Boxen Verlierer Zbik fühlt sich betrogen

Er wollte in Schmelings Fußstapfen treten und in den USA Weltmeister werden: Sebastian Zbik musste den Titel nur verteidigen, doch ihm kam Julio Cesar Chavez Jr. im Ring in die Quere. Nach Punkten unterlag der Deutsche - und findet das gar nicht ok.

Boxweltmeister Zbik verliert Titel knapp (Foto)
Mittelgewichtsboxer Sebastian Zbik konnte seinen Titel nicht verteidigen. Bild: dpa

Boxweltmeister Sebastian Zbik ist seinen Titel los und die Hamburger Universum Promotion nahezu k.o. Mit der knappen Punktniederlage des Schweriners am Samstagnacht (Ortszeit) in Los Angeles gegen den Mexikaner Julio Cesar Chavez Jr. ist bei Universum eine große Ära zu Ende gegangen: Zbik war der letzte Champion im einst größten Boxstall Europas. 

Die knappe Punktniederlage des 29 Jahre alten Mittelgewichtlers vor 6000 Zuschauern im Staples Center von Los Angeles, darunter einer riesigen Fan-Gemeinde aus dem 220 Kilometer entfernten Mexiko, war jedoch umstritten. Einmal unentschieden (114:114) und zweimal für Chavez (116:112, 115:113) werteten die Punktrichter. «Ich habe mehr geschlagen und mehr getroffen. Ich habe diesen Kampf gewonnen», protestierte der entthronte Champion nach seiner ersten Niederlage im 31. Profikampf. «In meinen Augen war es nicht knapp genug, um mich zu beklauen.»

Beobachter orakelten, hätte Zbik in seiner Heimat geboxt, wäre er als Sieger aus dem Ring geklettert. «Er hat den Kampf auf gar keinen Fall verloren», beteuerte Universums Geschäftsführer Dietmar Poszwa und legte sich fest: «Zu 99 Prozent auf der ganzen Welt, außer hier heute Abend, hätte Sebastian seinen Titel nicht verloren.» Im Profiboxen ist das Heimrecht meist die halbe Miete. «Wenn ich auf die Punkttabelle schaue: Sehr lustig! Die letzten drei Runden gingen alle an Julio. Ich habe aber keine Ahnung, warum», haderte Zbik, der als erster deutscher Boxer seit Max Schmeling vor 80 Jahren einen WM-Kampf in den USA gewinnen wollte.

Mit Zbik verliert der ganze Boxstall

Der Mecklenburger bestimmte die ersten Runden, drückte auf das Tempo und traf den in 45 Kämpfen unbesiegten Mexikaner mehrfach mit Kombinationen. In der zweiten Hälfte des Duells kam Chavez Jr. - Sohn des legendären Champions Chavez Sen., der den Weltrekord von 37 WM-Kämpfen hält - aber auf und brachte Zbik zweimal ins Wanken. «Er hat mich auch ein paar Mal gut getroffen, schwer getroffen. In der fünften Runde ist mein Trommelfell kaputtgegangen», gestand Zbik. 

Nachdem wenige Wochen zuvor Universum-Boxer Jürgen Brähmer der WBO-WM-Titel im Halbschwergewicht aberkannt worden war, weil er zum dritten Mal wegen Erkrankung oder Verletzung nicht antrat, steht der taumelnde Hamburger Boxstall nackt da. Vor einem Jahr kündigte der Fernsehsender ZDF die Zusammenarbeit auf und ließ so den Euro-Millionen-Quell versiegen. Zwar bemüht sich Universum um einen neuen TV-Partner; ohne Weltmeister aber, ohne Titelkämpfer im TV ist das nahezu aussichtslos.

Einst hatte Klaus-Peter Kohls Universum Weltmeister wie Dariusz Michalczewski, Wladimir und Vitali Klitschko, Regina Halmich, Felix Sturm, Ralf Rocchigiani oder Artur Grigorian hervorgebracht. Fest steht bereits: Am Monatsende schließt das traditionsreiche Gym an der Walddörferstraße in Hamburg.

beu/cvd/news.de/dpa

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • patriot 2
  • Kommentar 1
  • 06.06.2011 11:27

Der Betrug und vieles mehr lässt sich auch nicht vom Box-Sport fern halten.Um S.tut es mir Leid zumal er der bessere war.Ich wünsche ihm trotz dem alles gute im Leben.Vielleicht kann er wo anders unterkommen und seine Stärke weiter unter Beweis stellen. Da ich ihn pers. kenne wünsche ich im Glück und weiter kommen. Liebe Grüße aus Altentreptow.

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