Hessens Minister Alkoholverbot im Fußballstadion gefordert

Hessens Innenminister Boris Rhein will den Fußballfans den Bierhahn zudrehen. Ein generelles Verbot von Alkohol in Fußballstadien und im öffentlichen Nahverkehr soll gegen Gewaltprobleme im Fußball helfen. Ist das wirklich eine gute Lösung?

Alkoholverbot im Stadion (Foto)
Randale in Frankfurt: Die Polizei führt einen Krawall-Fan ab. Bild: imago

Die erschreckenden Bilder aus Frankfurt sind den Fußballinteressierten noch in Erinnerung. Am 33. Spieltag der abgelaufenen Bundesligasaison eskalierte die Situation im Stadion. Nach Abpfiff des Bundesligaspiels gegen Köln stürmten etwa 200 gewaltbereite Anhänger aus der Frankfurter Fankurve den Rasen, prügelten mit Eisenstangen auf Polizeibeamte ein und verwüsteten den Stadioninnenraum.

Am letzten Spieltag, als die Niederlage bei Meister Borussia Dortmund den Abstieg der Frankfurter Eintracht besiegelte, präsentierten die Ultras ein Plakat mit der Aufschrift «Deutscher Randale-Meister 2011». Nach der Partie gab es außerhalb des Stadions erneut Randale.

Bundesliga: Randale in Frankfurt, Tränen auf St. Pauli

Gewaltexzesse diesen Ausmaßes hatte es in der Bundesliga schon seit Jahren nicht mehr gegeben. Gewaltbereite Fans waren zuletzt von der durch Sicherheitskräfte und Medien komplett durchleuchteten Bühne Bundesliga eher in die unteren Ligen abgewandert. Nun brach die Fan-Wut plötzlich auch wieder in der deutschen Eliteliga aus.

Für Hessens Innenminister Boris Rhein Anlass, nun ein generelles Alkoholverbot in den Stadien und darüberhinaus im Nahverkehr zu fordern. Der junge CDU-Mann Rhein (39), der zurzeit Chef der Länder-Innenministerkonferenz ist, erklärte im Gespräch mit der Bild-Zeitung: «Der Konsum muss drastisch reduziert werden, weil er die Fans oft erst völlig enthemmt. Ich halte deshalb ein Alkoholverbot in Fußball-Stadien und im öffentlichen Nahverkehr für sinnvoll.» Bislang wurde nur bei für Ausschreitungen besonders gefährdeten Partien, sogenannten «Gefahrenspielen», ausschließlich alkoholfreies Bier in den Stadien ausgeschenkt.

Zugleich warnt Rhein vor Ultra-Fangruppierungen, vor allem in unteren Fußball-Ligen. «Die Ultras kultivieren einen Männlichkeitskult, pflegen eine ausgeprägte Homophobie, verherrlichen Gewalt und lieben die öffentliche Provokation.» Ein neues Gutachten der Deutschen Hochschule der Polizei belege, dass die Ultras das eigentliche Problem seien. «Während es immer weniger Hooligans gibt, nehmen die Ultras stark zu», sagt Rhein.

Bei der am Dienstag beginnenden Konferenz der Innenminister von Bund und Ländern will sich der forsche Nachwuchsstar der CDU nun unter anderem für mehr Sicherheit im deutschen Fußball stark machen. Ob jedoch ein generelles Alkohlverbot der Schlüssel ist, um Gewaltprobleme zu lösen, darf bezweifelt werden. Mehr Mittel in Fanprojekte zu stecken, wäre eine weniger aktionistische Lösung.

che/news.de

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Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Guddy1
  • Kommentar 3
  • 21.06.2011 15:33

Alkohol ist und bleibt (leider) immer noch die DROGE Nr.1 ! Mittlerweile ist es wohl eine Minderheit, die es es als reines Genußmittel sieht. Hier ein treffendes Fundstück aus den Internet: Ich bin der Alkohol Ich bin mächtiger als alle Armeen der Welt. Ich habe mehr Menschen kaputtgemacht als alle Kriege. Ich habe Millionen von Verkehrsunfällen verursacht und mehr Heime und Familien zerstört als alle Sturmfluten und Überschwemmungen zusammen. Ich bin der gemeinste Dieb der Welt. Ich stehle jedes Jahr Milliarden. Ich finde meine Opfer sowohl unter den Reichen als auch unter den Armen....

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  • Ingo Gnito
  • Kommentar 2
  • 20.06.2011 14:03

Boris Rhein ist mir genau so Ultra und Nachsorge-Orientiert wie die meisten anderen Politiker. Die eine Seite ist ja unbestritten die unangemessene und unangebrachte Gewalt. Allerdings wird hier eher Nachsorge a la Medikamente gegen Symptomatik angewendet, an Stelle sich in Deutschland und auf der Welt darüber Gedanken zu machen, wie man in die Köpfe aller Menschen eine Verhältnismäßigkeit implantiert, wie sie sein sollte!

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  • Detlef Dechant
  • Kommentar 1
  • 20.06.2011 14:03

Das ist wieder typisch deutsch. Weil eine kleine Minderheit etwas (hier Alkoholkonsum) nicht vernünftig beherrscht, wird es allen verboten! Wenn Alkohol bei Vergehen grundsätzlich strafverschärfend wirken würde, hätte man sicher einen Teil der Probleme gelöst. Gegen den Rest muss konsequent und kompromisslos vorgegangen werden! Nur so gelingt es, Alkohol als Genussmittel zu akzeptieren, aber den Missbrauch gesellschaftlich zu ächten!

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