Schalke 04 Journalisten müssen raus

Hauptversammlung FC Schalke 04 (Foto)
Mitglieder des Fussball-Bundesligisten FC Schalke 04 warten in Gelsenkirchen auf der Hauptversammlung des Vereins auf den Beginn der Veranstaltung. Nach dem Antrag eines Mitglieds und einer entsprechenden Abstimmung wurde im Laufe der Veranstaltung die Pr Bild: dapd

Einmaliger Vorgang bei der Mitgliederversammlung von Schalke 04: Die Medien werden ausgesperrt, obwohl bei der Veranstaltung keine brisanten Themen auf der Tagesordnung stehen. Schalke-Chef Tönnies sieht darin einen demokratischen Akt.

Erst rief Clemens Tönnies den FC Schalke 04 zur Harmonie und Geschlossenheit auf, dann sorgten die Mitglieder mit dem Ausschluss der Medien von der Jahreshauptversammlung für einen Eklat. Beim Fußball-Bundesligisten ging es mal wieder turbulent zu. «Das Schlimmste war: Es ging in der vergangenen Saison ein Riss durch den Verein. Wir standen vor der tiefen Spaltung, die fast lebensbedrohlich gewesen wäre. Das darf nie wieder passieren. Deshalb steht diese Jahreshauptversammlung unter dem Motto: Wir wachsen zusammen», sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Tönnies am Sonntag pathetisch in seiner Eröffnungsrede in der Emscher-Lippe-Halle.

Journalisten müssen die Halle verlassen

Eine kritische Begleitung und Transparenz war zumindest von den Mitgliedern nicht erwünscht. Da nutzte auch ein halbherziger Appell von Tönnies und Vorstand Peter Peters nichts. Einem eingebrachten Antrag auf Ausschluss der Medien stimmten die 2944 stimmberechtigten Mitglieder mehrheitlich zu. 1542 Mitglieder votierten bei 1389 Gegenstimmen für den Ausschluss.

Schalke 04
Fan-Aufstand gegen Magath

So wurden die rund 30 akkreditierten Pressevertreter und Gäste ohne Mitgliedschaft eineinhalb Stunden nach Beginn der Veranstaltung aus der Halle verwiesen. Einen ähnlichen Vorgang hatte es im Dezember 2006 beim Hamburger SV gegeben, als der Club mit Thomas Doll gegen den Abstieg kämpfte. Bei Schalke verwundert der Rauswurf der Medien umso mehr, da keine brisanten Entscheidungen anstanden. Die Journalisten bekamen auch nicht die Möglichkeit, die Übertragung auf Bildschirmen draußen weiter zu verfolgen, sondern wurden durch den Wachdienst vom Gelände begleitet. So blieb nur die Möglichkeit, via Schalke-Homepage über die Versammlung zu berichten.

«Das ist Demokratie», kommentierte Tönnies das skurrile Votum. Zuvor hatte der Fleischfabrikant das «miserable» Abschneiden in der Bundesliga kritisiert. «Platz 14 ist viel zu wenig», sagte Tönnies. Auf der anderen Seite hätten aber auch große Erfolge wie der Einzug ins Halbfinale der Champions League und der Gewinn des DFB-Pokals gestanden. Der «Pott» wurde den Mitgliedern stolz präsentiert.

Marcelo Bordon als Schalker Ehrenspieler ausgezeichnet

Einigkeit herrschte bei der Aufnahme zweier verdienter Spieler in die Schalker «Ehrenkabine». Neben dem ehemaligen Meisterspieler Otto Tibulsky wurde dem eigens aus Brasilien angereisten Marcelo Bordon diese Ehre zu Teil. Der Brasilianer, der nach seinem Intermezzo in Katar seine Karriere beendete, nahm die Auszeichnung zu Tränen gerührt entgegen. «Ich bin schon groß, aber ich bin nur am Weinen. Ich habe zwar nur wenige Titel geholt, aber der beste Titel ist, einer von dieser Familie hier zu sein», sagte Bordon.

Kritik an der schon vor Wochen veröffentlichten Bilanz für das Geschäftsjahr 2010 gab es schon vorher. Trotz des Rekordumsatzes von 170 Millionen Euro (2009: 119) wies der Club nur einen Gewinn von 1,2 Millionen Euro aus. Die Vereinsverbindlichkeiten stiegen von 135 (2009) auf 155 Millionen Euro. Laut Finanzvorstand Peters kein Grund zur Sorge, weil die hohen Einnahmen durch die Champions League erst in das Geschäftsjahr 2011 fallen. Die Zahlungen seien erst kürzlich erfolgt. «Auf diesen Kontoauszug hat man gerne geschaut.» Peters versprach, dass die unter dem im März entlassenen Trainer-Manager Felix Magath von 63 auf auf 78 Millionen Euro gewachsenen Personalkosten wieder reduziert werden.

Trotz der prekären Finanzlage wird weiter kräftig investiert. Die alte Glückauf-Kampfbahn soll wieder in Schalker Besitz gehen, im Bereich des ehemaligen Parkstadions ein drittligataugliches Stadion mit Tribüne für rund 10.000 Zuschauer entstehen. Auch ein neues Nachwuchsleistungszentrum und ein riesiger neuer Fanshop sind geplant.

cvd/news.de/dpa

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • jiry53
  • Kommentar 1
  • 19.06.2011 23:13

Das mit der Presse ist klasse. Die wollten doch nur den Streit hochkochen. Irgendwann merken es auch die ärgsten Journalisten, dass die Leser nur begrenzt für blöd verkauft werden dürfen.

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