Klaus Toppmöller «Fünf Punkte sollten diesmal reichen»

Klaus Toppmöller (Foto)
Sein letzte Trainerstation liegt schon drei Jahre zurück: Damals war Klaus Toppmöller Nationalcoach Georgiens. Bild: imago

Von news.de-Redakteur Philip Seiler
Wenn einer weiß, dass man fünf Punkte im Titelkampf noch verspielen kann, dann ist es Klaus Toppmöller. 2002 lag er mit Leverkusen vorn, am Ende jubelte Dortmund. Bei news.de gibt er diesmal dem BVB Tipps und verrät, warum er gerne Israel trainieren würde.

Herr Toppmöller, an was denken Sie zuerst, wenn Sie das Wort «Fünf-Punkte-Führung» hören?

Klaus Toppmöller: Natürlich kann ich mich noch gut an die Saison 2001/2002 zurück erinnern, als Dortmund am Ende Meister wurde.

Sie lagen damals mit Bayer Leverkusen nach dem 31. Spieltag fünf Punkte vor dem BVB. Denken Sie noch oft an diese vergebene Meisterschaft zurück?

Toppmöller: Nein. Ich weiß aber noch, dass uns Udo Lattek vor dieser Saison auf Platz sieben getippt hat. Das war der Expertentipp, der am besten ausfiel. Da war von Champions League und DFB-Pokal nicht mal die Rede. (Leverkusen erreichte in dieser Saison das Finale der Champions League und des DFB-Pokals, Anm. der Red.). Heute wird die Saison ja zum Glück auch als Erfolg gewertet.

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Haben Sie heute mit etwas Abstand eine Erklärung, warum es damals nicht zum Meistertitel gereicht hat?

Toppmöller: Ich war mit Bayer Leverkusen bis zum Schluss im DFB-Pokal und in der Champions League dabei. Inklusive der WM haben die Spieler in diesem Jahr insgesamt 75 oder 76 Spiele gemacht. Das hat Kraft, Substanz und viele Verletzte gekostet, die zum Schluss den Ausschlag gegeben haben. Und solche Dinge haben zum Ende einer Saison eine enorme Tragweite.

Diesmal hat Dortmund fünf Punkte Vorsprung auf Leverkusen. Besteht die Gefahr, dass auch der BVB diesen Vorsprung verspielt?

Toppmöller: Dem BVB wird das nicht passieren. Die Dortmunder haben aber auch den Vorteil, dass sie sich voll und ganz auf die Bundesliga konzentrieren konnten. Die Mannschaft kann sich unter der Woche regenerieren und am Wochenende wieder Gas geben. Das ist ein Riesenvorteil.

Sie glauben also nicht, dass es Ihr Ex-Klub noch mal spannend machen kann?

Toppmöller: Nein, dafür hat die Mannschaft zu viele Spiele dumm verloren. Außerdem wird man in Dortmund zunächst mal davon ausgehen, dass Leverkusen am Sonntag in München verliert. Und ich glaube auch nicht, dass Bayer jetzt durchmarschieren und alles gewinnen wird. Fünf Punkte sollten also diesmal reichen.

Das hört sich so an, als würden Sie dem BVB den Titel gönnen?

Toppmöller: Der BVB steht völlig zurecht da oben. Damit hätte vor der Saison auch keiner gerechnet. Die Dortmunder wissen um ihre Qualitäten. Roman Weidenfeller spielt eine starke Runde im Tor. In der Abwehr steht die Mannschaft sehr stabil, insbesondere die Innenverteidigung mit Mats Hummels und Neven Subotic. Und ein Mario Götze oder ein Kevin Großkreutz können mit dem Ball umgehen und bauen jetzt auch in dieser Phase nicht ab. Das ist schon eine sehr, sehr gute Mannschaft.

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Haben Sie trotzdem einen Tipp, was Dortmund diesmal besser machen kann als Leverkusen 2002?

Toppmöller: Die sollen einfach so weitermachen wie bisher und sich nicht verrückt machen lassen. Aber ich bin mir sicher, dass Jürgen Klopp da schon die richtigen Worte finden wird.

Bei Leverkusen spielt ja auch ein alter Bekannter von Ihnen. Michael Ballack war 2002 bei Bayer einer der Leistungsträger. Mittlerweile ist er auf dem absteigenden Ast und muss nach seiner Rückkehr sogar um seinen Stammplatz kämpfen. Tut Ihnen das in der Seele weh?

Toppmöller: Das ist traurig und tut einem natürlich weh. Michael Ballack hat mit seinen beiden Verletzungen Riesenpech gehabt. Ein falscher Tritt oder ein Schlag im Training - das kann im Fußball immer passieren. Und das muss man dann so hinnehmen. Bis zur WM 2010 hat er ja eigentlich durchgespielt, er hatte in seiner Karriere nie eine schwere Verletzung. Aber jetzt kommt er ja langsam wieder in Tritt.

Ihre letzte Trainerstation in Georgien liegt schon über drei Jahre zurück. Sehen wir Sie auf der Trainerbank noch einmal wieder?

Toppmöller: Wenn, dann nur noch im Ausland.

Das heißt, die Bundesliga kommt für Sie nicht mehr in Frage?

Toppmöller: Eher nein.

Gibt es aus dem Ausland einen Favoriten?

Toppmöller: Ich habe Anfragen aus der Türkei, Griechenland, Russland, Saudi-Arabien und Dubai. Aber bei mir muss es Klick machen. Mit Kamerun war 2010 schon alles vereinbart. Ich sollte Nationaltrainer werden. Dann kam der Staatspräsident (Paul Biya, Anm. d. Red.) und sagte, ich müsste fest im Land leben, obwohl er das gar nicht durfte. Dann war das Thema für mich erledigt. Aber ich werde jetzt auch zum dritten Mal Opa und wollte ja eigentlich schon mit 50 aufhören. Dann ist 56 daraus geworden (Klaus Toppmöller ist 59 Jahre alt, sein letztes Engagement endete 2008 in Georgien, Anm. d. Red.). Man muss das Leben auch mal genießen können. Wenn ich also noch mal zurückkehre, muss alles passen.

Gibt es umgekehrt Nationen oder Vereine, der Sie noch mal reizen würden?

Toppmöller: Ich kann es mir ja nicht aussuchen. Aber Israel sucht zum Beispiel gerade einen Nationaltrainer. Das wäre eine Mannschaft, aus der man etwas herauskitzeln könnte und die man erstmals zu einer WM oder EM führen könnte. Denen fehlten in der Qualifikation immer nur ein oder zwei Punkte.

Klaus Toppmöller ist ein ehemaliger Bundesligaspieler und -trainer. Während seiner aktiven Zeit machte er 193 Bundesligaspiele für den 1. FC Kaiserslautern und lief dreimal im Nationaltrikot auf. Als Trainer arbeitete er unter anderem bei Eintracht Frankfurt, dem VfL Bochum, Bayer Leverkusen und dem Hamburger SV. Von 2006 bis 2008 war er der heute 59-Jährige Nationalcoach Georgiens.

cvd/news.de

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