Giro d'Italia Reizfigur Contador

Contador (Foto)
Alberto Contador fährt derzeit beim Giro d'Italia alles in Grund und Boden. Bild: dpa

Alberto Contador scheint im Moment nicht nur von seiner Leistung her unantastbar. Auch außerhalb des Wettkampfes ist der Spanier fast schon so clever wie einst Lance Armstrong. Aber nur noch seine Landsleute lieben den Dopingverdächtigten uneingeschränkt.

Sie spenden dem Spanier den frostigen Beifall, den sie seiner herausragenden sportlichen Performance nicht versagen können. Mit größerer Inbrunst pfeifen die Italiener Alberto Contador aber aus. Uneingeschränkt geliebt wird der zierliche Madrilene nur von seinen spanischen Fans. Zu Hunderten sind sie zum Giro d'Italia geeilt, um seinem Triumphzug beizuwohnen. Ohne außergewöhnliche Zwischenfälle ist ihm sein zweiter Sieg nach 2008 nicht mehr zu nehmen - die Contador-Konkurrenz fährt mindestens ein Level unter dem Berg- und Zeitfahr-Spezialisten.

Viel interessanter als die Frage, mit wie viel Minuten Vorsprung Contador in Mailand seine Gegner düpiert, ist die Frage nach dem Ausgang seines Doping-Prozesses. Eigentlich sollte sich zwischen dem 6. und 8. Juni vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas seine sportliche Zukunft entscheiden - neuerdings ist von einer Verschiebung in den September die Rede. Folgt die Kammer dem Richterspruch des spanischen Verbandes und spricht Contador frei, hat der Radsport den nächsten Skandal. Wird er schuldig gesprochen, drohen ihm zwei Jahre Sperre und die Aberkennung aller Erfolge seit seinem positiven Befund vom 21. Juli 2010. Also auch das frische Rosa Trikot wäre perdu.

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Contador hält den Profiradsport im Würgegriff. Der 28-Jährige prägt dank seiner herausragenden Physis und seiner neu gewonnenen Cleverness nicht nur den sportlichen Ablauf eines Rennens. Er ist auch außerhalb der Zeremonienmeister. Er spielt damit inzwischen bei allen großen Rundfahrten fast die Rolle, die Lance Armstrong nur bei der Tour de France ausübte. Ein Wink von König Alberto - und prompt erloschen Musik und fröhliche Gespräche. Der Radprofi wollte Gutes tun und auf dem Siegerpodest nach der 16. Etappe seines verunglückten Freundes und Trainingsgefährten Xavier Tondo gedenken.

Einen Gang mehr als die Konkurrenz

Das war zweifelsohne eine feine Geste. Doch wie Contador die Gedenkminute einleitete und wie brav alle folgten, signalisierte, wer bei dieser Veranstaltung der Taktgeber ist. Seine neue Position deutete sich bereits vor dem Giro-Beginn an. Während all die Profis, die in die Dopingermittlung der Staatsanwaltschaft Mantua verwickelt sind, vom Giro-Organisator RCS zum Verzicht gedrängt wurden, durfte der Spanier trotz seines anhängigen Verfahrens starten.

Diese Ungleichbehandlung löste Frust aus. Nur wenige trauten sich jedoch, ihre Verärgerung so öffentlich zu artikulieren wie der Schwede Thomas Lövkvist, der in der ersten Giro-Woche sagte: «Er dürfte gar nicht hier am Start sein.» Contador ist aber dabei und quält vor allem die Lokalmatadore. «Er verfügt über einen Gang mehr als wir», musste sein Hauptrivale Vincenzo Nibali entnervt zugeben. Nibali hat sich seinen Heimsieg längst abgeschminkt.

Leichtfüßig schüttelte Contador seine Konkurrenten auf den steilsten Rampen des Ätna und der Dolomiten ab, beim Bergzeitfahren demoralisierte er die Mitbewerber mit über 30 Sekunden Vorsprung. Als sei dies nicht Überlegenheit genug, pickt Contador aus dem Peloton auch noch einige Fahrer heraus, denen er Etappensiege gestattet. «Er braucht diese Koalitionen, denn dieser Giro ist außergewöhnlich hart», sagte Mauro Gianetti, sportlicher Leiter der bei diesem Kurs bislang nicht zurechtgekommenen Ex-Rundfahrtsieger Denis Mentschow und Carlos Sastre.

hem/news.de/dpa

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