Wettskandal Sapina zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt

Fünfeinhalb Jahre Haft für Sapina (Foto)
Der Hauptangeklagte Ante Sapina muss für fünfeinhalb Jahre in den Knast. Bild: dapd

Es war der größte Fußball-Wettskandal in der Geschichte Europas. Nun ist das Urteil gesprochen: Der Hauptangeklagte Ante Sapina muss für fünf Jahre und sechs Monate in Haft. Das Landgericht Bochum verurteilte ihn wegen gewerbsmäßigen Betrugs.

Doch der 35-Jährige muss nicht allein hinter Gitter: Der ebenfalls Hauptangeklagte Marijo C. erhielt ebenso fünf Jahre und sechs Monate. Dragan M. aus Slowenien wurde zu einem Jahr und sechs Monaten verurteilt.

In der Urteilsbegründung bescheinigte Richter Wolfgang Mittrup den beiden Haupttätern eine «erhebliche kriminelle Energie». Aus reinen finanziellen Interessen hätten die Männer «völlig skrupellos» Spiele manipuliert und dadurch den Zuschauern einen falschen Spielablauf «vorgegaukelt». Sapina und C. seien allerdings keine international agierenden Wettpaten, sondern «ganz gewöhnliche Betrüger» gewesen, sagte Mittrup. Bei der Feststellung des Strafmaßes sei berücksichtigt worden, dass alle drei Angeklagten umfassende Geständnisse abgelegt hatten.

Ante S. wurde wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 22 Fällen, davon drei Versuche, verurteilt. Bei C. erkannten die Richter 26 Fälle als Betrug an, davon fünf Versuche. Beide verursachten jeweils einen Schaden von zwei Millionen Euro.

Staatsanwalt Andreas Bachmann hatte für Sapina eine siebenjährige Haftstrafe gefordert. Marijo C. sollte nach seinem Willen für sechs Jahre und neun Monate ins Gefängnis. «Sie haben bewusst Wettbewerbsverzerrungen in Kauf genommen», sagte Bachmann zur Begründung. Zudem seien sie als «Feinde des Sports» aufgetreten und hätten wirtschaftliche Schäden für die von manipulierten Spielen betroffenen Vereine in Kauf genommen.

Die Verteidigung von Ante Sapina widersprach dem Vorwurf, ihr Mandant habe dem Sport geschadet. Schon in der Vergangenheit habe es Manipulationen gegeben, wodurch «der Sportbetrieb keine Jungfrau» gewesen sei, sagte Rechtsanwalt Stefan Conen: «Es ist nicht so, dass schmutzige Herren in einen sauberen Teich gesprungen sind.»

Angeklagte entschuldigen sich

Ante Sapina bedauerte in einer kurzen Stellungnahme die von ihm begangenen Taten. «Ich kann nur hoffen, eine letzte Chance zu bekommen», sagte der 35-Jährige. Auch Marijo C. entschuldigte sich und bat um eine zweite Chance. Seine Verteidigung hatte zuvor ein deutlich geringes Strafmaß gefordert als die Staatsanwaltschaft.

Das Verfahren gegen Sapina und seine mutmaßlichen Komplizen hatte am 21. März begonnen. Im Winter 2008 waren die Ermittlungen im bislang größten europäischen Fußball-Wettskandal aufgenommen worden. Durch abgehörte Telefongespräche führte die Spur schnell zu Sapina und Marijo C.

Im November 2009 wurden die beiden festgenommen. Zunächst war von fast 50 manipulierten Spielen die Rede. Im Laufe des Prozesses wurden die Vorwürfe in mehreren Fällen aber eingestellt. Während Marijo C. und Dragan M. bis zum Ende des Prozesses in Untersuchungshaft saßen, wurde Sapina gegen Zahlung einer Kaution Mitte April entlassen.

Schon vor Jahren hatte Sapina im ersten großen Wettskandal in Deutschland für Schlagzeilen gesorgt. Zusammen mit seinem Bruder Milan war er 2005 in den Fußball-Wettskandal um den Schiedsrichter Robert Hoyzer involviert. Die beiden Kroaten hatten mehrere Spieler und Schiedsrichter, so auch Hoyzer, bestochen, damit diese Spiele zu ihren Gunsten manipulieren. Sapina wurde damals zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und elf Monaten verurteilt und zahlte der Deutschen Kassenlotterie 1,8 Millionen Euro Schadensersatz.

cvd/news.de/dapd

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