Tony Martin «Die Radsportfans werden verarscht»

Tony Martin ist die gro├če deutsche Hoffnung bei der Tour de France. Im Interview ├Ąu├čert sich der 26-J├Ąhrige zu seinen Ambitionen und kritisiert die Startberechtigung des unter Dopingverdacht stehenden Alberto Contador.

Schie├čt scharf gegen Dopings├╝nder Contador: Deutschlands Radsporthoffnung Tony Martin. Bild: dpa

Tony Martin, Alberto Contador darf bei der Tour starten, obwohl er sich ab August in einem Doping-Prozess vor dem Sportgerichtshof Cas verantworten muss. Bei einer Verurteilung w├╝rde er auch das m├Âgliche vierte Gelbe Trikot abgenommen bekommen. Was halten Sie von seiner Startberechtigung?

Martin: Ich habe keine Meinung dazu, ob er schuldig ist oder nicht. Das k├Ânnen ja nicht mal Experten sagen. Aber es ist ein schwaches Zeichen, dass vor der Tour kein Urteil gef├Ąllt wurde. Die Fans werden verarscht und es ist nicht gut f├╝r den Radsport. Da waren nicht die schlauesten Leute am Werk.

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Was haben Sie sich f├╝r Ihre dritte Tour vorgenommen?

Martin: Mein Ziel ist eine Top-Ten-Platzierung, ein Platz zwischen f├╝nf und zehn. Ich w├╝rde zum Beispiel einen neunten Platz im Gesamtklassement sportlich h├Âher bewerten als einen Etappensieg, obwohl das in den Medien vielleicht kein gro├čes Ding w├Ąre. Aber das Zeitfahren am vorletzten Tourtag in Grenoble ist nat├╝rlich auch ein Ziel von mir. Vielleicht klappt es da mit meinem ersten Etappensieg. Bei mir geht es immer step by step, ich will ja noch zehn Jahre fahren.

Tr├Ąumen Sie nicht vom ersten Gelben Trikot f├╝r einen deutschen Radprofi drei Jahre nach Stefan Schumacher?

Martin: Nat├╝rlich ist das Gelbe Trikot im Team ein Thema. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir es auf den ersten vier Etappen holen k├Ânnten, ist ziemlich gro├č. Vielleicht klappt's bei mir nach dem Mannschaftszeitfahren am zweiten Tag. Ich rechne mir aber auch Chancen in der ersten Etappe aus, die mit einer Steigung endet, die f├╝r die Sprinter zu hart sein d├╝rfte. Aber wenn Philippe Gilbert so stark f├Ąhrt wie im Fr├╝hjahr, wei├č ich nicht, ob ich da mitk├Ąme.

Wie ist die Zusammensetzung in ihren HTC-Highroad-Team f├╝r die Tour? Wie viele Helfer bekommen Sie, wie viele reine Sprinter fahren mit?

Martin: Die Teamleitung stellt die Mannschaft nach der Tour de Suisse zusammen. Die Sprinter stehen bei uns im Fokus und das ist gut so, weil es auch Druck von mir nimmt. Ich fahre nicht mit um den Toursieg, deshalb brauche ich nicht ein Team extra f├╝r mich. In den Bergen k├Ânnen mir sicher Peter Velits und Tejay van Garderen helfen.

An welchen Konkurrenten wollen Sie sich orientieren?

Martin: An der zweiten Reihe sozusagen, an Cadel Evans oder Bradley Wiggins. Contador und Andy Schleck spielen in einer anderen Liga. Ab der zweiten Tourwoche wird's richtig interessant. Da muss die Form stimmen. Deshalb gehe ich mit dem kleinen Risiko ins Rennen, dass ich am Start noch nicht mein Leistungshoch haben werde.

Im Mai gelangte ein Geheimpapier des Weltverbandes UCI mit einer Rangliste angeblich dopingverd├Ąchtiger Fahrer - von 0 Punkten (nicht verd├Ąchtig) bis 10 (h├Âchst verd├Ąchtig) - an die ├ľffentlichkeit. Sie erhielten sieben Punkte und lagen in Deutschland damit fast an der Spitze. Welche Erkl├Ąrung haben Sie daf├╝r?

Martin: Gro├čes Unverst├Ąndnis. Keiner konnte uns erkl├Ąren, welchen Kriterien diese Bewertungen zugrunde lagen. Nach zwei Tagen hatten ja auch die Medien ihr Interesse an dieser unseri├Âsen Geschichte verloren. Wir haben von unseren ├ärzten die Blutp├Ąsse extra r├╝ckwirkend checken lassen - ohne auff├Ąlliges Ergebnis. Contador bekam vier Punkte: Da fehlen mir die Worte. Die Ausreden der UCI h├Âren sich kl├Ąglich an. Wir hatten uns mit mehreren Fahrern abgesprochen und wollten klagen, der Imageschaden f├╝r Fahrer und Teams ist doch zum Teil enorm. Aber jeder Schritt in dieser Richtung h├Ątte das Thema wieder befl├╝gelt, deshalb haben wir es gelassen.

Sie sind hier in der Schweiz am Bodensee enger Nachbar von Andreas Kl├Âden und Jan Ullrich. Treffen Sie sich?

Martin: Mit Kl├Âden eher mal privat zum Essen. Jan Ullrich habe ich nach meinem Sieg bei Paris-Nizza im Training getroffen. Wir haben uns nett unterhalten und sind eine halbe Stunde zusammen gefahren. Da merkt man, dass er ein Talent ist.

hem/kru/news.de/dpa

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