Deutscher Meister 2011 Das Meisterstück der jungen Wilden

Borussia Dortmund (Foto)
Dortmunder Jubel-Knäuel: So unbeschwert werden die BVB-Spieler nie mehr jubeln. Bild: dapd

Ullrich KroemerVon news.de-Redakteur
Mit Jugend, Esprit und Gier zum Meistertitel: Der Sportjournalist und BVB-Experte Felix Meininghaus spricht mit news.de über Fußball-Romantik, Schlüsselmomente dieser Saison und die Zukunft des jungen Meister-Ensembles von Borussia Dortmund.

Herr Meininghaus, Sie begleiten den BVB zunächst als Fan, später als Berichterstatter bereits seit 35 Jahren. Haben Sie jemals mehr Sympathie für eine Dortmunder Mannschaft empfunden als für das aktuelle Meisterteam?

Felix Meininghaus: Ganz klar: nein. Es gab in der Vergangenheit fantastische Erfolge, die Krönung war der Champions-League-Sieg 1997. Das 3:1 von Lars Ricken im Endspiel war einer der ganz großen deutschen Fußball-Momente, so etwas wird es auch nicht wieder geben. Aber damals war sehr viel Geld im Spiel - zu viel Geld, wie sich später herausstellte. Die aktuelle Mannschaft ist ein Gegenentwurf zu dem Team von damals. Sie ist etwas ganz Besonderes nicht nur in der Geschichte von Borussia Dortmund, sondern in der Geschichte des deutschen Fußballs überhaupt.

Borussia Dortmund
Meilensteine auf dem Weg zum Titel
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Sportdirektor Michael Zorc sagt, der Titel 2011 sei der größte Erfolg der Vereinsgeschichte.

Meininghaus: Borussia Dortmund hat in seiner langen Tradition viele historische Erfolge gefeiert: die ersten beiden Meisterschaften 1956 und ’57, den ersten Europapokal-Erfolg einer deutschen Mannschaft 1966 oder den ersten Champions-League-Sieg. Aber die aktuelle Mannschaft, die jüngste die je Deutscher Meister wurde, nimmt in den Herzen der Menschen einen ganz besonderen Platz ein.

Was hat Ihnen an der Mannschaft am meisten imponiert?

Meininghaus: Mir imponiert die Jugend und alles was damit zusammenhängt: diese Leidenschaft, dieser Elan, dieser Esprit. Jürgen Klopp nennt das die Gier, diese Lust am Fußballspielen. Das sind alles Spieler, die in ihrer Karriere noch nichts gewonnen haben, die wollen unbedingt den Erfolg. Da kommt unglaublich viel Ausstrahlung und Charisma rüber. Das wird es in dieser Form nicht mehr geben. Selbst wenn diese Mannschaft in der kommenden Saison den Titel verteidigen und in der Champions League für Furore sorgen wird - das, was wir in dieser Saison gesehen haben, ist unwiederbringlich. Weil es die Spieler zum ersten Mal geschafft haben, weil sie so jung sind und so viel Ausstrahlung haben.

Sie haben bereits mehrfach das Epochale dieses Titelgewinnes angesprochen. Kann man den Triumph mit irgendetwas in der Bundesliga-Historie vergleichen?

Meininghaus: Von der Tragweite her kann man diese Dortmunder Mannschaft durchaus mit der legendären Elf aus Mönchengladbach vergleichen. Das waren damals auch alles ganz junge Leute aus der Region: Heynckes, Wimmer, Netzer, Vogts, Kleff und wie sie alle heißen. Dieses «Fohlen»-mäßige haben die Sahins, Schmelzers und Götzes auch.

Wurde inzwischen eigentlich schon ein Begriff für dieses BVB-Team geprägt - so wie damals die «Fohlen»?

Meininghaus: Ich habe sie immer die Himmelsstürmer genannt. Aber das ist mittlerweile schon etwas ausgelutscht. Man müsste noch etwas kreieren.

Bundesliga
Dortmund feiert den Titel
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Wir sind gespannt! Wenn man einmal zum Saisonstart zurückblickt, haben wohl nur Fußball-Romantiker geglaubt, dass im heutigen Fußball-Geschäft so junge und regional gefärbte Teams noch Deutscher Meister werden können.

Meininghaus: Die Fußball-Romantiker versetzt dieses längst ausgestorben geglaubte «Elf-Freunde-müsst-ihr-sein» in Verzückung. Die Mannschaft versteht sich untereinander menschlich unheimlich gut, das macht sie zusätzlich stark. Genauso trifft das übrigens auf die Führungsebene mit dem Trio Watzke, Zorc (Geschäftsführer und Sportdirektor des BVB, Anm. d. Red.) und Klopp zu, die sich unglaublich gut verstehen und die sich Freunde nennen.

Freundschaft, Ehrgeiz und Eifer haben gegen die Erfahrung gesiegt?

Bundesliga
Kloppos Ausraster
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Meininghaus: Das alte Fußball-Gesetz, wonach Routine alles ist, wurde außer Kraft gesetzt. Was die deutsche Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2010 mit Müller und Özil angedeutet hat, hat Klopp vom ersten Tag an in Dortmund radikal durchgezogen - sehr mutig! Nun gibt ihm der Erfolg Recht.

Seite 2: «Diese Mannschaft kann eine Ära prägen»

Kumpelhaft, knallhart, durchgeknallt, ehrgeizig: Jürgen Klopp hat als Typ unheimlich viele Facetten zu bieten.

Meininghaus: Er ist einfach authentisch. Alles was Klopp fordert, lebt er selbst vor. Dadurch ist er total glaubwürdig und erreicht seine Spieler maximal. Die hören auf ihn, sie glauben ihm und spielen deswegen ein Spiel wie das nächste. Die Mannschaft steht jetzt allerdings vor einem Balanceakt: Sie muss weiter reifen, zielstrebiger werden und die Chancenauswertung verbessern, ohne jedoch die jugendliche Frische und den Elan zu verlieren.

Gab es ein Schlüsselerlebnis, bei dem Sie geglaubt haben, dass der BVB tatsächlich Deutscher Meister werden kann?

Meininghaus: Das war ganz klar das erste Rückrundenspiel gegen Leverkusen. Da habe ich mich gefragt: Schafft es die Mannschaft, ihren Elan mit in die Rückrunde zu nehmen und genauso wie in der ersten Halbserie zu spielen? Nach 45 Minuten, es stand noch 0:0, habe ich gewusst, dass die Mannschaft Deutscher Meister wird, selbst wenn sie dieses Spiel verloren hätte. Das zweite Schlüsselerlebnis war das Spiel in München. Da habe ich mich gefragt: Hat diese Mannschaft den Mut, ihren Hurra-Stil auch in der Allianz-Arena durchzuziehen? Das haben sie gemacht - eine starke Leistung. Spätestens da wusste jeder in Deutschland: Diese Mannschaft ist nicht zu stoppen.

Glauben Sie, dass die Mannschaft das Zeug hat, eine Ära zu prägen oder ist das zu romantisch gedacht?

Meininghaus: Die Saison hat ja gezeigt, dass Fußball-Romantik noch funktionieren kann. Man kann es dieser Mannschaft nur wünschen, dass sie zusammenbleibt. Doch die Begehrlichkeiten sind jetzt natürlich riesig: Nuri Sahin wird bereits stark umworben, Mario Götze genauso, weil er begnadet ist. Gleiches gilt für Lucas Barrios oder Marcel Schmelzer. Diese Mannschaft ist so jung, dass sie tatsächlich eine Ära prägen kann. Da das nicht im Sinne des FC Bayern München ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass Uli Hoeneß sich das tatenlos mit ansieht.

Es heißt, dass sich die Spieler gegenseitig versprochen haben, als Team zusammenzubleiben. Auch so ein Relikt aus eigentlich längst vergangenen Tagen.

Meininghaus: Mats Hummels hat mir das bestätigt. Aber ich weiß nicht, ob das tatsächlich über Jahre hinweg trägt. Als Freund des Fußballs kann man das nur hoffen. Dazu kommt noch die Schlüsselposition des Trainers. Jürgen Klopp, der ja der Vater dieses Erfolgs ist, wird auch in Zukunft ein interessanter Mann für den DFBDeutscher Fußballbund und für Bayern München sein.

Die Menschen im Ruhrgebiet genießen jetzt diesen Erfolg – zumindest im schwarz-gelben Teil. Was bedeutet dieser Titel den Fußball-Fans im Pott?

Meininghaus: Wenn das die Ouvertüre war, was gestern im Stadion und in der Stadt abgegangen ist, darf sich Dortmund in den nächsten zwei Wochen auf die größte Party seiner Stadtgeschichte freuen.

Der Dortmund-Experte Felix Meininghaus ist Sportjournalist und schreibt unter anderem für den Tagesspiegel, die Frankfurter Rundschau, Spiegel Online und news.de. In Kürze erscheint im Delius-Klasing-Verlag sein Buch Helden in Schwarz-Gelb, in dem der Münsteraner neben der aktuellen Mannschaft die bedeutendsten Spieler der Historie von Borussia Dortmund porträtiert.

wie/news.de

Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • Fritz Knogler
  • Kommentar 6
  • 02.05.2011 11:28

Ich habe es schon beim Frühjahrs-Start der Bundesliga geahnt, Ihr werdet Meister.Jetzt ist es soweit,Gratulation.Ich wir Österreicher freuen sich mit Euch.Wir freuen uns auch mit Euch in der Champions-Ligue,wenn ihr gute Spiele liefert. Nochmals Alles Gute Fritz Knogler

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  • joerg lenzen
  • Kommentar 5
  • 01.05.2011 22:31

gratulation den dortmundern,war absolut verdient. hoffentlich verlieren sie nicht ihre leichtfuessigkeit.

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  • regnitrah
  • Kommentar 4
  • 01.05.2011 16:10
Antwort auf Kommentar 1

Welche sprache ist bitte vestang? Schon woeder nüchtern Berserker?!!

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