DFB-Pokalfinale Mythos Berlin

«Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin»: Das Pokalfinale ist Kult bei allen Fußballfans zwischen Hamburg und München. Dass die Partie zwischen MSV Duisburg und Schalke 04 eher unattraktiv ist, ist dabei zweitrangig.

DFB-Pokal (Foto)
Das Objekt der Begierde: Der DFB-Pokal ist etwa 100.000 Euro wert. Bild: dpa

Duisburg gegen Schalke - der Achtplatzierte der 2. Liga gegen den Vierzehnten in der Bundesligatabelle. Die graueste aller Mäuse unter den Klubs im Ruhrgebiet gegen die taumelnden «Königsblauen» aus Gelsenkirchen, die die letzten sechs Spiele in Serie verloren haben (4:16 Tore). Man kann sich attraktivere Paarungen vorstellen.

Würden sich beide Teams an einem ganz normalen Liga-Spieltag gegenüber stehen, wäre die Aufmerksamkeit wohl eher durchschnittlich. Dieses Spiel riecht nicht nach einem berauschenden Fußballfest, sondern nach einer zähen Abwehrschlacht. Doch weil die Partie mit dem Gütesiegel Pokalfinale versehen ist, zieht das Spiel die Massen an. Für die aktuelle Finalauflage an diesem Samstag hätten allein die Schalker 300.000 Tickets verkaufen können.

DFB-Pokal: Wenn die Kleinen die Großen ärgern

Bis in alle Ewigkeit in Berlin

Das Pokal-Endspiel in Berlin ist längst zum Mythos geworden. Welche Teams sich im Cup-Finale duellieren, ist im Grunde zweitrangig. Die Fußballfans zwischen Hamburg und München pilgern zu dem Match in der Hauptstadt wie Menschen muslimischen Glaubens nach Mekka. Dabei wurde der Pokal noch vor einigen Jahren durch die Abschaffung des Europapokalsiegerwettbewerbs abgewertet. Mittlerweile jedoch hat sich das Event zur größten Pop-Veranstaltung des deutschen Fußballs entwickelt. Und der Standort Berlin spielt dabei eine immens wichtige Rolle.

Berlin und das nationale Cup-Endspiel - das ist nun schon seit 26 Jahren eine gemeinsame Marke. In die ersten Verträge hatte sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) noch eine Bürgschaft des Senats schreiben lassen, falls das Olympiastadion nicht voll werden sollte. «Die kam aber nie zur Anwendung», erinnert sich Wolfgang Niersbach, Generalsekretär des DFB. Seit 1989 ist das «deutsche Wembley» stetig ausverkauft. Zwar läuft der offizielle Vertrag über die Ausrichtung des DFB-Pokalfinals zwischen dem Deutschen Fußball-Bund und der Stadt Berlin erst einmal nur bis 2015. Doch Niersbach hat die Liebeserklärung an die Hauptstadt schon formuliert: «Im Prinzip wollen wir bis zur Ewigkeit in der Stadt bleiben.»

Bundesliga-Bilanz: Die Kleinen fressen die Großen
Video: news.de

«Der Pokal ist ein echter Berliner», sagt auch Paul Breitner, mit dem FC Bayern 1971 und 1982 Pokal-Triumphator. «Die Endspiele zählen zu meinen größten Erlebnissen», erzählt der Weltmeister von 1974. Trotz der rasanten Entwicklung des Fußballs zum Milliardengeschäft war das damals offenbar nicht anders als heute.

Das Pokalfinale ist so populär wie nirgends sonst auf der Welt

Schalkes Superstar Raúl sagt über den Pokal in Deutschland: «Die Bedeutung hier ist eine andere. In Spanien, besonders bei Real Madrid, sind Meisterschaft und Champions League viel wichtiger.» In Deutschland macht es offenbar die Mischung: Außenseiter ärgern die Großen - siehe Duisburg. Dazu kommen Top-Duelle wie Bayern kontra Schalke im jüngsten Halbfinale (0:1), das im TV fast elf Millionen Zuschauer sahen. «Unser Pokal ist so populär wie kein anderer Pokalwettbewerb in der Welt», sagt Niersbach über den seit 1935 ausgetragenen Wettbewerb.

Die Zahlen untermauern das: 1,1 Millionen Fans kamen in der laufenden Pokalserie in die Stadien, 240 Tore wurden in den bisherigen 62 Spielen erzielt, das ist ein Schnitt von 3,87. Dazu verteilt der DFB 60 Millionen Euro Prämien. Und der Endspielort Berlin ist für die Fans Kult. Friedlich treffen sich die Fußball-Anhänger des ganzen Landes, um ihre Sportart gemeinsam zu zelebrieren. «Die besondere Atmosphäre im Olympiastadion ist beim Pokalfinale nochmals ganz besonders», sagt auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit. Und so wird selbst die Partie zwischen Duisburg und Schalke zum Fußballfest.

kru/kra/news.de/dpa

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