Oenning beim HSV «Ja, er kann!»

Kann ausgerechnet Michael Oenning den Krisenklub Hamburger SV zurĂŒck zum Erfolg fĂŒhren? «Ja, er kann!», antwortet der Trainer im news.de-Interview selbstbewusst. Ein GesprĂ€ch ĂŒber Gegner BVB, das PrĂ€dikat «untrainierbar» und die Zukunft des HSV.

Zuversichtlich: Michael Oenning will Cheftrainer des HSV bleiben. Bild: dpa

Herr Oenning, in Ihren beiden bisherigen Spielen als Cheftrainer hat der HSV ein Spiel furios gewonnen und eines zĂ€h bis zum Remis verwaltet. Auf welches Team dĂŒrfen wir uns heute gegen den TabellenfĂŒhrer einstellen?

Oenning: Wir freuen uns auf diese Partie. Es gibt nichts Schöneres als sich mit der aktuell besten deutschen Mannschaft zu messen. Ich bin davon ĂŒberzeugt, dass wir in unserem Stadion eine sehr gute Chance haben, das Spiel fĂŒr uns zu entscheiden. Nichts anderes ist unser Ziel.

Borussia Dortmund und JĂŒrgen Klopp sind aktuell Trendsetter in der Bundesliga. Wie nahe kommen die Dortmunder Ihrer Auffassung von Fußball?

Oenning: Die Dortmunder haben die Bundesliga in dieser Saison geprĂ€gt. Wie sie spielen und sich dabei prĂ€sentieren, gefĂ€llt mir. Ich wĂŒnsche mir sogar, dass sie Meister werden, denn das wĂ€re gut fĂŒr den Fußball.

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Das klingt ja beinahe schwÀrmerisch.

Oenning: Der BVB hat sich den Titel einfach verdient.

Trainer wie Klopp, Tuchel, Dutt sind derzeit in aller Munde. Inwiefern fĂŒhlen Sie sich dieser Generation der sogenannten «Konzepttrainer» zugehörig?

Oenning: GrundsĂ€tzlich sollte man derzeit jeden Trainer individuell sehen. Jeder Coach hat seine Vorstellungen von der tĂ€glichen Arbeit mit seiner Mannschaft, der Spielauffassung und natĂŒrlich auch ein Konzept.

Sie haben in einem Interview gesagt: «Es war nie mein Ziel, einen Bundesliga-Klub zu trainieren. Es hat sich nur an irgendeinem Punkt so ergeben.» Wie war das beim HSV?

Oenning: Was man nicht alles so erzĂ€hlt. Diese SĂ€tze stammen aus meiner Zeit in NĂŒrnberg. Als ich beim HSV als Co-Trainer anfing, hat mich in den GesprĂ€chen vor allem die grundsĂ€tzliche Ausrichtung des Vereins ĂŒberzeugt. Deshalb war es fĂŒr mich auch ĂŒberhaupt kein RĂŒckschritt als Co-Trainer zu arbeiten.

Nun sind Sie ĂŒberraschend Cheftrainer geworden und wollen das auch bleiben. Woher nehmen Sie das Selbstvertrauen, diesen bisweilen schon als «untrainierbar» bezeichneten Klub zurĂŒck in die Erfolgsspur fĂŒhren zu können?

Oenning: Die tĂ€gliche Arbeit mit der Mannschaft macht unheimlich viel Spaß. Die Jungs ziehen super mit und sind fokussiert auf die kommenden Aufgaben. Und ein Begriff wie «untrainierbar» ist aus meiner Sicht zudem ĂŒberhaupt nicht zutreffend.

Welchen Plan verfolgen Sie in den verbleibenden Wochen bis zum 34. Spieltag mit der Mannschaft - personell, taktisch, auf sozialer Ebene?

Oenning: Ich halte es fĂŒr zwingend erforderlich und verantwortungsvoll, dass sich jetzt alle Verantwortlichen gemeinsam Gedanken machen, wie das Gesicht der Mannschaft in der nĂ€chsten Saison aussehen soll. Das tun wir und gehen die Themen gemeinsam an. Und im Idealfall spielt die Mannschaft in der nĂ€chsten Saison international. Wir haben noch sechs Spiele, in denen alles möglich ist.

Nach den Kapriolen der vergangenen Wochen braucht der HSV einen Sportlichen Leiter sowie einen Trainer, die den Klub einen können, ihm wieder eine einheitliche Philosophie vermitteln können. Wie sieht Ihre Vorstellung dahingehend aus?

Oenning: Eine einheitliche Philosophie ist das entscheidende Kriterium. Ein Verein sollte unabhĂ€ngig von Personen genau wissen, was er möchte. Mit Frank Arnesen kommt ab Sommer ein Sportchef, der sicher vieles bewegen wird. Die GesprĂ€che, die ich bislang mit ihm gefĂŒhrt habe, waren sehr konstruktiv und gut.

Die Menschen fragen sich: Kann der vergleichsweise unerfahrene, unbekannte Michael Oenning tatsĂ€chlich einen seit Jahrzehnten kriselnden, ehemaligen Weltverein zurĂŒck in die Spur bringen?

Oenning: Ja, er kann!

 

Nach der Freistellung von Armin Veh sitzt Michael Oenning als Cheftrainer auf der Bank des Hamburger SV. Gegen Borussia Dortmund bestreitet der 45-JĂ€hrige sein drittes Spiel als Chef des launischen und bisweilen chaotischen Klubs aus der Hansestadt. Oenning, der als Spieler nie Profi war, studierte in MĂŒnster Sport und Germanistik. Nach seinem Lehramtsstudium arbeitete der Grimme-Preis-TrĂ€ger beim WĂŒrttembergischen Fußballverband sowie beim DFB als Nachwuchstrainer. Im Profibereich war Oenning in Mönchengladbach, Wolfsburg und NĂŒrnberg als Co-Trainer im Amt, ehe er 2008 bei den Franken zum Chefcoach befördert wurde. Nach seiner Entlassung im Jahr darauf wechselte Oenning zum HSV.

phs/cvd/news.de

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