Giro d'Italia Radsport unter Schock

Belgischer Radprofi beim Giro tödlich verunglückt (Foto)
Der Belgier Wouter Weylandt ist auf der dritten Etappe des Giro d´Italia verunglückt. Bild: dpa

Von Jens Marx und Robert Semmler
Er wurde nur 26 Jahre alt: Der Radprofi Wouter Weylandt galt als Sprinttalent. Bei einer Abfahrt auf der dritten Etappe des Giro d'Italia kam er ums Leben. Die Nachricht von seinem tödlichen Sturz traf die Szene tief. Das Rennen soll aber weitergehen.

Der Radsport steht nach dem Tod des belgischen Sprinters Wouter Weylandt unter Schock. Der 26-Jährige starb am Montag beim Giro d'Italia nach einem schrecklichen Sturz während der dritten Etappe an seinen schweren Kopfverletzungen. Trotz 40-minütiger Wiederbelebungsversuche noch an der Unfallstelle 24 Kilometer vor dem Zielort Rapallo kam für den Teamkollegen von Fabian Wegmann jede Hilfe zu spät.

«Er hatte einen Schädelbasisbruch und schwere Gesichtsverletzungen», sagte Rennarzt Giovani Tredici. Seinen Angaben zufolge streifte Weylandt mit der linken Pedale eine Mauer, verlor dann das Gleichgewicht und stürzte auf das Gesicht. Weylandt ist der vierte Tote in der Geschichte der Italien-Rundfahrt und der erste seit 25 Jahren. 2010 hatte er die dritte Etappe des Giro im niederländischen Middelburg noch gewonnen.

40 Minuten Reanimation - vergeblich

«Wouter Weylandt war schon bewusstlos, als wir eintrafen. Wir haben 40 Minuten lang versucht, ihn zu reanimieren. Aber es war nichts mehr zu machen», berichtete der Rennarzt. Nach den vergeblichen Versuchen informierte das Luxemburger Team Leopard Trek Weylandts Frau von dem tödlichen Unfall. Sie erwartet im September das erste gemeinsame Kind und sollte noch am Montagabend in Italien eintreffen. «Die Familie von Wouter Weylandt ist nicht in der Lage, etwas zu sagen», teilte sein Manager Jef Van den Bosch mit.

Das Rennen werde am Dienstag fortgesetzt, erklärte Giro-Chef Angelo Zomegnan am Montagabend auf einer Pressekonferenz. Er überlasse es jedoch den Fahrern, wie sie die vierte Etappe gestalten und werde jede Entscheidung respektieren, sagte Zomegnan. Damit könnte es auf den 216 Kilometern von Quarto dei Mille nach Livorno eine Gedenkfahrt im Bummeltempo und ohne Zielsprint geben.

Die Kollegen erfuhren erst nach dem Teilstück über 173 Kilometer von dem Unglück. «Ich kann nichts sagen», meinte Team-Mitstreiter Davide Vigano. Auch der siebenmalige Tour-de-France-Gewinner Lance Armstrong war fassungslos. «Ich bin geschockt und traurig», twitterte der Amerikaner. Er sei gerade vom Laufen zurückgekommen, als er von Weylandts Tod erfahren habe. «Möge er in Frieden ruhen.»

Bestürzung und Trauer

Der Präsident des Welt-Radverbandes UCI, Pat McQuaid, sprach den Angehörigen, dem Team und allen Freunden Weylandts «im Namen der gesamten Radsport-Familie» sein Mitgefühl aus. Aber auch den Kollegen beim Giro, die ihre Trauer überwinden und das Rennen fortsetzen müssten, wie der Ire betonte. Weylandts Stallkollegen ließen zunächst offen, ob sie weiterfahren werden. Dies wollte die Teamleitung den Fahrern freistellen.

«Das Team befindet sich in einem Zustand von Schock und Trauer. Wir sind mit unseren Gedanken und dem tiefsten Beileid bei der Familie und den Freunden von Wouter», schrieb der Rennstall auf seiner Homepage. «Das ist ein schwerer Tag für den Radsport und für unser Team, und wir sollten alle Halt und Unterstützung bei den Menschen suchen, die uns nahe stehen.» Der britische Rennfahrerkollege und Sprint-Rivale Mark Cavendish twitterte: «Meine Gedanken sind bei seiner Familie.»

Den Rettungskräften und Fernsehzuschauern boten sich schreckliche Bilder. Einen Tag nach seinem neunten Rang bei der längsten Etappe des diesjährigen Giros lag Weylandt regungslos auf dem Asphalt. Er blutete stark im Gesicht, nachdem er auf der Abfahrt des Passo del Bocco offenbar weit durch die Luft geschleudert worden war. Noch am Montagabend eröffnete der Stellvertretende Staatsanwalt von Chiavari, Francesco Brancaccio, ein Ermittlungsverfahren zur Klärung des Unfallhergangs. Er ordnete auch die Autopsie des Leichnams im Krankenhaus von Lavagna an.

Letzter Todesfall war 1986

Den bislang letzten Todesfall hatte der Giro 1986 zu beklagen. Damals war Emilio Ravasio ums Leben gekommen. 2005 brach der Italiener Alessio Galletti bei der Asturien-Rundfahrt tot zusammen. 2003 führte der tödliche Sturz des Kasachen Andrej Kiwiljow bei der Fernfahrt Paris-Nizza zur Einführung der Helmpflicht. 1995 starb der italienische Olympiasieger Fabio Casartelli ebenfalls ohne Kopfschutz nach einem Sturz während der Tour de France in den Alpen.

Die Ehrung am Montag für Etappensieger Angel Vicioso aus Spanien und den neuen Träger des Rosa Trikots, David Millar aus Schottland, wurde abgesagt. Für Weylandt, früher Helfer von Ex-Weltmeister Tom Boonen, war der Giro-Tagessieg vor einem Jahr neben dem Gewinn einer Vuelta-Etappe 2008 der größte Erfolg.

kru/beu/news.de/dpa

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