Motorsport Rot, aber noch keine Göttin: Ferrari in Not

Der Präsident grollt, die Fahrer murren, das Auto muckt: In der Ferrari-Familie herrscht Aufruhr. Auf Teamchef Stefano Domenicali und seine Crew dürften bis zum Großen Preis der Türkei zweieinhalb intensive Wochen zukommen.

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Rot, aber noch keine Göttin: Ferrari in Not Bild: dpa

Berlin (dpa) - Der Präsident grollt, die Fahrer murren, das Auto muckt: In der Ferrari-Familie herrscht Aufruhr. Auf Teamchef Stefano Domenicali und seine Crew dürften bis zum Großen Preis der Türkei zweieinhalb intensive Wochen zukommen.

In Maranello erwartete Luca di Montezemolo die Mannschaft, der Ferrari-Präsident habe einige Tage mit allen eingeplant, um die Situation zu analysieren, hieß es von Ferrari-Seiten. Man könnte es wohl auch Krisenbewältigung nennen. «Das kann und darf nicht unser Niveau sein», ließ di Montezemolo verlauten. Er fordert eine schnelle Reaktion. «Ich möchte Ferrari wieder so sehen, wie uns unsere Fans sehen wollen.»

Apropos schnell: Genau das ist das Problem. Der F150° mit Dauerkosenamen «Rote Göttin» ist derzeit alles andere als himmlisch. Sowohl Aerodynamik als auch Geschwindigkeit müssten verbessert werden, forderte der zweimalige Weltmeister (einst im Renault) und Ferrari-Hoffnungsträger Fernando Alonso, derzeit WM-Fünfter mit 42 Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Sebastian Vettel. «Die Lage ist ziemlich verzwickt», befand der Spanier, der eigentlich mal in die Fußstapfen eines Michael Schumacher bei dem italienischen Traditionsteam treten sollte.

Stattdessen scheiterte er im vergangenen Jahr im Finale nach einer strategischen Fehlzündung an Schumacher-Kumpel Vettel, nachdem einst der bis dato letzte Ferrari-Champion Kimi Räikkönen (2007) den Platz für den Montezemolo-Wunschkandidaten hatte räumen müssen. In den vergangenen beiden Rennen der noch recht jungen Saison hatte er sogar das Nachsehen gegen Felipe Massa im eigenen Team. Das mag Alpha-Tier Alonso überhaupt nicht.

So gesehen, müsste doch wenigstens der vertragliche Rennbruder in der Ferrari-Familie ein wenig zufrieden sein. Doch falsch: Der Gesamtsechste beklagte sich über die Zweistopp-Taktik beim Großen Preis von China. Immerhin lobte der 29-jährige Brasilianer, der praktisch vor jeder Saison zumindest in der Öffentlichkeit als Wackelkandidat gehandelt wird, den Speed seines Wagens in Shanghai. Auf den weichen Reifen sei er fast so schnell gewesen wie Weltmeister Vettel im Red Bull, meinte Massa.

Doch vom Branchenführer im Privatbesitz ist das Team-Urgestein der Formel 1 derzeit klar entfernt. Statt die Lücke zu Red Bull und McLaren zu schließen, taucht neben Renault auch noch Mercedes im Rückspiegel auf - oder sogar vor der Fahrzeugnase.

Eile ist also angesagt. «Es gibt keine Zeit zu verlieren nach so einem harten Start in die WM», schrieb die Scuderia auf ihrer Homepage. Bereits am Montag nahmen Domenicali und seine Mitstreiter die Arbeit in Italien wieder auf. «Ich gehe davon aus, dass unsere Ingenieure mit Entschlossenheit und Know-how handeln und das Beste aus sich rausholen, um die Leistung des Wagens in kurzer Zeit zu verbessern», meinte di Montezemolo.

«Wir wissen, dass unsere Probleme nicht wie von magischer Hand gelöst werden können», räumte Teamchef Domenicali ein, auf den der Druck mit jedem schlechten Rennergebnis weiter steigt. Nach dem Malaysia-Rennen waren er und zwei weitere Teamverantwortliche sogar zu einem Kurztrip nach Italien geflogen, um dann in China einen erneut den Zielen hinterherzufahren.

news.de/dpa

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