Do., 23.05.13

Klaus Toppmöller «Sorry Schalke, aber ManU kommt weiter»

Klaus Toppmöller (Foto)
Klaus Toppmöller weiß, wie man Manchester United schlagen kann. Bild: imago/news.de (Montage)

Von news.de-Redakteur Philip Seiler
2002 besiegte er Manchester mit Leverkusen im Champions-League-Halbfinale: Mit news.de erinnert sich Klaus Toppmöller an Ovationen der ManU-Fans, seine Brieffreundschaft mit Sir Alex Ferguson und verrät, wie die Schalker zumindest eine Chance haben.

Herr Toppmöller, wie intensiv haben Sie die Champions-League-Saison des FC Schalke 04 bislang verfolgt?

Klaus Toppmöller: Ich bin ein Fußballverrückter, der sich alles anguckt. Egal ob Bundesliga, Champions League, Premier League, Primera Division oder Serie A.

Wie schätzen Sie den Erfolg der Schalker in der Königsklasse ein?

Toppmöller: Dieser Mannschaft hätte ich das nicht zugetraut. Die Bundesliga-Saison war ja teilweise eine Katastrophe. Aber im Viertelfinale gegen Inter Mailand hat Schalke zweimal überragend Fußball gespielt. Vor allem hat mir das Hinspiel in Mailand (5:2-Sieg für «Königsblau», Anm. d. Red.) imponiert. Wie Schalke die Italiener zugestellt hat, aggressiv in die Zweikämpfe gegangen ist und nach dem 0:1 von Dejan Stankovic zurückgekommen ist - das war ein Riesenspiel von Schalke.

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Nun geht es am Dienstag gegen Manchester United (ab 20.45 auf Sat.1, Sky und im news.de-Liveticker). Sie haben an diesen Gegner noch gute Erinnerungen und ihn mit Bayer Leverkusen 2002 im Halbfinale ausgeschaltet.

Toppmöller: Das 2:2 in Manchester war vielleicht unser bester Auftritt in der gesamten Champions-League-Saison. Wir sind damals von den ManU-Fans sogar mit Applaus verabschiedet worden. Im Rückspiel war das 1:1 dann für uns sehr glücklich. Jens Nowotny hat sich zu Beginn des Spiels das Kreuzband gerissen und hinten gefehlt. Diego Placente hat in der 89. Minute noch einen Ball von der Linie geköpft.

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Waren dieses 2:2 in Old Trafford und das Weiterkommen Ihre größten Momente als Trainer?

Toppmöller: Nein, mein größter Moment war das 4:2 gegen Liverpool im Viertelfinale. Ich hätte nie gedacht, dass wir das noch drehen können. Ich weiß noch, dass Markus Babbel (von 2000 bis 2004 beim FC Liverpool unter Vertrag, Anm. d. Red.) damals verletzt auf der Tribüne saß und nach der 1:0-Führung für Liverpool sagte: «Mehr als ein Tor haben wir noch nie bekommen.» Mit einem 1:1 wären die Engländer weiter gewesen. Doch am Schluss bekamen sie vier Gegentreffer.

Wissen Sie noch, was Sie der Mannschaft vor dem Spiel in Manchester gesagt haben?

Toppmöller: Oh, das ist zu lange her. Ich habe das immer vom Zeitgeschehen abhängig gemacht und als Psychotrick kleine verbale Bonbons verteilt. Wenn ein Spieler beispielsweise vorher eine überragende Leistung gebracht hat, habe ich den Rest der Mannschaft in der Sitzung damit aufgebaut. Aber an meine genauen Worte erinnere ich mich nicht mehr.

Wie schätzen die Chancen der Schalker im Halbfinale ein?

Toppmöller: So leid mir das für Schalke tut, aber Manchester kommt weiter. Die Mannschaft ist personell einfach einen Tick besser besetzt. Rio Ferdinand ist wieder dabei, der ist hinten eine Bank. Ryan Giggs spielt wieder eine überragende Saison und ist nur zu bewundern, genauso wie Ji-Sung Park. Und im Sturm hat Alex Ferguson die Qual der Wahl. Wayne Rooney wird heiß sein und auf der Bank sitzt auch noch ein Dimitar Berbatov. Außerdem glaube ich, dass es ein Nachteil ist, dass Schalke zuerst zu Hause spielen muss.

Warum ist das Ihrer Meinung nach ein Nachteil?

Toppmöller: Manchester wird auswärts auf Ergebnis spielen und versuchen, ein Tor zu machen. Selbst wenn Schalke 2:1 gewinnen sollte, hat ManU zu Hause alle Möglichkeiten.

Können Sie den Schalkern trotz Ihrer Prognose ein paar Tipps mit auf den Weg geben, wie man Manchester schlagen könnte?

Toppmöller: Sie dürfen sich auf keinen Fall verstecken und nicht ängstlich sein - genauso wie in Mailand. Wir haben damals in Old Trafford richtig forsch nach vorn gespielt und waren die aktivere, bessere Mannschaft. Wir haben schon in der gegnerischen Hälfte Pressing gespielt und ManU damit weit vom eigenen Tor weg gehalten. Wenn gute Spieler attackiert werden, machen auch sie Fehler. Und so hat Manchester damals auch Bälle verloren und angefangen, weite Pässe nach vorne zu schlagen.

Spieler wie Edwin van der Sar und Ryan Giggs standen schon 2002 im Kader. Wie stark schätzen Sie Manchester heute im Vergleich zu damals ein?

Toppmöller: Manchester hatte immer eine sehr gute Mannschaft. Man kann das Niveau dort halten, weil man immer oben dabei ist und die Meisterschaft oder den Pokal gewinnt. Wenn man vor der Saison die Fußballexperten fragt: «Wer gewinnt die Champions League?», wird in der Regel immer Manchester United genannt - und im Moment natürlich noch der FC Barcelona.

Und welche Mannschaft holt in diesem Jahr den Titel?

Toppmöller: Ich tippe auf Barcelona. Die Mannschaft ist das Nonplusultra. Lionel Messi ist das Maß aller Dinge.

Sie haben Sir Alex Ferguson einmal als weltbesten Trainer bezeichnet. Wieso bewundern Sie ihn derart?

Toppmöller: Weil er sich so lange auf diesem Niveau hält und hochkarätige Abgänge immer durch seine Neuverpflichtungen kompensiert hat. Ferguson hat alle Titel gewonnen, die es zu gewinnen gibt und ist nebenbei auch noch ein cooler Typ. Nach der Saison 2001/2002 haben wir uns oft Briefe hin und her geschrieben. Denn er hat uns damals auch bewundert. Für ihn persönlich war das Ausscheiden gegen uns eine Vollkatastrophe. Schließlich hätte das Finale in seiner Heimatstadt Glasgow gewunken. Aber nach drei Jahren ist das mit den Briefen dann leider eingeschlafen.

Was halten Sie von seinem Gegenüber, dem neuen Schalke-Coach Ralf Rangnick?

Toppmöller: Mit Ralf zusammen habe ich den Trainerschein gemacht. Daher kenne ich ihn persönlich sehr gut. Wir telefonieren ab und zu miteinander. Ich wünsche ihm viel Erfolg, dass er das - für mich - Unmögliche schafft und ins Endspiel kommt.

Was hat er auf Schalke bewirkt? Rangnick kam ja erst kurz vor dem Viertelfinale und hatte sofort Erfolg - auch in der Bundesliga. Jetzt hat man das Gefühl, es steht eine andere Mannschaft auf dem Platz.

Toppmöller: Er hat eine Fessel gelöst. Die Kommunikation und die Freude am Fußball ist wieder da. Das ist jetzt nichts gegen Felix Magath. Aber wenn Sie morgens zur Arbeit kommen und der Chef meckert sie an, dann haben Sie auch keine Lust.

 

Klaus Toppmöller ist ein ehemaliger Bundesligaspieler und -trainer. Während seiner aktiven Zeit machte er 193 Bundesligaspiele für den 1. FC Kaiserslautern und lief dreimal im Nationaltrikot auf. Als Trainer arbeitete er unter anderem bei Eintracht Frankfurt, dem VfL Bochum, Bayer Leverkusen und dem Hamburger SV. Von 2006 bis 2008 war der heute 59-Jährige Nationalcoach Georgiens. Seinen größten Erfolg feierte der gebürtige Rivenicher in der Saison 2001/2002 mit Leverkusen. Toppmöller wurde mit der «Werkself» Vizemeister und erreichte das Finale der Champions League und des DFB-Pokals. In der Königklasse scheiterte er im Endspiel knapp an Real Madrid.

kru/news.de

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