Mario Gomez Der beste Bayernstürmer seit 30 Jahren

Alle 87 Minuten macht es bumm: Mario Gomez hat die Torjägerkrone mit 27 Treffern sicher und wandelt auf Gerd Müllers Spuren. Nur zwei Bayernstürmer waren je besser. Sein Berater Uli Ferber erklärt das Phänomen Mario Gomez und erteilt allen Interessenten eine Absage.

Mario Gomez (Foto)
Mario Gomez hat seit dem 8. Spieltag wieder ein Lächeln im Gesicht. Bild: imago

Es war der 8. Bundesliga-Spieltag, an dem die Nerven der Bayern-Bosse blank lagen. Gerade hatte man sich gegen den Spitzenreiter aus Mainz und den Tabellenzweiten aus Dortmund blamiert und war in der Tabelle auf Platz zwölf abgerutscht. So schlecht stand der große FC Bayern München zu diesem Zeitpunkt seit der Saison 1974/75 nicht mehr da. Ein Jahr ohne internationales Geschäft? Für den deutschen Rekordmeister undenkbar und einer Total-Katastrophe gleichend. Nun wurde mit Hannover 96 auch noch der Tabellendritte in der Allianz Arena erwartet.

So kam es, dass der damalige Bayern-Trainer Louis van Gaal an diesem 16. Oktober 2010 erneut zu Experimenten gezwungen war und anstelle von Miroslav Klose zum zweiten Mal in Folge Mario Gomez von Beginn an stürmen ließ. Nach 90 Minuten stand auf der Anzeigetafel ein deutliches 3:0 und dreimal der Name: Mario Gomez. Es waren die ersten drei Saisontore des gebürtigen Schwaben und gleichzeitig sein erster Dreierpack für die Münchner.

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Gomez vor der Saison beinahe nach Liverpool

Seit mehr als einem Jahr stand Gomez zu diesem Zeitpunkt bereits beim FC Bayern unter Vertrag. Doch der 30-Millionen-Euro-Mann aus dem Schwabenländle fasste bis dahin nie richtig Fuß, wurde bereits als Fehleinkauf abgestempelt und wäre nach einem Jahr beinahe beim FC Liverpool in der englischen Premier League gelandet. «Vor der Saison hat sich Liverpool sehr um Mario Gomez bemüht. Aber Bayern München hat damals entschieden, ihn nicht abzugeben. Das hat sich als richtige Entscheidung erwiesen», sagt sein Berater Uli Ferber zu news.de.

Mittlerweile liegt das Schlüsselspiel gegen Hannover fünf Monate und 24 Tage zurück. Genau solange hat Mario Gomez nun das, was man in der Fußballersprache einen Lauf nennt. Und so begann sich nicht nur für den Stürmer sondern auch für den FC Bayern alles zum Guten zu wenden - sofern man bei einer Saison ohne Titel beim Rekordmeister von gut sprechen kann. Die Münchner waren anschließend jedenfalls nicht mehr in den unteren Tabellenregionen zu finden und kletterten, zwar in einer Art Schlingerkurs aber doch kontinuierlich, nach oben. Und daran hatte Gomez von allen Spielern den größten Anteil.

Berater: «Wir beschäftigen uns nicht mit Anfragen»

Der Bayern-Stürmer verpasste seit dem Hannover-Spiel nur eine einzige Partie und ließ 24 Treffer folgen. Darunter waren erneut vier Dreierpacks, zuletzt beim 8:1-Sieg über den FC St. Pauli. Mit insgesamt 27 Saisontoren hat Gomez nun seinen eigenen Saisonrekord eingestellt (bislang 24 Tore in der Saison 2008/2009 für den VfB Stuttgart) und die Torjägerkrone so gut wie sicher. Vor dem 34. Spieltag hat der 25-Jährige fünfmal öfter getroffen als sein härtester Verfolger Papiss Demba Cissé vom SC Freiburg.

«Mario war bei Bayern München zu Beginn in einer schwierigen Situation. Aber er hat seine Qualitäten in dieser Saison famos unter Beweis gestellt und gezeigt, dass er derzeit der beste Stürmer der Bundesliga ist», sagt Ferber zu news.de. Das ist auch den Topklubs in Europa nicht verborgen geblieben. So will Liverpool laut Medienberichten einen erneuten Vorstoß wagen. «Es gibt natürlich immer wieder Anfragen. Aber damit beschäftigen wir uns nicht. Auch eine Vertragsverlängerung steht derzeit nicht zur Debatte. Denn Mario hat in München noch zwei Jahre Vertrag», stellt sein Berater klar.

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Nur Müller und Rummenigge waren besser

Ganz nebenbei avancierte Gomez auch noch zum besten Bayernstürmer seit 30 Jahren und wandelt auf den Spuren von Gerd Müller. Nur Bayerns Jahrhundertstürmer und Karl-Heinz Rummenigge erzielten in einer Spielzeit mehr Tore für den Rekordmeister. Müllers 40-Tore-Rekord stammt aus der Saison 1971/72, Rummenigges Bestmarke (29) aus der Saison 1980/81. Mit einem Doppelpack gegen seinen bereits vor dem Abstieg geretteten Ex-Klub aus Stuttgart könnte Gomez am Samstag mit dem Vorstandschef gleichziehen, mit einem Treffer mehr sogar einen Rekord von Müller angreifen. Der «Bomber der Nation» hatte in der besagten Saison 1971/72 sechsmal drei Tore in einem Spiel erzielt.

An Müllers Quote von damals kommt Gomez zwar nicht ganz heran. Gemessen an seiner Einsatzzeit ist diese aber herausragend. Der Bayernstürmer machte 26 Spiele von Beginn an und stand insgesamt 2358 Minuten auf dem Feld. Damit traf Gomez in dieser Saison im Schnitt häufiger als einmal pro Spiel - nämlich alle 87 Minuten und 20 Sekunden. Pro Tor brauchte er nicht einmal drei Versuche (2,81, insgesamt 76 Torschüsse). Auch von der Vielseitigkeit hat er allen Stürmerkollegen in der Bundesliga einiges voraus. Gomez trifft mit rechts (12), mit links (9) und mit dem Kopf (6).

«Mario muss wissen, dass er gebraucht wird»

All diese Zahlen beweisen, dass Gomez in dieser Saison der beste und kompletteste Stürmer der Bundesliga ist. Die schwierige Phase davor, in der Gomez auf dem Platz oft auf verlorenem Posten stand oder auf der Bank schmorte, zeigen aber eben auch, wie wichtig die Psyche und das Vertrauen des Trainers für ihn sind. Diese Einschätzung teilt sein Berater Ferber: «Mario ist ein geradliniger, ehrlicher Typ. Das Selbstbewusstsein spielt bei ihm eine große Rolle. Er muss wissen, dass er gebraucht wird.»

Man kann für den Torjäger, die Bayern und auch die Nationalmannschaft eigentlich nur hoffen, dass seine Entwicklung in der kommenden Saison unter dem neuen Trainer Jupp Heynckes so weitergeht. Denn Mario Gomez hat eben auch schon andere Zeiten als die letzten fünf Monate und 24 Tage erlebt.

 

 

 

kru/reu/iwi/news.de

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • popp
  • Kommentar 2
  • 13.05.2011 20:10

der wahre held von münchen ist t.müller mit seinen toren und vorlagen.ich möchte dem menschen mario gomez wirklich nicht zu nahe treten und gratuliere zu diesem erfolg bei den bayern. ich frage mich nur, wie viel tore würde ein beweglicher,geschickter und talentierter spieler in solch einem team erzielen. und niemand hat anscheinend die vielen scenen gesehen in denen er durch seinen puren egoismus tore verhindert und punkte gekostet hat. ich rate mario dringend zu einem koordinationstraining. und das von ihm so gut wie keine torvorlagen kommen sagt auch einiges über sein teamverhalten aus.

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  • Pietro27
  • Kommentar 1
  • 10.05.2011 12:14

Naja, Hauptsache der Klose spielt in der Nationalmannschaft...

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