten. Ihre bisherige Bilanz: 70 Siege, 11 Unentschieden und 18 Niederlagen. Ganze 61 Gegentore musste sie hinnehmen, 0,6 im Schnitt. «Sie ist absolute Weltklasse», lobte Bundestrainerin Silvia Neid ihre unumstrittene Nummer eins und sagte schon vor dem Turnierstart: «Wenn sie bei der WM ausfällt, haben wir ein Problem.»

Angerer hätte sicher schon rund 200 Länderspiele absolviert, wenn sie nicht rund zehn Jahre lang hinter der lange gesetzten Silke Rottenberg in der Warteschleife gewesen wäre. Erst bei der WM 2007 kam die Wachablösung. Und Angerer rechtfertigte das Vertrauen, hielt ihren Kasten in allen sechs WM-Spielen in China sauber.

Diese Serie mit 622 Minuten ohne Gegentor riss erst zum WM-Start an Sonntag beim 2:1-Sieg gegen Kanada mit dem Treffer von Christine Sinclair in der 82. Minute. Nun ist auch diese Diskussion beendet, die sie aber schon lange nicht mehr belastete. «Nach dem Turnier 2007 kam Olympia 2008, da habe ich mich schon selber unter Druck gesetzt, das wiederholen zu können», gestand sie rückblickend. Doch sie habe schnell «kapiert, dass das nicht realistisch» sei. Seitdem sei das Thema für sie abgehakt. «Ich bin nicht wieder mit dem Gedanken reingegangen, noch einmal zu Null zu spielen.» Was nichts an ihrem generellen Ehrgeiz ändert: «Mich ärgert jedes Gegentor.»

Die im unterfränkischen Lohr/Main geborene Angerer versteht sich als absolute Teamplayerin, der Erfolg der Mannschaft geht ihr über alles. Innerhalb der DFB-Elf genießt sie höchstes Ansehen. «Für eine Torhüterin ist sie recht normal. Man kommt mit ihr super klar. Sie ist eine, die sich um alle kümmert, auch mal die Jüngeren beiseite nimmt», lobte Assistenztrainerin Ulrike Ballweg. Kurz zuvor hatte sie noch gefrotzelt: «'Natze' ist die absolute Einzelgängerin, die sich immer abschottet, ganz unkollegial.»

Angerer hebt sich deutlich ab von der nachfolgenden Generation, die sich gern schminkt und hohe Schuhe trägt. Secondhand-Klamotten und Einrichtungsgegenstände aus den 70er Jahren sind eher ihr Ding. Auch ihre Vorliebe für Mützen und die Fotografie sind bekannt. Und sie reist für ihr Leben gern. «Es ist tatsächlich eine Idee von mir, irgendwo in Afrika einmal ein Backpacker-Hotel aufzumachen», sagte sie über ihre Pläne nach der Karriere.

news.de/dpa

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