Jürgen Klopp Dortmunds Emotionator

Jürgen Klopp (Foto)
Lass es raus, Jürgen: Klopps extreme Emotionen nach dem 1:1 beim Hamburger SV. Bild: dapd

Ullrich KroemerVon news.de-Redakteur
Jubelgott Jürgen Klopp: Dortmunds Trainer ist der emotionalste Coach der Bundesliga. Falls der BVB vorzeitig Deutscher Meister wird, sind neue Freuden-Exzesse zu erwarten. News.de analysiert Klopps Ausbrüche an der Seitenlinie mit einem Sportpsychologen.

Wohin nur mit all den Emotionen? Am vergangenen Wochenende durfte Jürgen Klopp zur Abwechslung einmal nicht ausrasten. Borussia Dortmunds Himmelsstürmer versagten ihrem Trainer ein Tor und damit die Jubel-Explosion. Angefressen motzte Klopp nach dem Spiel im Sky-Studio und fuhr unverrichteten Jubels zurück nach Dortmund.

Dabei braucht Klopp die emotionale Entladung wie kein zweiter Trainer in der Bundesliga. Wahnsinnige Sprints an der Seitenlinie, wie beim 1:1 gegen den Hamburger SV, wahnsinniges Zähnefletschen und ekstatische Luftsprünge - Jürgen Klopp eröffnet dem deutschen Fußball gerade eine neue Jubel-Dimension. «Genauso emotional und ehrgeizig, wie wir Jürgen Klopp kennen, jubelt er auch», sagt der Sportpsychologe Lothar Linz. «Seine Art und Weise zu jubeln ist genauso unmittelbar und authentisch, wie alles andere an Jürgen Klopp auch. Genau deshalb lieben ihn die Menschen.» Seine Jubel-Ausbrüche springen auf die Fans über, die mit ihm jubeln, feiern, leiden.

Nicht gefährlich, aber extrem

Durch die außergewöhnlich heftige Äußerung seiner Emotionen zeige Klopp, unter welchem ungeheuren Druck und Stress Klopp steht, analysiert Linz. «Krankhafte Züge», wie Bayerns Manager Christian Nerlinger das jüngst bezeichnete, attestiert Linz dem designierten Meistertrainer jedoch nicht: «Klopps Verhalten an der Seitenlinie ist extrem, keine Frage. Aber er muss selber wissen, ob er den Dingen, die er bejubelt, eine solche Bedeutung beimisst, die sein Jubel-Verhalten rechtfertigt.» Klopp müsse sich fragen, sagt Linz, ob er sich so im Fernsehen oder in der Zeitung sehen wolle. «Wenn das für ihn okay ist, habe ich da nichts dagegen. Ich würde mich so nicht sehen wollen, aber für gefährlich halte ich das nicht.»

Dabei sind «Kloppos» Aufführungen am Spielfeldrand nicht nur positiv, auch die negative Energie muss raus. Bereits mehrfach wurde der 43-Jährige wegen seiner Attacken auf Schiedsrichter vom Deutschen Fußball-Bund bestraft. Der Unterschied zu Rüpel-Trainern wie José Mourinho: Nachdem Klopps erhitzes Gemüt abgekühlt ist, entschuldigte sich der gebürtige Stuttgarter stets brav. «Man darf da nicht zwischen positiven und negativen Emotionen trennen», sagt Sportpsychologe Linz. «Keiner kann von Klopp verlangen, sich einerseits wie verrückt zu freuen und negative Entscheidungen auf der anderen Seite stumm zur Kenntnis zu nehmen. Wichtig ist, dass sich Klopp entschuldigen kann, wenn er mal über das Ziel hinaus geschossen ist.»

Klopps Emotionen könnten zum Problem werden

Im Extremfall jedoch könnten Klopps emotionale Kopfstände auch zum Verhängnis für ihn werden. «Klopps Emotionen können nur dann zum Problem werden», sagt Linz, «wenn es einmal schlecht läuft und er in einer solchen Situation die Mannschaft damit belastet.»

Am Samstag jedoch kann sich ganz Dortmund unter Umständen auf die erneute Ekstase des Borussia-Cheftrainers freuen. Falls der BVB gegen den 1. FC Nürnberg gewinnt und Leverkusen gleichzeitig in Köln kein Sieg gelingt, ist Dortmund Deutscher Meister. Jürgen Klopp, daran besteht kein Zweifel, wird seine Emotionen in diesem Falle auf dem Rasen herauslassen - er kann gar nicht anders. Auf diese Bilder darf man sich bereits jetzt freuen.

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beu/news.de

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