Paris-Roubaix Ein Nobody trumpft auf

Paris-Roubaix (Foto)
Die Fahrer gehen bei Paris-Robaix an ihre Grenzen. Bild: dpa

Nicht Tom Boonen, nicht Fabian Cancellara. Der belgische Radprofi Johan van Summeren hat alle Favoriten in den Schatten gestellt und völlig überraschend die 109. Auflage des Frühjahrs-Klassikers Paris-Roubaix gewonnen.

Ausgerechnet in der «Hölle des Nordens» ist Johan Van Summeren in den siebten Radsport-Himmel aufgestiegen. Der belgische Radprofi vom Team Garmin-Cervelo gewann völlig überraschend den Klassiker Paris-Roubaix und feierte den größten Erfolg seiner Karriere.

Der 30-Jährige, der bei Sommer-Wetter als Solist und über beide Ohren strahlend das legendäre Velodrom von Roubaix erreichte, verwies Fabian Cancellara aus der Schweiz und den Niederländer Maarten Tjallingii auf die Plätze. «Ich war so motiviert, ich wollte das Maximum herausholen», sagte der Sieger. «Als ich in der Spitzengruppe war, wusste ich, ich kann gewinnen.»

Einer der ersten Gratulanten war Vorjahressieger und Top-Favorit Cancellara, der sich wie schon vor einer Woche bei der Flandern- Rundfahrt verzockte. Hatte sich der Schweizer in Belgien noch durch seine ungestümen Attacken selbst geschwächt, so wurden dem Zeitfahr- Weltmeister und Klassiker-Spezialisten sowie den anderen Favoriten in Nordfrankreich die taktischen Spielchen zum Verhängnis.

Paris - Roubaix
Hölle des Nordens
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Auf der Jagd nach Van Summeren konnten sich Cancellara und Co. bei der Nachführarbeit nicht einigen und gingen leer aus. «So läuft das eben», meinte Cancellara, der nach Platz zwei bei Mailand-San Remo und Rang drei in Flandern erneut den Sprung nach ganz oben auf dem Podest verpasste. «Ich habe sehr, sehr viel gearbeitet. Aber Garmin hatte einfach die bessere Taktik. Man kann nicht immer gewinnen.»

Boonen im Pech

Vor allem die insgesamt 27 Kopfsteinpflaster-Passagen auf dem 258 Kilometer langen Kurs forderten prominente Opfer. Der dreimalige Sieger Tom Boonen musste im Wald von Arenberg wegen eines Defekts vom Rad. Quälend lange Sekunden rauschte das Feld am Belgier vorbei. Spätestens als Boonen in einem Wiesenstück noch einmal zu Fall kam, war das Rennen für ihn gelaufen - er stieg wenig später aus. Bitter für sein Team Quick Step: Auch Lokalmatador Sylvain Chavanel, Zweiter bei der Flandern-Rundfahrt, büßte nach einem Sturz alle Chancen ein.

Deutsche Fahrer spielten beim Ausgang des Rennens keine Rolle - zwei Fahrer drückten in dem Rennen in der Anfangsphase ihren Stempel auf. Zunächst gelang dem Hamburger Timon Seubert in einer achtköpfigen Gruppe die Flucht. Beachtlich: Der Hamburger war mit seinem Zweitliga-Team NetApp beim ersten Eliterennen überhaupt am Start. «Für die Jungs ist das etwas Neues. Mal sehen, was passiert», hatte der Sportliche Leiter Jens Heppner noch am Start mehr zweifelnd denn optimistisch gesagt.

Nach 118 Kilometern bekam Seubert deutsche Gesellschaft, als Sprintspezialist André Greipel auf die Spitzenreiter aufschloss. Der Hürther vom Team Omega Pharma-Lotto verrichtete viel Führungsarbeit und fuhr lange im Staub. Die entscheidenden Tempoverschärfungen im Finish konnte er dann nicht mehr parieren. Der 22-jährige John Degenkolb aus Gera war als 19. bester deutscher Starter.

hem/news.de/dpa

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