Michael Vesper «Wir haben Wintersport in den Genen»

Es l├Ąuft auf ein Duell mit Pyeongchang hinaus. DOSB-Generaldirektor Michael Vesper spricht mit news.de ├╝ber die starke Seite der M├╝nchner Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018 und erkl├Ąrt, weshalb Olympia nicht mit einer Fu├čball-WM zu vergleichen ist.

«Die Alpenregion ist das Mutterland des Wintersports»: Michael Vesper, Aufsichtsratschef der M├╝nchner Bewerbung. Bild: imago

Herr Vesper, IOC-Vize und DOSB-Pr├Ąsident Thomas Bach fordert, das IOC m├╝sse sich die Frage stellen, ob «man mit den Olympischen Spielen immer wieder neue Gebiete erschlie├čen oder sich von Zeit zu Zeit auch um die Wurzeln k├╝mmern will». Inwieweit wird diese Frage bei der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2018 entscheidend sein?

Michael Vesper: Wie England das Mutterland des Fu├čballs ist, ist sicher die Alpenregion das Mutterland des Wintersports, zumindest des alpinen. Wir haben in Deutschland den Wintersport in unseren Genen. Wir erreichen mit Biathlon, Skispringen, Bob und Rodeln oder Ski Alpin teilweise astronomische Zuschauerzahlen. So haben w├Ąhrend der Olympischen Spiele in Vancouver zehn Millionen Fernsehzuschauer beim Biathlon zugeschaut. Wo sonst gibt es solche Quoten?

FOTOS: Olympia 2018 M├╝nchens Weg zu Winterspielen

Wenn man die Aussage Bachs zuspitzt, l├Ąuft die Entscheidung dann auf einen Vergleich zwischen Markt und Sport hinaus?

Vesper: Es handelt sich in der Tat um eine Grundsatzentscheidung zwischen zwei Konzepten, die beide ihre Berechtigung haben. Die Frage ist nur, wann. Man muss den zeitlichen Verlauf sehen. Das IOC hat die Spiele 2008 nach Peking vergeben, 2012 nach London und 2016 nach Rio de Janeiro; die Winterspiele waren 2010 in Vancouver und finden 2014 in Sotschi statt - auch ein neuer Standort f├╝r den Wintersport. Das IOC muss sich fragen, und fragt sich sicher auch, in welche Richtung soll es 2018 gehen? Wir sind ein traditionelles Wintersportland von dem bekannt ist, dass der Wintersport in all seinen Facetten auf das Interesse der Bev├Âlkerung st├Â├čt.

VIDEO: Pl├Ądoyer f├╝r den Sport
Video: hem/news.de/Unitec

Wenn man sich die Vergabe der Fu├čball-Weltmeisterschaft nach Russland und Katar anschaut, sieht man, dass die Fifa ├Ąhnliche Ziele verfolgt. Sie will neue M├Ąrkte erschlie├čen. Gibt es vielleicht sogar einen Wettlauf zwischen Fifa und IOC?

Vesper: Das k├Ânnen Sie nicht vergleichen. Eine Fu├čball-Weltmeisterschaft geh├Ârt unbestritten zu den gr├Â├čten Sportereignissen der Welt, aber daf├╝r brauchen Sie zirka zehn bis zw├Âlf Stadien. ├ťber einen Zeitraum von vier Wochen werden insgesamt 64 Spiele ausgetragen. Bei Olympischen Winterspielen haben wir knapp 90 Wettbewerbe, die in einem Zeitraum von 16 Tagen stattzufinden haben. Bei Sommerspielen sind es sogar ├╝ber 300 Entscheidungen. Das ist eine ganz andere Herausforderung als ein Einzelsportereignis.

Warum ist S├╝dkorea, das sich mit Pyeongchang ebenfalls bewirbt, ein wichtigerer Markt als Deutschland?

Vesper: Wir reden nicht ├╝ber unsere Mitbewerber.

Pyeongchang setzt ebenfalls auf zwei Parks und einen Einzelstandort. Als beste Winterspiele gelten aber jene, die die norwegische Kleinstadt Lillehammer 1994 ausrichtete. Dort fanden alle Wettk├Ąmpfe innerhalb eines 60 Kilometer-Radius' statt. Wenn Deutschland auf Tradition setzt, warum nicht auf auch diese? Norwegen ist doch ebenfalls eine Wiege des Wintersports.

Vesper: Olympische Winterspiele lassen sich sicher nicht mehr so durchf├╝hren, wie das noch in Lillehammer der Fall war. Sie brauchen einerseits Urbanit├Ąt und die st├Ądtische Infrastruktur eines Flughafens und andererseits auch die Berge. Wir glauben, dass daf├╝r mit M├╝nchen und Garmisch-Partenkirchen eine geradezu ideale Verbindung geschaffen worden ist.


Der ehemalige Gr├╝nen-Politiker Michael Vesper (58) war zwischen 1995 und 2005 zehn Jahre Minister in Nordrhein-Westfalen. 2006 trat er das Amt des Generaldirektors beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) an und war bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking Chef de Mission der deutschen Olympiamannschaft. Er ist Aufsichtsratschef der M├╝nchener Bewerbungsgesellschaft.

kru/news.de

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • RMFCGN
  • Kommentar 1
  • 04.07.2011 10:33

Michael Vesper war stv. MP hier in NRW. Als GD d. DOSB sollte er sich auch d. Baustellen im dt. Sports annehmen, wie sex. Mi├čbrauch i. allg. Sport, Homophobie im Fu├čballsp. u. damit verb. bekannte Schirikompetenz-Probleme. "Hinschauen u. nicht weggucken" war sein Resumee i. SPIEGEL-Interview letztes Jahr aus akt. gg. Anla├č. Die dt. Sportuni DSHS K. h├Ątte die wiss. omnipotente Kompetenz, den Sport aus diesem p├Ądagog., psycholog. u. soziolog. Sumpf von vermeintl. Odenwaldschulref. herauszuholen, indem klare Vorgaben f. P├Ądagogen jg. Sportler i. Schule, Verein, Freizt.u. Jgd.-Olymp. gegeben w├╝.

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